Connect with us

Sie suchen ein bestimmtes Thema?

Alltag, Freizeit, Geld & Recht

Wie viele Krankenkassen blinden Menschen die Butter vom Brot nehmen

Bei Schulungen für „Lebenspraktische Fähigkeiten“ bleiben Sehbehinderte oft auf den Kosten sitzen. Dies muss sich ändern, fordern Selbsthilfeverbände zum Tag des Butterbrots.

Brot mit Messer buttern
Mit Sehbehinderung können selbst Kleinigkeiten eine Herausforderung sein: Zum Beispiel die Zubereitung eines Butterbrots. (Foto: Shutterstock)

Blinde Menschen tun viel dafür, um ihr Leben selbstständig und autonom zu bewältigen. Doch oft werden ihnen Steine in den Weg gelegt, beklagen der Blinden- und Sehbehindertenverein (BSVH) und das Institut für Rehabilitation und Integration Sehgeschädigter (IRIS e.V.) Zum heutigen Tag des Butterbrots fordern sie Verbesserungen und verlässliche Kostenübernahme.

Blindheit und Sehbehinderung sind typische Alterserkrankungen. Sie kommen in der Regel spät im Leben und das Erste, was man merkt: Die kleinen Dinge des Alltags fordern plötzlich große Aufmerksamkeit. Man muss neu lernen, eine Tasse Kaffee einzugießen, die richtige Kleidung im Schrank zu finden, die Tiefkühlware zu beschriften, so dass man findet, was man sucht. Und in diese Reihe gehört auch das Butterbrot, das man sich selbst schmieren können will.

Schulung für mehr Selbstbestimmung

Die passende Schulung dazu wird mit drei Buchstaben abgekürzt: LPF – Lebenspraktische Fähigkeiten. Wer das Training durchläuft, lernt zum Beispiel, wieder mit Messer und Gabel zu essen, Ordnung in den Kleiderschrank zu bringen, eine Unterschrift zu leisten, die Wohnung sauber zu halten. Für viele ist es der Schlüssel zu mehr Selbstbestimmung und Lebensqualität.

Je früher die Schulung einsetzt, desto besser können außerdem Assistenz- und Pflegebedarf, Unfälle im Haushalt oder belastende Abhängigkeiten von Angehörigen reduziert werden. Doch um die Übernahme der Kosten müssen Interessierte regelmäßig streiten.

LPF-Kurse sind nur Kann-Leistung

Einen einfachen Rechtsanspruch auf die LPF-Schulung gegenüber den Krankenkassen gibt es nicht. Sie ist lediglich eine Kann-Leistung. Und wenn sie gewährt wurde, erfährt man nicht selten im nächsten Schritt, dass die regulären Stundensätze für die Rehafachkraft nur zum Teil übernommen werden.

Gegen die Praxis der Antragsablehnung und die Folgen für die Betroffenen, die sich für ihre Autonomie im Alltag stark machen, protestiert der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und fordert Abhilfe und Reformen. LPF-Schulungen seien keine Wohltaten. Sichere Kostenübernahme für alle sei vielmehr im besten Interesse der Versichertengemeinschaft: Maßnahmen, die die Selbstständigkeit stärken und stützen, entlasten die Kostenträger.

(RP/PM)

Werbung
Veröffentlicht auf

ROLLINGPLANET ist seit 2021 Deutschlands Onlinemagazin für Menschen mit Behinderung und alle anderen. ROLLINGPLANET ist ein Non-Profit-Projekt, realisiert vom Verein Menschen, Medien und Inklusion e.V., München. Mehr über unser Team erfahren Sie hier.

Kommentieren

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ROLLINGPLANET ist zurück

Herzlich willkommen zum neuen ROLLINGPLANET. Seit August 2021 sind wir nach viermonatiger Pause wieder online – rechtzeitig vor unserem zehnjährigen Jubiläum. Weitere Infos zu unserem Relaunch.

Newsletter

Keine Neuigkeit und Aktion mehr verpassen – jetzt den ROLLINGPLANET-Newsletter lesen:
Werbung
Werbung
Werbung

LESETIPPS

Werbung

Events & Termine

Oktober, 2021

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kultur & Lifestyle

Das Projekt „Bei Anruf Kultur“ geht in eine neue Runde und bringt mit seinem Herbst/Winter-Programm über 20 Kulturstätten kostenlos zu den Teilnehmern nach Hause.

Technik & Technologien

In diesem Browser-Game müssen Sie nur mit Ihrem Gehör den Weg zur nächsten Haltestelle finden. Das gestaltet sich als Sehender allerdings ziemlich schwierig...

Alltag, Freizeit, Geld & Recht

Das Landessozialgericht in Darmstadt gab einem Rollstuhlfahrer Recht, der bei der Krankenkasse statt eines E-Rollstuhls die Kostenübernahme für ein im Vergleich dazu teureres Handbike beantragte.

Alltag, Freizeit, Geld & Recht

Viele Nutzer stellen die elektrischen Roller ab, wo es ihnen gerade passt: Quer über den Bürgersteig, vor Treppen, an Ampelanlagen. Bei einem Unfall kann es schmerzhaft und teuer werden. Da gilt: Hilfe holen und Beweise sichern – für blinde Menschen nicht immer einfach.

X