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Paralympics-Nachrichtenticker: Zwei deutsche Athleten wegen Impfstatus nicht dabei

Bundeskanzler Scholz wünscht deutschem Team Erfolg +++ Ukrainisches Team in großer Sorge um Angehörige +++ Russisches Team reist ab +++ Sonne blendet sehbehinderte Athleten

China, Zhangjiakou: Trainingsstrecke für die Langlauf-Wettbewerbe im Para Ski Nordisch. (Foto: Jens Büttner/dpa)
China, Zhangjiakou: Trainingsstrecke für die Langlauf-Wettbewerbe im Para Ski Nordisch. (Foto: Jens Büttner/dpa)

Vom 4. bis zum 13. März finden die Winter-Paralympics 2022 in Peking statt.

Paralympics offiziell eröffnet

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat die 13. Winter-Paralympics um 21.02 Uhr (14.02 MEZ) für eröffnet erklärt. Um 21.33 Uhr (14.33 Uhr MEZ) wurde die Flamme entzündet. Ausführlicher Bericht: Bei der Eröffnungsfeier versucht die deutsche Delegation ein Zeichen für den Frieden zu setzen, und das chinesische Staatsfernsehen zensiert die Rede von Paralympics-Präsident Andrew Parsons.

Scholz wünscht deutschem Team Erfolg

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat dem deutschen Team bei den Winter-Paralympics in Peking erfolgreiche Wettkämpfe und bereichernde Begegnungen mit Sportlern aus aller Welt gewünscht. „Wir freuen uns mit unseren Athletinnen und Athleten in der kommenden Woche auf großartige sportliche Momente“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Wolfgang Büchner am Freitag in Berlin. Er kündigte an, dass Scholz sich am Mittwoch (15.30 Uhr) in einer Videoschalte mit einer Gruppe der deutschen Athleten austauschen will.

Ukrainisches Paralympics-Team in großer Sorge um Angehörige

Viele ukrainische Sportler sorgen sich während der Winter-Paralympics in Peking um ihre Angehörigen in der Heimat. „Unser Athlet Witali Lukianenko kommt aus Charkiw, wo die Situation fürchterlich ist“, berichtete Verbandssprecherin Natalija Haratsch: „Seine Frau und seine Tochter waren auf dem Weg mit dem Auto zu einer Apotheke und seit sie in der Nähe der Apotheke waren, hatte er keinen Kontakt mehr mit ihnen. Er ist sehr besorgt, was mit ihnen passiert ist. Und davon gibt es so viele Geschichten.“

Waleri Suschkewitsch, seit 25 Jahren Präsident des ukrainischen Paralympics-Verbandes, erklärte:

„Es ist ein Wunder, dass wir es alle hierher geschafft haben. Wir waren vier Tage und vier Nächte unterwegs. Und wir mussten viele Hürden überwinden. Viele unserer Team-Mitglieder mussten vor Bomben und Granaten flüchten.“

Die Anreise war nach einer Schilderung der Sprecherin extrem abenteuerlich. Der Flug sei von Kiew nach Lwiw umgebucht, das gesamte Equipment nach Lwiw gebracht worden. Doch einige Athleten waren noch im Trainingslager in Italien. Sie sollten zum gemeinsamen Abflug hinzustoßen, doch am geplanten Abreisetag, dem 24. Februar, war der Luftraum geschlossen. „Also fragten wir den Busfahrer, ob er mit dem Bus durch Europa fahren könne, um unsere Athleten einzusammeln“, sagte Harratsch.

Eine entsprechende Lizenz traf zunächst nicht ein, weil der Kurier durch eine zerstörte Brücke aufgehalten wurde. Ein zweiter Fahrer habe die Lizenz gebracht und der Bus sei über Polen, die Slowakei und Österreich nach Mailand gefahren. „Und am Ende sind wir tatsächlich alle hier“, sagte die Sprecherin. Die Delegation umfasst 20 Sportler, insgesamt sind es 54 Personen.

Russisches Team verlässt Paralympics

Das russische Team wird nach seinem Ausschluss die Paralympics in Peking verlassen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei es „nicht lohnenswert, in Peking zu bleiben“ und man plane, „die Hauptstadt der Winterspiele, die Stadt der wunderbaren Menschen, in naher Zukunft zu verlassen“, teilte das russische Paralympische Komitee (RPC) am Freitag mit. Die Abreise erfolge auch, weil man keine Chancen sieht, mit einer Klage beim Internationalen Sportgerichtshof Cas Erfolg zu haben.

Demnach würden die Regeln des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) diesen rechtlichen Schritt ausschließen. Das RPC habe führende russische und ausländische Anwaltskanzleien hinzugezogen, um die Situation zu prüfen. „Das IPC kann nach eigenem Ermessen jeden Athleten ohne Angabe von Gründen von der Teilnahme ausschließen. Außerdem fehlt der IPC-Verfassung eine Schiedsklausel, die es dem RPC ermöglicht, den Cas anzurufen“, hieß es in der Mitteilung der Russen unter Verweis auf Punkt 2.9 des IPC-Regelwerks. Das RPC behielt sich aber das Recht vor, zu einem späteren Zeitpunkt vor „zuständige internationale und nationale Gerichte“ zu ziehen.

Das IPC hatte aufgrund des russischen Krieges gegen die Ukraine am Donnerstag die Russen und Belarussen ausgeschlossen, nachdem es zuvor noch entschieden hatte, sie als neutrale Athleten starten zu lassen. Das hatte zu massiven Protesten der anderen Nationen geführt.

Zugleich übten die Russen Kritik am IPC und IOC-Präsident Thomas Bach. „Diese Entscheidung ist politisch motiviert, widerspricht allen Postulaten der paralympischen Bewegung und zeigt deutlich, dass Doppelmoral im modernen Sport leider zur Norm geworden ist“, hieß es. Das IOC hatte Anfang der Woche den internationalen Sportverbänden und Veranstaltern von Sportereignissen empfohlen, russische und belarussische Athleten sowie Offizielle von internationalen Wettkämpfen auszuschließen. Bachs Schritt führe „zur Degradierung und zum Zusammenbruch des Weltsports“, teilte das RPC mit.

Zwei deutsche Athleten wegen Impfstatus nicht bei Paralympics

Präsident Friedhelm Julius Beucher vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) hat bestätigt, dass zwei Sportler wegen ihres Impfstatus nicht bei den Paralympics in Peking dabei sind.

„Ich respektiere, dass sich einer nicht impfen lassen will, aber dann kann er nicht für sein Individualverhalten die Gesellschaft in Sippenhaft nehmen“,

sagte Beucher der „Paralympics Zeitung“ des „Tagesspiegel“: „Dann muss er auch mit den Konsequenzen leben. Da gab es bei uns keine Diskussion. Und auch keinen Aufschrei dieser Sportler.“

Neben dem Gesundheitsschutz für die anderen Athleten spielte auch die Logistik bei der Grundsatzentscheidung des DBS eine Rolle. Wer ohne vollständigen Impfschutz nach China einreist, müsste sich einer dreiwöchigen Zimmer-Quarantäne unterziehen. «Es würde also schlichtweg keinen Sinn machen, ohne vollständigen Impfstatus dort hinzufahren“, hatte Beucher schon im Vorfeld angekündigt.

Bei den Sommer-Paralympics vor rund einem halben Jahr hatte der DBS den vollständigen Impfnachweis nur von Betreuerinnen und Betreuern verlangt, diesmal von der gesamten Delegation.

Sonne blendet sehbehinderte Athleten

Die ungewöhnlichen Lichtverhältnisse bei den Paralympics in Peking beschäftigen vor den am Samstag beginnenden Wettkämpfen vor allem die sehbehinderten Athleten. „Es ist sehr grell. Damit komme ich noch überhaupt nicht zurecht“, sagte Biathlet Nico Messinger, der zwei Prozent Sehkraft hat, nach dem Training: „Ich bin sowieso sehr stark lichtempfindlich, wenn die Sonne scheint und im Schnee reflektiert. Und ich habe das Gefühl, dass die Blendung hier noch mal stärker ist als an anderen Wettkampforten.“

Das könne daran liegen, „dass man hier im Stadion gar keine Bäume hat, die Licht filtern können“, sagte der 27 Jahre alte Freiburger: „Ich habe auch schon mit anderen, nicht sehbehinderten Athleten gesprochen, die auch sagen, dass es hier sehr grell ist.“

Ein Lob mit etwas Sarkasmus gab es derweil von Alpin-Bundestrainer Justus Wolf für die Bedingungen rund um die Rennstrecke. Die seien „wie erwartet“ super, sagte Wolf: „Wenn man keine Grenzen vom Naturschutz und Budget hat, dann geht sowas. Wenngleich man sich in puncto Nachhaltigkeit fragen muss: Braucht es das?“

DBS-Präsident Beucher über die Olympischen Spiele

„Sportlich: zwei plus. Gesellschaftliches Umfeld: sechs. Organisation: zwei. Nachhaltigkeit im Hinblick auf die Wettkampfstätten: sechs.»

(Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes im Interview mit der „Paralympics Zeitung“ des „Tagesspiegel“ auf die Frage, welche Note er als ehemaliger Schulrektor den Olympischen Spielen in Peking geben würde)

„Das würde ich ihm gerne mal persönlich sagen. Ob ich Herrn Bach jetzt beschimpfe oder was, das bringt doch nichts, außer ein bisschen Selbstbefriedigung.“

(Beucher im selben Interview auf die Frage, wie er das Auftreten von IOC-Chef Thomas Bach bei den Olympischen Spielen bewerte)

Nicht jeder verurteilt Putin

Friedhelm Julius Beucher sieht in dem Ausschluss von Russland und Belarus von den Paralympics in Peking vor allem ein Zeichen, hat aber auch das Verhalten einzelner Sportler kritisiert. „Natürlich werden da auch Sportlerinnen und Sportler dabei sein, die nichts für den Krieg können oder auch den Krieg ablehnen“, sagte Beucher im Interview des Bayerischen Rundfunks: „Aber leider haben wir auch sehr viele umgekehrte Beispiele, wo es Posts […] gibt, auch aus dem Parasport, die glühend Putin gratuliert haben.“

Ganz allgemein gehe es aber „nicht um den Ausschluss, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass dieser schlimme Krieg beendet wird“, führte der frühere Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag weiter aus.

(RP/dpa)

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