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Gesellschaft & Politik

„Zündeln an den Strukturen“: Roman „befeuert“ Diskussion zur Reform der Werkstätten für behinderte Menschen

Schlechte Bezahlung unter dem Mindestlohn und eine geringe Vermittlungsquote in den allgemeinen Arbeitsmarkt werden seit Jahren kritisiert.

Cover des Buches
(Foto: Epubli)

Der Reportage-Roman „Zündeln an den Strukturen“ von Ottmar Miles-Paul „befeuert“ die aktuelle Diskussion über die längst überfällige Gesetzesreform des Systems der Werkstätten für behinderte Menschen. Darauf weist Barbara Vieweg, die Geschäftsführerin des Bildungs- und Forschungsinstituts zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos), hin.

Die schlechte Bezahlung weit unter dem Mindestlohn mit durchschnittlich 226 Euro monatlich und die geringe Vermittlungsquote von behinderten Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt durch Werkstätten für behinderte Menschen von jährlich 0,35 Prozent wird schon seit vielen Jahren kritisiert. Was diese Benachteiligungen für Betroffene konkret bedeuten können, damit hat sich der Behindertenrechtler Ottmar Miles-Paul in seinem Reportage-Roman „Zündeln an den Strukturen“ befasst. Dabei geht er insbesondere der Frage nach, welche Alternativen möglich sind – vor allem, wenn es keine Werkstatt mehr gäbe.

„Eine lesenswerte Sichtweise über Ungerechtigkeit“

„Der im August 2023 erschienene Reportage-Roman bietet die Möglichkeit für eine andere und lesenswerte Sichtweise über Ungerechtigkeiten in Werkstätten für behinderte Menschen. Dies ist gerade jetzt besonders wichtig, weil die politischen Diskussionen meist abgehoben von den Sichtweisen der behinderten Menschen, die inklusiv arbeiten und leben wollen, geführt werden. Diese Stimmen sollten aber besonders in der aktuellen Reformdiskussion, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit der Veröffentlichung einer Studie zum Entgelt in Werkstätten und zu Perspektiven auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt angestoßen wurde, berücksichtigt werden“, betonte Barbara Vieweg.

„Sie haben es tatsächlich getan und sind selbst überrascht, dass sie zu einer solchen Tat fähig waren. Bestimmt hunderte Male hatten sie mit wachsender Frustration durchgespielt, wie sie sich gegen die Ungerechtigkeiten in der Werkstatt für behinderte Menschen wehren können. Nun haben Helen Weber und ihre beiden Freunde das Werkstattgebäude in Brand gesetzt“,

heißt es im Klappentext des Reportage-Romans. Und weiter heißt es dort: „Wie kam es zu dieser Brandstiftung? Kommen Helen Weber und ihre Freunde mit dieser Tat davon? Und was wird nun in der Praxis aus dem theoretischen Gedankenspiel ‚Was wäre möglich, wenn es keine Werkstatt für behinderte Menschen in unsrer Stadt gäbe?‘ Katrin Grund, eine junge Volontärin der Lokalzeitung, ist aufgrund ihrer Schlaflosigkeit schnell an der Brandstelle. Bei der Brandstiftung wittert sie eine größere Story und hofft, damit endlich in der Redaktion Fuß fassen zu können. Sie beginnt über das System der Werkstätten für behinderte Menschen zu recherchieren. Dabei lernt sie die Enthinderungsgruppe kennen. Deren Mitglieder setzen sich für Inklusion und den Abbau von Barrieren ein. So entstehen Freundschaften, aber auch Verirrungen und Verwirrungen.“

Kriminalroman aus dem Herzen der Behindertenbewegung

Prof. Dr. Theresia Degener, Professorin für Recht und Disability Studies und ehemalige Vorsitzende des Fachausschusses der Vereinten Nationen für die Rechte behinderter Menschen schrieb zum Roman:

„Von einem solchen Kriminalroman aus dem Herzen der Behindertenbewegung habe ich seit Jahren geträumt! Spannend, lustig, informativ! Wie Werkstätten wirtschaftlich und ökonomisch funktionieren, wie die sozialen Bewegungen ‚Selbstbestimmt Leben‘ und ‚Mensch Zuerst‘ ticken wird hier auf geniale Weise vermittelt. Behinderte Protagonist*innen sind wie ihre nichtbehinderten Roman-Peers facettenreiche Identifikationsfiguren! Endlich ein erfolgversprechender Roman der deutschsprachigen Disability Studies! Man kann ihn nicht aus dem Fuß legen!“

„Mit der im Reportage-Roman ‚Zündeln an den Strukturen‘ gewählten literarischen Form gelingt es, die in Szene gesetzten Figuren, die am Anfang nicht ernst genommen, verkannt und unterschätzt werden, im Laufe der erzählten Ereignisse anschaulich in beinahe lebende anerkannte Personen zu verwandeln. Eine solche Leseperspektive ist vielsprechend“, schreibt der Journalist Christian Mürner in seiner Rezension.

Der gedruckte 286 Seiten umfassende Reportage-Roman kann zum Preis von 17,00 Euro plus 2,95 Euro Versandkosten und das E-Book zum Preis von 5,95 Euro im Internet bei epubli unter folgendem Link bestellt werden: https://www.epubli.com/?s=Z%C3%BCndeln+an+den+Strukturen

Mit der ISBN-Nummer 9783757579388 gibt es das Buch im Buchhandel. Die ISBN-Nummer für das E-Book lautet: 9783757579760

Über die Autoren
Ottmar Miles-Paul

Ottmar Miles-Paul engagiert sich seit über vierzig Jahren für die Rechte behinderter Menschen. Als Redakteur des Online-Nachrichtendienstes zu Behindertenfragen, den kobinet-nachrichten, berichtet der selbst Seh- und Hörbehinderte fast täglich über Aktivitäten der Behindertenpolitik und Behindertenarbeit.

Bisher hat er hauptsächlich Fachbücher und Fachartikel veröffentlicht. Im Hinblick auf die aktuelle Diskussion über die Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen weit unter dem Mindestlohn hat er diesen Roman verfasst.

In seinem Nachwort ordnet der langjährig aktive Streiter für die Menschenrechte behinderter Menschen die Entstehung des Buches und die aktuellen Entwicklungen für menschenrechtsorientierte Arbeitsmöglichkeiten für behinderte Menschen ein.

Katrin Grund

Katrin Grund ist als Romanfigur in diese Geschichte hineingeraten. Im Laufe der Zeit hat sie die Weiterentwicklung dieses Buches vom Autor Ottmar Miles-Paul übernommen.

In ihrem Erstlingswerk packt die frisch gebackene Schriftstellerin das Thema der Aussonderung und Benachteiligung behinderter Menschen zusammen mit den Betroffenen engagiert an. Katrin Grund steht dabei fiktiv für eine Reihe von Menschen, die Missstände sehen, denen sie aber oft vermeintlich machtlos gegenüberstehen.

 

(RP/PM)

Veröffentlicht auf

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