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Wie können Naturschutzgebiete barrierefrei werden?

Ein internationales Projektteam hat drei Jahre lang geforscht – und präsentiert nun erste Leitfäden zur Gestaltung von Exkursionen und Bildungsprogrammen.

Mit gutem Beispiel voran: Das Gelände der Beelitz-Heilstätten in Brandenburg bietet eine Fülle von Naturerlebnisangeboten für Menschen mit und ohne Behinderungen an.
Mit gutem Beispiel voran: Das Gelände der Beelitz-Heilstätten in Brandenburg bietet eine Fülle von Naturerlebnisangeboten für Menschen mit und ohne Behinderungen an. (Foto: Global Nature Fund)

Was beinhaltet ein gutes barrierefreies Naturerlebnisangebot? Wo fängt man bei der Planung an? Welche Informationen werden benötigt und wie werden sie kommuniziert? Diese und viele andere Fragen stellte sich „Natur ohne Barrieren“, ein offizielles Projekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“, zum Start im Jahr 2018.

„In Naturschutzgebieten sind viele Wege für Menschen mit Mobilitätseinschränkung unzugänglich“, erklärt Projektmanagerin Katja Weickmann.

„Aber Barrieren betreffen nicht nur die Bewegung. Oft werden kommunikative Aspekte außer Acht gelassen oder ein Pfad wird als barrierefrei kommuniziert, beinhaltet dann aber nur einzelne Komponenten wie rollstuhlgeeignete Wege, ohne für Menschen mit einer Seh- oder Hörbehinderung zugänglich zu sein. Und auch was leicht verständliches Informationsmaterial angeht, herrscht noch Handlungsbedarf. Wir machen die Erfahrung, dass es vielen Naturpädagogen an Wissen um die Probleme mangelt, mit denen Menschen mit Behinderungen beim Naturerleben konfrontiert sind. Das sprechen wir in unseren Materialien an und begleiten so Naturschutzzentren bei ihren ersten Schritten auf dem Weg zu einem inklusiven Naturerleben.“

Projektergebnis: Jede Menge Informationsmaterialien und Leitfäden

Menschen mit Behinderung haben als Experten in eigener Sache an „Natur ohne Barrieren“ mitgearbeitet. Resultat des dreijährigen gemeinsamen Forschens, Recherchierens und Ausprobierens ist eine Zusammenstellung an Informationsmaterialien: Mehrere Leitfäden geben Tipps zur Gestaltung von Exkursionen und Bildungsprogrammen und zum Abbau physischer und kommunikativer Barrieren auf Lehrpfaden. Die Veröffentlichungen haben dabei auch die begrenzten Ressourcen vieler Umweltbildungszentren und Naturparks im Blick.

„Wir zeigen, dass sich oft bereits mit bescheidenen Mitteln viel für einen inklusiveren Zugang zur Natur erreichen lässt“,

so Weickmann. „Für einen gelungenen Anfang braucht es den Input von Menschen mit Behinderungen, wir müssen lokale Netzwerke bilden und brauchen auch eine gewisse Bereitschaft, zunächst einmal nur mit kleinen Schritten voranzugehen.“

Die im Projekt erarbeiteten Materialien sind unter der Creative-Commons-Lizenz frei verfügbar und können auf der Projektwebsite in vier Sprachen (Englisch, Deutsch, Ungarisch und Polnisch) heruntergeladen werden.

Was der Global Nature Fund und seine Partner im Rahmen des Bildungsprojekts theoretisch vermitteln, trägt bereits Früchte. Naturlehrpfade in mehreren EU-Ländern wurden anhand der Projektmaterialien analysiert und entwickeln ihre eigenen Konzepte für einen inklusiven Zugang.

Über das Projekt

„Natur ohne Barrieren“ wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. An der Unterstützung beteiligen sich unter anderem der internationale Global Nature Fund, die polnische Umweltvereinigung Etna, der österreichische Umweltdachverband sowie der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband. Weitere Informationen und Adressen von barrierefreien Naturparks gibt es auf https://www.nature-without-barriers.eu/de/

(RP/PM)

Veröffentlicht auf

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