Connect with us

Sie suchen ein bestimmtes Thema?

Kultur & Lifestyle

Zwerge und Eskimos

Warum die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein Gemälde des Niederländers Jan Fyt umbenannt haben.

Das Gemälde mit dem Originaltitel „Hund, Zwerg und Knabe“ von Jan Fyt hat den neuen Titel „Hund, kleinwüchsiger Mann und Junge“
Das Gemälde mit dem Originaltitel „Hund, Zwerg und Knabe“ von Jan Fyt hat den neuen Titel „Hund, kleinwüchsiger Mann und Junge“ (Foto: gemeinfrei)

Seit Anfang 2020 haben Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) die Titel von bisher 143 Werken wegen rassistischer oder anderweitig diskriminierender Begriffe verändert. Dazu zählen Wörter wie „Mohr“, „Zigeuner“ oder „Eskimo“, die aus Werkbezeichnungen entfernt wurden. Dies geht aus der Antwort des sächsischen Kulturministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion hervor.

So gibt es auch einen neuen Titel für das 1652 entstandene Gemälde „Hund, Zwerg und Knabe“: Das Werk des Niederländers Jan Fyt (1611–1661) heißt nun „Hund, kleinwüchsiger Mann und Junge“. Fyt wurde von seinen Zeitgenossen als besonders auf Jagdstillleben spezialisierter Maler geschätzt. Auch Tierbilder, Früchte- und Blumenstillleben gehörten zu seinen bevorzugten Genres.

Die Dresdner Kunsthistoriker erklären: Soll trotz diskriminierender Inhalte ein Titel erhalten bleiben, dann werde dieser in Anführungszeichen gesetzt und mit dem Hinweis „historischer Titel“ versehen. Dies sei etwa der Fall, wenn es sich beispielsweise um einen von einem Künstler vergebenen Originaltitel handelt oder die Bezeichnung durch historische Inventare, Beschriftungen oder Kataloge fest verankert sei. Grundsätzlich würden keine historischen Informationen oder Titel getilgt, hieß es, sondern im Änderungsfall für Forschungszwecke in eine nicht öffentliche Dokumentationsebene verschoben.

Auch die NASA will politisch korrekt sein

Die SKD ist übrigens nicht allein in ihren Bestrebungen. Ebenfalls seit rund zwei Jahren überprüft beispielsweise die NASA ihr Vokabular. So verwendet sie einige inoffizielle Spitznamen für Planeten, Galaxien und andere Himmelskörper nicht mehr. Künftig soll etwa beim Planetennebel NGC 2392 nicht mehr vom Eskimo-Nebel die Rede sein.

„Eskimo gilt als kolonialer Begriff mit einer rassistischen Geschichte, der den Indigenen der arktischen Regionen aufgezwungen wurde“, so die Weltraumbehörde. (Früher wurde das Wort zudem fälschlicherweise als „Rohfleischesser“ übersetzt.) Die zwei Spiralgalaxien NGC 4567 und NGC 4568 werden außerdem nicht mehr „Siamesische Zwillinge“ genannt. „Alle Namen sollen mit unserem Anspruch an Diversität und Integration übereinstimmen. Wissenschaft ist für alle da, und jede Facette unserer Arbeit muss diese Haltung widerspiegeln“, so die NASA weiter.

(RP)

Kommentieren

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ROLLINGPLANET ist zurück

Herzlich willkommen zum neuen ROLLINGPLANET. Seit August 2021 sind wir nach viermonatiger Pause wieder online – rechtzeitig vor unserem zehnjährigen Jubiläum. Weitere Infos zu unserem Relaunch.

Newsletter

Keine Neuigkeit und Aktion mehr verpassen – jetzt den ROLLINGPLANET-Newsletter lesen:
Werbung
Werbung
Werbung

LESETIPPS

Werbung

Events & Termine

September, 2021

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Gesellschaft & Politik

Rund 750 Organisationen haben sich der Aktion „WIR für Menschlichkeit und Vielfalt“ angeschlossen und setzen sich ein für hohe Wahlbeteiligung und gegen Diskriminierung.

Gesellschaft & Politik, Ziemlich bester Lesestoff

Am 26. September entscheiden die Bürger über die neue Zusammensetzung des Parlaments. Ob Menschen mit Einschränkungen über die Ziele der Parteien adäquat informiert werden, analysiert für ROLLINGPLANET Sprachwissenschaftlerin Andrea Halbritter.

Kultur & Lifestyle

Am Wochenende feierte das berühmte Berliner Museum Wiedereröffnung. Das Bauwerk von Mies van der Rohe ist nach wie vor eine architektonische Sensation – und zeigt, wie sich Barrierefreiheit und Denkmalschutz vereinen lassen. Von Constanze von Marlin

X