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Wenn Langeweile im Job krank macht: Was gegen Boreout hilft

Arbeit kann nicht nur krank machen, wenn die Belastung ständig zu hoch ist – auch wer unterfordert ist, kann großen Stress empfinden. Mit diesen Strategien können Sie dagegenhalten. Von Katja Sponholz

Frau sitzt gelangweilt im Büro vor einem Laptop.
Monotone Routinen im Job führen zu Langeweile, Frust und im schlimmsten Fall zum Boreout. (Foto: Christin Klose/dpa)

Eigentlich hört es sich so gut an: Einfach mal nichts tun während der Arbeitszeit, stundenlang im Internet surfen, statt von Meeting zu Meeting zu hetzen. Oder einfach nur ohne groß nachzudenken ein bisschen vor sich hinarbeiten und trotzdem gutes Geld dafür bekommen.

Doch das schöne Bild trügt. Auf Dauer kann zu wenig Arbeit im Job ebenso negative Folgen haben wie zu viel Arbeit. Boreout heißt das Phänomen, abgeleitet aus dem Englischen „to be bored“ – gelangweilt sein.

Ständige Unterforderung kann Stress auslösen

Betroffene fühlen sich ausgebrannt, kraftlos und leer. Denn auch das Gefühl, ständig unterfordert zu sein, kann für Stress sorgen. Erst recht, wenn man nach außen versucht, ausgelastet zu wirken. Dafür kann es zwei Motive geben: Entweder, man hat Sorge, sonst noch mehr langweilige Aufgaben aufgebürdet zu bekommen. Oder aber, man will nach außen demonstrieren, dass man mit immens bedeutenden Arbeiten beschäftigt ist.

„Wer viel zu tun hat, ist wichtig. Wer nichts zu tun hat, ist es nicht. Hier geht es um ‚soziale Erwünschtheit‘“, sagt der Schweizer Gesundheits-Fachmann Peter R. Werder, der mit Philippe Rothlin ein Buch zum Thema („Unterfordert. Diagnose Boreout“) geschrieben hat.

Der Frust zeigt sich nach Feierabend

Der Saarbrücker Wirtschaftspsychologe Andreas Hemsing sieht das ähnlich: „Wenn ich nichts tue, was eine Bedeutung hat, habe ich auch keine Bedeutung.“ Das Bedürfnis, Leistung zu bringen, sei bei vielen durchaus groß. Der Umkehrschluss „Wenn du keine Leistung bringst, verlierst du deinen Platz in der Gesellschaft“, habe durchaus Auswirkungen auf die Gesundheit.

„Es ist seit etlichen Jahren klar, dass inhaltliche Leere Menschen emotional schädigt“,

sagt Hemsing. Die Betroffenen fühlen sich nicht nur gelangweilt und desinteressiert, sondern auch unzufrieden, frustriert und genervt.

Und das nicht nur tagsüber während der wenig ausfüllenden Arbeit. „Seinen wirklich fiesen Charakter zeigt der Boreout nach Feierabend“, so Werder. Weil sich die Symptome nicht auf Knopfdruck abstellen lassen, wenn man das Büro verlässt. Und weil man sich gar nicht bewusst darüber ist, dass das Unwohlsein am Abend, die Lustlosigkeit, Gereiztheit, Müdigkeit und Introvertiertheit, einen Bezug zur Arbeit haben könnten.

Selbstbetrug funktioniert auf Dauer nicht

„Viele, die darunter leiden, kündigen irgendwann innerlich und entwickeln so etwas wie eine resignative Arbeitszufriedenheit“, sagt Dirk Windemuth, Direktor des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Dresden.

Das heißt, sie wissen zwar, dass ihre Tätigkeit eigentlich Mist ist, sagen sich selbst jedoch: „Es ist ok hier! Ich habe keine Probleme, ich bekomme regelmäßig Urlaub und verdiene ganz gutes Geld.“

Letztendlich sei dies jedoch Selbstbetrug, der auf Dauer nicht funktioniert. Besser und wichtiger, als sich die Arbeit schön zu reden, sei es, die Arbeit selbst und die Quelle von Beeinträchtigungen zu verändern.

Wünsche für die Zukunft mit Arbeitgeber besprechen

Und das geht nicht ohne Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und Kommunikation gegenüber seinem Arbeitgeber: „Ansprechen, intern wechseln, Weiterbildung machen oder kündigen. Das sind die Möglichkeiten – und keine davon ist sehr einfach“, sagt Werder.

Eine Mitarbeiterin spricht mit ihrer Vorgesetzten.

Oft hilft ein vertrauliches Gespräch mit dem Vorgesetzten, um das Arbeitspensum abwechslungsreicher zu gestalten. (Foto: Shutterstock)

Zumal man die vertraute Tätigkeit oft schon lange Zeit ausgeführt hat, bevor man sich dem Boreout bewusst wird und die Konsequenzen zieht. „Meistens ist man schon zu spät dran, wenn man mit seinem Chef redet. Dann kann man höchstens in die Zukunft sprechen.“

Das heißt: sich nicht beschweren, dass man seit Ewigkeiten einen zu monotonen Job oder zu wenig Arbeit hat. Lieber formuliert man Wünsche wie: „Ich würde gerne ab und zu auch etwas anderes erledigen, dafür bräuchte ich eine Weiterbildung.“ Oder: „Ich würde gerne bei der Firma bleiben, aber kann ich mal in einer anderen Abteilung arbeiten?“

Selbstwertgefühl aus Hobbys nähren

Laut Windemuth kann auch eine Art Job-Rotation helfen, während der Beschäftigte die Tätigkeiten im Stunden- oder Tagestakt wechseln. Oder aber, Beschäftigte bemühen sich, ihre Arbeitsaufgaben anzureichern. Denkbar ist etwa, auch Tätigkeiten zu übernehmen, die im Arbeitsprozess vor oder nach der eigentlichen Aufgabe stehen.

Andreas Hemsing rät, zu versuchen, die emotionale Bedeutung von Arbeit zu reduzieren. Sprich: Ich suche mir etwas in meinem Leben, das mir mehr Begeisterung verschafft. „Um die Monotonie auszugleichen und mein Selbstwertgefühl aus etwas anderem zu nähren als aus meiner Arbeitstätigkeit.“ Das kann ein Hobby sein, Aktivitäten wie Sprachenlernen, Reisen oder Sport oder auch ein Ehrenamt.

Corona-Pandemie kein Boreout-Treiber

Dass die Corona-Pandemie das Phänomen Boreout verstärkt, glauben die Experten nicht. „Seine Arbeit eigenständig planen und einteilen zu können, gilt als Prävention gegen Monotonie“, sagt Dirk Windemuth. Daher könne es im Homeoffice helfen, zwischendurch mal die Waschmaschine anzustellen oder mit dem Hund zu gehen.

Und anders als im Großraumbüro fällt häufig auch der Druck bei der Außendarstellung weg, sagt Peter Werder: „Im Homeoffice ist ja niemand, dem man beweisen muss, dass man viel arbeitet.“

(RP/dpa)

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