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„Wenn er sein T-Shirt auszieht, drehen sich alle um“

Einst wollte Weltmeister Leon Schäfer Fußball-Profi werden – doch nach einer Krebserkrankung musste sein rechter Unterschenkel amputiert werden. Heute ist er einer der sichersten Goldkandidaten Deutschlands bei den Paralympics. Von Holger Schmidt

Leon Schäfer im Fitnessstudio
Gilt als der attraktivste Para-Sportler: Leichtathelet Leon Schäfer (Foto: IMAGO/Ralf Kuckuck

Auch in Tokio zieht Leon Schäfer alle Blicke auf sich. Nicht nur, wenn er weit springt oder über 100 Meter sprintet.

„Wenn er beim Training sein T-Shirt auszieht, drehen sich alle um“, berichtet Heinrich Popow, zweimaliger Paralympicssieger und quasi Schäfers Mentor, der Deutschen Presse-Agentur: „Aber er sieht ja auch wirklich aus wie ein gemalter sexiest man alive.“

 

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Am morgigen Samstag ab 12.51 Uhr deutscher Zeit (live im ZDF) geht Schäfer als klarer Favorit in den Weitsprungwettbewerb. Er ist Weltmeister und Weltrekordler. ARD-Experte Popow ist „fest davon überzeugt“, dass er nicht nur Gold holen, sondern seinen Weltrekord von 7,24 Metern verbessern wird. „Er ist in der Form seines Lebens. Ganz klar: Da wird es knallen.“ Schäfer ist auch selbstbewusst. Auf die Frage, welches Ergebnis er erwarte, sagte er unumwunden: „Ganz klar: Ich werde vorne sein.“

Fußball war damals sein Traum

Der 24-Jährige galt einst als großes Fußballtalent und wurde vom DFB gesichtet, ehe ihm nach einer Knochenkrebserkrankung der rechte Unterschenkel mitsamt des Knies amputiert werden musste. Er fiel „erst in ein Loch, hatte Bock auf gar nichts. Aber heute trauere ich dem Fußball nicht mehr hinterher.“ Nur manchmal, wenn er den ein Jahr älteren Nationalspieler Julian Brandt sah, der wie er aus dem Bremer Kreis kommt, dachte er kurz: „Krass. Cool. Das war auch mein Traum.“

Leon Schäfer beim Weitsprung

Leon Schäfer gilt als eine der größten Gold-Hoffnungen für Deutschland bei den Paralympics 2020. (Foto: IMAGO/Mika Volkmann)

Heute ist er im Para-Sport ein Leistungsträger und ein Vorbild. Und eben so etwas wie das Model des Para-Sports. „Er hat einzelne Werbekampagnen in Deutschland und Großbritannien gemacht. Er hätte noch viel mehr machen können. Aber er hat die Priorität mit Blick auf Tokio auf den Sport gelegt“, sagt Popow:

„Nach Tokio werde ich ihm raten, das mal für ein, zwei Jahre auszubauen. Auch mal mehr seine Stärken außerhalb des Sports einzusetzen. Sich mehr zu vermarkten, ohne sich zu verkaufen. Aber da habe ich bei ihm keine Angst.“

Schäfer sei nämlich ein Typ, der ihn sich selbst ruhe. Und sei ein Botschafter, ohne dies dauernd zu betonen. „Er muss nicht über Inklusion reden“, sagt Popow: „Er verkörpert einfach Normalität. Er kommt weniger über den Behindertensport und seine Geschichte, sondern über seine Ausstrahlung und seine Leistungsfähigkeit. Er verkörpert einfach Leistungssport und trägt das auch in die jüngere Generation.“ Um diese kümmere sich Schäfer vorbildlich. „Vor drei Jahren waren wir mit der Running Clinic in Japan“, berichtet Popow: „Da sind alle auf ihn abgegangen.“

Fokus auf den Sieg

Dass er sich dennoch bestmöglich auf die Spiele fokussiert habe, bestätigt der für Leverkusen startende Schäfer. „Ich weiß, weswegen ich hier bin“, sagt er: „Aus Gesprächen, die mich vom Fokus ablenken, halte ich mich raus. Ich mache mein Ding.“ Musik helfe ihm dabei sehr, „in meiner Zone zu bleiben.“ Er habe auch „an vielen Stellschrauben gedreht“ und sei „gut drauf. Mal schauen, wo das Ganze mich hinfliegen lässt. Ich hoffe, irgendwo um den Weltrekord.“

Und damit auch wirklich gar nichts schiefgeht, hat Schäfer noch einen Glücksbringer um den Hals. „Ein kleiner Engel, den ich mir vor drei oder vier Jahren im Türkei-Urlaub gekauft habe“, erzählt er: „Er steht für meine Mum und darf nie fehlen. Wenn ich ihn anschaue, weiß ich, wofür ich das alles mache. Die Kette hält mich am Boden.“

(RP/dpa)

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