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Gesellschaft & Politik

Traurige Bilanz 2022: 17 Tote bei Bränden in sozialen Einrichtungen

Eine Erhebung des Bundesverbands Technischer Brandschutz stellt den deutschen Pflegeheimen und Krankenhäusern schlechte Zeugnisse aus – andere Länder machen es besser.

Feuerwehr-Löschzug
(Symbolfoto: Shutterstock)

Seit elf Jahren führt der bvfa eine Statistik über Brände in sozialen Einrichtungen. Sie ist tagesaktuell auf der bvfa-Webseite einzusehen. Im ersten Monat des Jahres sind bereits sieben Tote und 38 Verletzte zu beklagen. Es brennt in Küchen und Zimmern, häufig wegen Unachtsamkeit oder technischen Defekten. Bis das Feuer bemerkt wird, ist der Raum verraucht, für die Bewohner kommt in diesem Stadium oft jede Hilfe zu spät.

Warum hat ein Brand oft so schwerwiegende Konsequenzen?

Bewohner von Senioren- bzw. Pflegeheimen, Patienten in Krankenhäusern oder Menschen mit Behinderungen erkennen den Notfall vielleicht nicht oder sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Ist alarmiert worden, muss in kürzester Zeit eine Vielzahl von Menschen mit begrenzter Mobilität und Leistungsfähigkeit in Sicherheit gebracht werden. In Krankenhäusern muss die Rettung einiger Patienten durchgeführt werden, die vom medizinischen Standpunkt aus gesehen nicht transportfähig sind. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr zählt jede Sekunde, da die meisten Opfer in Minutenschnelle an giftigen Rauchgasen ersticken, die sich rasch im Gebäude ausbreiten.

Sprinkleranlagen bieten in diesem gefährlichen Zeitraum einen besonders zuverlässigen Schutz, da sie einen Brand bereits in der Entstehungsphase bekämpfen und begrenzen, sodass eine sichere Evakuierung erleichtert wird. Sprinkleranlagen minimieren die gefährliche Rauchentwicklung, verbessern die Möglichkeiten zur Selbstrettung und erleichtern der Feuerwehr den Zugang.

Dass die Zahl der Brandopfer deutlich reduziert werden kann, zeigen Beispiele aus dem Ausland: So wurde in den USA die Mortalität durch den Einsatz von Sprinkleranlagen in Seniorenheimen laut einer Studie der National Fire Protection Association (NFPA) aus dem Jahre 2017 um 82 Prozent gesenkt*. Die Zahl der Verletzten und die Sachschäden konnten um etwa die Hälfte reduziert werden. Auch Länder wie Australien, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Norwegen und Schweden vertrauen in ihren Pflegeheimen zunehmend auf den Schutz automatischer Löschanlagen.

*Quelle: NFPA research: Sprinklers in Reported U.S. Fires during 2010 to 2014; U.S. Experience with Sprinklers, July 2017

Brandschutzkonzepte nicht mehr zeitgemäß?

Trotz der positiven Erfahrungen aus dem Ausland sind in vielen deutschen Pflege- und Seniorenheimen, Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen keine Sprinkleranlagen vorhanden, wobei häufig Kostenerwägungen als Grund dafür angegeben werden. Auch die Angst vor einer flächendeckenden Auslösung der Sprinkler ist ein Faktor, der jedoch unbegründet ist. Sprinkleranlagen lösen sehr selektiv nur in den Bereichen aus, wo sie auch benötigt werden. Ein weiterer Hinderungsgrund für eine optimale brandschutztechnische Ausstattung ist das Fehlen bundeseinheitlicher Brandschutzstandards in sozialen Einrichtungen.

Seit Jahrzehnten gleicht die Vorschriftenlandschaft einem länderspezifischen Flickenteppich. Angesichts immer mehr pflegebedürftiger Menschen und immer weniger Pflegekräften wird die Vereinheitlichung und Modernisierung baurechtlicher Vorschriften jedoch immer drängender. Neben anlagentechnischer Kompensationsmaßnahmen sollten auch weitere baurechtliche Maßnahmen umgesetzt werden, wie beispielsweise die Einstufung von Pflegeheimen ab einer bestimmten Größe als Sonderbauten.

(RP/PM)

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