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Heute mal nicht behindert

Virales Video macht „Teddy“ zum (P)influencer

Eine findige Tierpflegerin verhilft einem greisen Pinguin wieder zum unbeschwerten Watscheln und macht ihn damit zum Internet-Star. Denn das Tier trägt einen Schutzverband, das eher an eine originelle Modenschau denn eine Erkrankung denken lässt. Von Nicole Macheroux-Denault

Felsenpinguin Teddy watschelt durch das Two Oceans Aquarium. Der Pinguin war einer der ersten „Rescues“, also gerettete Vögel. Ihn fand man im Dezember 1999, seine Beine waren mit Draht zusammengebunden. Deshalb tragen «Teddy» und einige seiner Kumpels höheren Alters nun einen pinken Schutzverband.
Felsenpinguin Teddy watschelt durch das Two Oceans Aquarium. Der Pinguin war einer der ersten „Rescues“, also gerettete Vögel. Ihn fand man im Dezember 1999, seine Beine waren mit Draht zusammengebunden. Deshalb tragen Teddy und einige seiner Kumpels höheren Alters nun einen pinken Schutzverband. (Foto: Nicole Macheroux-Denault/dpa)

„Teddy“ ist nicht der Schönste, hat nur ein Auge, humpelt ein wenig und ist auch gern mal schlecht gelaunt. Dennoch ist der Felsenpinguin seit neuestem in den sozialen Medien ein viel bewunderter Star – wegen seiner pinken Fußbekleidung. „Die rockt total“, sagt Shanet Rutgers, während sie ihm in Südafrikas Touristenmetropole Kapstadt einen weiteren Fisch in den Schnabel schiebt: Es ist Frühstückszeit im Two Oceans Aquarium.

Ein Video, das die 30-jährige Tierpflegerin von „Teddys“ 13-köpfiger Felspinguin-Kolonie produzierte, erregte Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Es zeigt die putzige Truppe, wie sie beim morgendlichen Spaziergang durch die Gänge des Aquariums watschelt: Hin und her wackelnd, die Flossen zu beiden Seiten ausgestreckt und das coole, gelbe Fransen-Kopfhaar im Takt wippend. „Teddy“ trägt dabei pinke Socken, ebenso sein Freund „Alex“, am Ende des Trupps folgt „Bubbles“ mit nur einem pinken Socken an den Füßen.

 

 

Die Frage nach dem Sinn dieser vermeintlichen Modenschau trieb online Scharen von Beobachtern um – eine Aufmerksamkeit, die Shanet Rutgers begeisterte.

„Pinguine bringen so viel Freude; gerade in diesen Zeiten ist es großartig, wenn wir etwas positive Stimmung verbreiten können“,

meint sie mit Blick auf ihre flugunfähigen Seevögel.

Traurige Vergangenheit

Seit 21 Jahren lebt „Teddy“ zusammen mit seiner Partnerin „Wallace“ in einem Nest im Strandgehege des Aquariums. Weißer Sand, Findlinge und ein kleiner Wasserbereich: Es ist die etwas bemühte Imitation eines Küstenabschnitts, dem natürlichen Lebensbereich der Pinguine.

Ihre Nestnachbarn – der angriffslustige „Grommet“ und seine liebliche „Roxy“ – haben hier sogar schon drei Eier gelegt. Heraus schlüpften die ersten nördlichen Felsenpinguine, die in Südafrika geboren wurden. Denn Felspinguine – die im Englischen viel passender Rockhopper (also in etwa: Felsenhüpfer) genannt werden – sind gar nicht in Südafrika heimisch. Ihr natürlicher Lebensraum umfasst zwei voneinander getrennte Bereiche subtropischer (südlich von Südamerika) und subantarktischer (südlich von Australien und Neuseeland) Inseln.

Tierpflegerin Shanet Rutgers verbindet einen Pinguin im Two Oceans Aquarium. Die 30-Jährige verhilft greisen Pinguinen mit Sohlengeschwüren wieder zum unbeschwerten Watscheln.

Tierpflegerin Shanet Rutgers verbindet einen Pinguin im Two Oceans Aquarium. Die 30-Jährige verhilft greisen Pinguinen mit Sohlengeschwüren wieder zum unbeschwerten Watscheln. (Foto: Nicole Macheroux-Denault/dpa)

Die 13 Rockhopper in Kapstadts Two Oceans Aquarium sind gerettete Vögel. „Teddy“ war einer der ersten. Ihn fand man im Dezember 1999, seine Beine waren mit Draht zusammengebunden. „Wir gehen davon aus, dass er auf einem Schiff als ‚Haustier‘ gehalten und kurz vor der Ankunft in Kapstadt mit festgebundenen Beinen ins Meer geworfen wurde“, so Rutgers. Deshalb humple er heute. Als er ins Aquarium kam, war er ausgewachsen. „Wir schätzen, er ist jetzt um die 30 Jahre alt.“ Damit ist „Teddy“ ein Greis – denn in der Wildnis werden Pinguine eher 10 bis 15 Jahre alt.

Pinke Verbände ausverkauft

In Gefangenschaft werden sie wesentlich älter. Da schwimmen sie aber weniger, stehen also länger auf ihren Füßen – oft auch in ihrem eigenen Kot, erklärt Rutgers. So bilden sich bakterielle Entzündungen in den vielen kleinen Wunden an ihren Füßen, auch Sohlengeschwüre genannt. Die Tierpflegerin hebt «Teddy» hoch, legt ihn in Bauchlage auf den Unterarm. „Bei ‚Teddy‘ kann man das ganz gut sehen“, sagt sie und pellt den pinken Verband langsam von den Füßen. Auf der Sohle der viel benutzen Watschelfüßchen sieht man eine punktförmige Einkerbung.

„Teddy“ zuckt, als Rutgers sie leicht mit dem Finger berührt.„Es ist wie ein schmerzhafter, eitriger Pickel“, erklärt sie. Und wer kann schon auf eitrigen Pickeln laufen? Deshalb tragen „Teddy“ und einige seiner Kumpels höheren Alters nun einen pinken Schutzverband. Rutgers legt den inzwischen gekonnt schnell an. Heute ist das Verbandzeug lila.

„Seitdem das Video so erfolgreich war, gibt es bei uns keinen pinken Verband mehr zu bestellen“,

sagt sie und lacht, stellt „Teddy“ auf seine neu verpackten Füße und los geht es. Im Wasser tut nichts mehr weh. Rolle links, Rolle rechts, mit dem Schwänzchen wackeln und dann los – schnell wie der Blitz. Ein pinker Blitz, denn im Wasser ist auch ein 30-jähriger Pinguin-Greis noch ein richtiger Renner.

(RP/dpa)

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