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Bildung & Karriere

Wenn das Geld an den Bäumen hängt

Teilhabestärkungsgesetz: „Lotsen“ sollen Unternehmen beraten und und damit die Jobchancen von Menschen mit Behinderung verbessern.

Ein Arbeitnehmer im Rollstuhl bedient eine Maschine.
Ein Arbeitnehmer im Rollstuhl bedient eine Maschine. Trotz Ausgleichsabgabe werden von den Unternehmen nach wie vor zu wenig Menschen mit Behinderung eingestellt. (Foto: Shutterstock)

Um die Chancen von Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben zu verbessern, wird es künftig einheitliche Ansprechpartner für Arbeitgeber geben. Als sogenannte „Lotsen“ sollen sie auf Verantwortliche in den Unternehmen zugehen, um sie für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen zu gewinnen.

Hintergrund ist das vom Bundestag am 22. April beschlossene Teilhabestärkungsgesetz, das eine Vielzahl von Maßnahmen zur Verbesserung der Teilhabechance für Menschen mit Behinderung erreichen soll.

Trotz Ausgleichsabgabe zu wenig Arbeitsplätze

Denn trotz der Ausgleichsabgabe, die Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern  zahlen müssen, wenn sie zu wenig Stellen mit Schwerbehinderten besetzen, werden nach wie vor zu wenig Menschen mit Behinderungen eingestellt. Um hier gezielt Verbesserungen zu erreichen, sollen die einheitlichen Ansprechstellen in Zukunft Arbeitgeber bei der Ausbildung, Einstellung und Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen gezielt informieren, beraten und unterstützen.

„Mit dem Paragraphen 185a SGB IX wurde auf die auch von uns erhobene  Forderung reagiert, eine wirtschaftsnahe Ergänzung zum bestehenden Unterstützungssystem zu schaffen, um diejenigen Unternehmen für Inklusion zu gewinnen, die von den bisherigen Akteuren nicht erreicht werden. Viele kleine und mittlere Unternehmen gehen im Dschungel von unklaren Zuständigkeiten,  langwierigen Verfahrenswegen und bürokratischen Antragswirren verloren. Jetzt kommt es darauf an, diese einheitliche Ansprechstellen wirtschaftsnah und mit klaren Zielgrößen  zu etablieren, um auch inklusionsferne Unternehmen zu erreichen und für Inklusion zu gewinnen“,

betont  Manfred Otto-Albrecht, Sprecher des Forums  Wirtschaft und Inklusion mit Sitz in Hamburg.

 „Das Geld hängt an den Bäumen“: Paradebeispiel für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung

Otto-Albrecht verweist auf ein gut funktionierendes Beispiel für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Die „Das Geld hängt an den Bäumen gGmbH“ wurde 2009 gegründet und bietet Menschen, die aufgrund von unterschiedlichsten körperlichen oder mentalen Einschränkungen oft vergessen werden, vollwertige, versicherungspflichtige Arbeitsplätze.

Die Mitarbeiter von Das Geld hängt an den Bäumen.

Starkes Team: Zum Team von „Das Geld hängt an den Bäumen“ gehören unter anderem Menschen mit Autismus, Gehörlosigkeit, Sehschwäche, Entwicklungsstörung oder chronischen Krankheiten. (Foto: Das Geld hängt an den Bäumen gGmbH)

Inklusives Arbeiten: Regelmäßige Kommunikation entscheidend

Die Mitarbeitenden pflegen die Natur und sammeln Obst aus der Region, welches ansonsten ungenutzt bliebe. Die daraus hergestellten Säfte und Schorlen werden im persönlichen Direktvertrieb und über Partnerschaften im Hamburger Umland verkauft. „Inklusion ist hier das A und O sowie die Überzeugung, dass jeder Mensch etwas kann und sich – wird die Person im Fokus betrachtet – für alle eine sinnstiftende, intrinsisch motivierte Arbeit findet, die gesund hält und Beschäftigte ans Unternehmen bindet“, sagt Sprecherin Lucy Geist.

Damit sich auf unternehmerischer Seite etwas ändert und inklusives Arbeiten alltäglich wird, sei eine regelmäßige Kommunikation fundamental.

„Wir haben hierfür einen wöchentlichen Gruppentermin mit einer systemischen Beraterin etabliert, zu dem alle Mitarbeitenden freiwillig erscheinen und über alles sprechen können, was ihnen wichtig ist. Sei dies beruflicher oder auch privater Natur. Es gehört zu den Aufgaben einer offenen Gesellschaft zuzuhören und aufeinander zuzugehen. Erst recht, wenn die andere Position unerreichbar erscheint. Es geht darum, gesellschaftliche Muster zu hinterfragen und sie dann zu ändern. Ausreden zählen nicht mehr, wenn wir wirklich etwas bewegen wollen“,

betont Lucy Geist. Das Integrationsamt sei hier eine große Hilfe für alles, was technisch nötig ist, um einen Arbeitsplatz behindertengerecht auszustatten. Auch Assistenzen könnten gestellt werden. „Was wir tun, darüber wird viel gesprochen. Diese Aufmerksamkeit hilft uns als Firma. Wir haben viele Unterstützer:innen, unser Netzwerk wird größer und im Austausch entstehen immer wieder wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung unserer Firma und unserer Vision.“

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(RP/PM)

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