Connect with us

Sie suchen ein bestimmtes Thema?

Ausland

US-Polizist tötet mit neun Schüssen mutmaßlichen Ladendieb im E-Rollstuhl

Der Rollstuhlfahrer soll versucht haben, in einem Supermarkt einen Werkzeugkasten zu klauen. Der Beamte war im Nebenjob als privater Wachmann im Einsatz.

Die Bodycam zeigt den Rollstuhlfahrer von hinten.
Aufnahmen von der Bodycam (Foto: Tucson)

Im US-Bundesstaat Arizona wurde der 61-jährige E-Rollstuhlfahrer Richard Lee Richards nach einem mutmaßlichen Diebstahl von einem Polizisten mit neun Schüssen in die linke Seite und den Rücken getötet. Der Polizist war nicht im staatlichen Dienst, sondern arbeitete zu dem Zeitpunkt als Wachmann für einen Supermarkt der Kette Walmart.

Ein Angestellter des Supermarkts hatte ihn darüber informiert, dass ein Mann in einem motorbetriebenen Rollstuhl soeben einen Werkzeugkasten gestohlen habe. Als Richards gebeten worden sei, einen Beleg für den Einkauf vorzuweisen, zückte er laut Angaben ein Messer, rief „Hier ist deine Quittung!“ und sei weggefahren.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Der Angestellte und der Polizeibeamte Ryan Remington folgten Richards über den Parkplatz, ehe Remington aus nächster Nähe und offensichtlich ohne Vorwarnung schoss. „Wenn Sie wollen, dass ich das Messer weglege, müssen Sie mich erschießen“, sagte zuvor Richards, wie der Walmart-Angestellte später zu Protokoll gab.

Der Vorfall ereignete sich bereits am Montagabend kurz vor 18 Uhr und wurde festgehalten von der Körperkamera des Polizisten. Der Polizeichef der Stadt Tucson, Chris Magnus, veröffentlichte am Dienstagabend (Ortszeit) ein Video von dem Vorfall und erklärte, Remington werde entlassen. „Seine tödliche Anwendung von Gewalt während dieses Vorfalls ist ein klarer Verstoß gegen die Regeln unseres Dienstes“, betonte Magnus vor Journalisten.

„Keine nicht-tödlichen Optionen“

„Er hatte zwar einen Taser, konnte ihn aber seiner Meinung nach nicht benutzen, weil er nicht das Gefühl hatte, dass er den richtigen Abstand hatte, um ihn einzusetzen, da der Rollstuhl zwischen ihm und Richards stand“, erklärte Remingtons Anwalt Mike Storie in einer ersten Stellungnahme und behauptete, sein Mandant habe „keine nicht-tödlichen Optionen“ gehabt.

In einer Erklärung bezeichnete die Bürgermeisterin von Tucson, Regina Romero, die Schießerei als „unverzeihlich und unentschuldbar“ und sagte, sie unterstütze eine Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft.

In den USA sorgen immer wieder tödliche Polizeieinsätze für Empörung, in vielen Fällen handelt es sich dabei um Gewalt gegen Angehörige von Minderheiten.

Das Entsetzen über den aktuellen Vorfall ändert sich auch nicht durch den Hinweis, dass Richards eine finstere kriminelle Vergangenheit hatte: 2007 wurde er unter anderem wegen versuchten Mordes ersten Grades zu zehn Jahren Haft verurteilt, nur wenig später nach seiner Entlassung wurde er als Menschenschlepper bei einem illegalen Transport von Einwanderern erwischt und mit mehr als einem Jahr Gefängnis bestraft. Richards benutzte aufgrund einer Hüftoperation und anderer körperlicher Probleme einen Rollstuhl.

(RP/iwn)

Lesen Sie dazu auch: Polizisten zerren querschnittgelähmten Mann aus seinem Auto – was passierte in Dayton?

Veröffentlicht auf

ROLLINGPLANET ist seit 2021 Deutschlands Onlinemagazin für Menschen mit Behinderung und alle anderen. ROLLINGPLANET ist ein Non-Profit-Projekt, realisiert vom Verein Menschen, Medien und Inklusion e.V., München. Mehr über unser Team erfahren Sie hier.

Kommentieren

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werbung
Werbung
Werbung

LESETIPPS

Werbung

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Klatsch & Tratsch

Filmreifer Einsatz von zwei Männern verhindert Schlimmeres in Waren an der Müritz.

Klatsch & Tratsch

Die Rettungskräfte lieferten den 62-Jährige mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus ein. Die Polizei sucht derweil nach Zeugen des Vorfalls in Essen.

Klatsch & Tratsch

„Scheiß Kanacke“ und „Heil Hitler“ schreit ein 48-jähriger Mann Polizisten entgegen, als sie ihn wegen extremer Ruhestörung einer Kontrolle unterziehen wollen. Und auch sonst verlief der Einsatz für die Beamten nicht so wie erwartet.

Ausland

Hopp, hopp: Ab 120 Sekunden Verspätung am Treffpunkt wird eine Gebühr fällig. Ein Gericht muss entscheiden: Werden dadurch Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen benachteiligt?