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Was macht eigentlich ein Psychologischer Psychotherapeut?

Wer die langwierige Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten hinter sich gebracht hat, hat Durchhaltevermögen bewiesen. Aber auch im Joballtag sind Phasen des Stillstands nicht immer auszuschließen. Von Katja Wallrafen

Patient liegt auf einer Couch, Psychotherapeut macht sich Notizen.
Der Bedarf für psychotherapeutische Behandlungen in Deutschland ist groß: Die Fachkräfte müssen allerdings eine vergleichsweise langwierige Ausbildung durchlaufen. (Foto: Mascha Brichta/dpa)

Jedes Jahr sind knapp 30 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen. Entsprechend nachgefragt ist die Hilfe und Begleitung durch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Dass der Weg in den Beruf aber als andere als einfach ist, zeigt Sascha Belkadi im Job-Protokoll. Der 31-jährige psychologische Psychotherapeut hat eine Praxis in Mönchengladbach und engagiert sich im Berufsverband Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV).

Der Weg in den Job

Ein Zuckerschlecken ist sie nicht, die Ausbildung. Ich habe zuerst Psychologie studiert und anschließend eine theoretische und praktische Ausbildung angeschlossen. Darum musste ich mich selbst kümmern, mir einen Überblick verschaffen über psychiatrische Einrichtungen und staatlich anerkannte Ausbildungsstätten.

Sascha Belkadi in seiner Praxis

Sascha Belkadi ist psychologischer Psychotherapeut und hat eine Praxis in Mönchengladbach. (Foto: Henning Kaiser/dpa)

Dann habe ich unter der Woche Praktika absolviert und oftmals am Wochenende die Theorie. Nachdem man 1.800 praktische Stunden in psychiatrischen Einrichtungen nachgewiesen hat, mindestens 600 ambulante Therapiestunden unter Supervision absolviert hat sowie 600 theoretischen Unterrichtsstunden gefolgt ist, kann man sich nach einer Prüfung um die staatliche Approbation kümmern, also um die Zulassung, in einem Heilberuf zu arbeiten.

Am Ende kommt noch die Suche nach einem Kassensitz dazu, falls man auch gesetzlich Versicherte behandeln möchte. Das ist je nach Region ein langwieriges und teures Vergnügen.

Das lernintensive Studium

Das Studium der Psychologie ist stark nachgefragt und an den meisten Universitäten zulassungsbeschränkt. Da ich kein Einser-Abitur hatte, habe ich mich in Nimwegen in den Niederlanden beworben. Dort hatte ich Losglück. Das Bachelorstudium war auf Niederländisch, dafür habe ich vorab einen Sprachkurs absolviert. Der Master war auf Englisch.

Das Studium war extrem lernintensiv, da braucht es viel Biss. In Nimwegen war das sehr naturwissenschaftlich ausgerichtet. Man hat viel mit Mathe zu tun, beschäftigt sich viel mit Statistik. Die Prüfungen waren dicht getaktet, man braucht wirklich Durchhaltevermögen.

Die postgraduelle Ausbildung

Weil ich einen Heilberuf ausüben wollte, musste ich den Uni-Abschluss aus den Niederlanden in Deutschland anerkennen lassen. Da kommt viel Papierkram auf einen zu. Eigentlich eine gute Übung, denn Organisations- und Verwaltungsarbeit gehört zum Job.

Nach dem Studium steht die weitere theoretische und praktische Ausbildung an. Das war stressig, man sucht sich die Praktika selbst, die sind – wenn überhaupt – lausig bezahlt. Ich bekam kein Bafög mehr, musste mich selbst um die Sozialversicherung kümmern.

Als ich dann endlich meine Approbationsprüfung bestanden hatte, ging es wieder ans Stempelsammeln, um eine GKV-Praxis zu ergattern. Mit 19 habe ich Abitur gemacht, mit 27 Jahren hatte ich die KV-Zulassung. Damit gehörte ich zu den Leuten, die das alles recht zügig auf die
Reihe bekommen haben.

Die Begleitung von seelisch Erkrankten

Menschen kommen aus unterschiedlichen Gründen zu mir in die Praxis. Jeder hat seine eigene Geschichte, seine eigene Persönlichkeit, seine eigene Art und Weise mit der seelischen Erkrankung umzugehen. Wie sich die Psychotherapie ausgestaltet, ist also immer von individuellen Faktoren abhängig. Als Psychologische Psychotherapeuten unterstützen wir dabei, den Entstehungsfaktoren für eine Depression oder Angststörung nachzuspüren.

Sascha Belkadi spricht mit einer Patientin in seiner Praxis.

Manchmal geht es nicht so schnell voran wie geplant: Psychotherapeuten wie Sascha Belkadi brauchen deshalb viel Empathie und Geduld. (Foto: Henning Kaiser/dpa)

Wir können ganz konkret helfen, etwa mit Techniken aus der Verhaltenspsychologie, mit denen man festgefahrene Muster auflösen kann. Unser Beruf hat ein riesiges Gestaltungspotenzial und es ist erfüllend, Menschen zu begleiten. Man sieht, wie sich Dinge verändern, wie es den Betroffenen besser geht. Ich habe großen Respekt davor, was Menschen alles aushalten und verarbeiten können.

Das mentale Rüstzeug

Wer in unserem Beruf arbeitet, sollte sich für Menschen interessieren, ihnen Empathie entgegenbringen. Man braucht große inhaltliche Flexibilität: Unter Umständen spreche ich montags mit einem Opfer sexueller Gewalt und mittwochs mit einem Täter. Oft geht es neben psychischen Erkrankungen um existenzielle Themen der Lebensgestaltung. Auf die Frage etwa, was ein gutes gesundes Leben ist, gibt es viele Antworten.

Man muss eine gewisse Ambiguität aushalten können, ebenso Phasen des Stillstands, wenn es im Laufe einer Therapie langsamer vorangeht, als man sich das wünscht. Wichtig ist nicht zuletzt, dass man sich einen Ausgleich schafft zum Beruf, in dem man viel Bedrückendes hört. Freunde treffen, malen und Sport sind meine Mittel, um auf andere Gedanken zu kommen. Unerlässlich ist aus meiner Sicht auch die Supervision für die eigene berufliche Entwicklung.

Das monatliche Einkommen

Zur Wahrheit gehört, dass wir die Arztgruppe sind, die das Geringste verdienen. Grundsätzlich hat man es selbst in der Hand, wie viele Stunden in der Woche man arbeitet und ob man sich selbst um Verwaltungsarbeiten kümmert oder jemanden dafür einstellt.

Interessierte sollten neben Ausbildungskosten von 20.000 bis 40.000 Euro auf jeden Fall vorab die Wartezeit nach der Bewerbung um einen Kassensitz sowie die Übernahmekosten berücksichtigen. Je nach Region sind dafür Summen zwischen 20.000 und 100.000 Euro zu kalkulieren. Vor allem in Ballungszentren sind die Ablösesummen hoch.

Wer eine GKV-Praxis hat und mit maximaler Auslastung 51 Stunden pro Woche arbeitet, das sind 36 Sitzungen pro Woche, kommt nach steuerlichen Abzügen auf etwa 5.400 Euro netto im Monat. Realistischer ist der Berufsgruppendurchschnitt mit 34,5 Sitzungen pro Woche und 3.800 Euro netto.

Zum Vergleich: Ein angestellter Psychologischer Psychotherapeut in Nordrhein-Westfalen steigt nach Tarif mit 4.418 Euro brutto ein, nach dem ersten Berufsjahr erhält er 4.752 Euro brutto. Das Gehalt klettert mit den Erfahrungsjahren und wenn Führungsaufgaben übernommen werden.

(RP/dpa/tmn)

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