Am Samstagabend ereignete sich im Berliner U-Bahnhof Brandenburger Tor ein tragischer Unfall, bei dem ein 68-jähriger Rollstuhlfahrer ums Leben kam. Gegen 20:20 Uhr versuchte der Mann, rückwärts in einen Waggon der Linie U5 einzusteigen. Dabei verhakte sich vermutlich ein Rad seines Rollstuhls im Spalt zwischen Bahnsteigkante und U-Bahn-Wagen. Als der Zug anfuhr, wurde der Rollstuhlfahrer mehrere Meter zwischen zwei Waggons mitgeschleift. Am Ende des Bahnsteigs kollidierte er mit einer Absperrung und stürzte ins Gleisbett. Trotz sofortiger Reanimationsversuche erlag der Mann noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Der Zugverkehr wurde bis etwa 22 Uhr unterbrochen. Die Polizei hat Ermittlungen zum genauen Unfallhergang aufgenommen.
Der tödliche Vorfall wirft Fragen zur Sicherheit (nicht nur) an Berliner U-Bahnhöfen auf. Bereits im Mai 2024 retteten Fahrgäste am U-Bahnhof Alexanderplatz einen Rollstuhlfahrer, der ins Gleisbett gestürzt war, kurz bevor eine U-Bahn einfuhr. Am 8. Januar vergangenen Jahres gab es dramatische Szenen am Münchner Hauptbahnhof: Ein 52-jähriger Rollstuhlfahrer stürzte am Bahnsteig in den Gleisschacht. Fahrgäste, die den Unfall beobachtet hatten, handelten schnell und zogen den Mann heraus – noch bevor die nächste S-Bahn kam. Bereits 2021 wurde, ebenfalls in München, eine Rollstuhlfahrerin vor einer einfahrenden S-Bahn durch einen zunächst unbekannten Mann gerettet. (ROLLINGPLANET berichtete)
Bahnsteige können gefährlich sein – vor allem für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. In anderen Städten, wie beispielsweise London, sind an bestimmten U-Bahnhöfen Bahnsteigtüren installiert, die den Zugang zu den Gleisen erst freigeben, wenn ein Zug hält (siehe Kasten). Solche Sicherheitsbarrieren könnten ähnliche Unfälle wie oben beschrieben verhindern.
So machen es andere Länder
Neben London gibt es in mehreren Städten weltweit Sicherheitsmaßnahmen an Bahnhöfen, die das Risiko nicht nur für mobilitätseingeschränkte Personen minimieren sollen. Beispiele:
1. Tokio, Japan
Viele Bahnhöfe in Tokio und anderen japanischen Städten verfügen über Bahnsteigtüren, die sich nur öffnen, wenn ein Zug hält. Diese Maßnahme ist besonders effektiv, um Unfälle an den Gleisen zu vermeiden.
2. Hongkong
Die Mass Transit Railway (MTR) hat an nahezu allen Stationen Plattformabschlüsse oder Bahnsteigtüren installiert, um Passagiere zu schützen und das Betreten der Gleise zu verhindern.
3. Singapur
Das MRT-System (Mass Rapid Transit) ist nahezu vollständig mit Bahnsteigtüren ausgestattet. Diese verhindern nicht nur Unfälle, sondern sorgen auch für bessere Klimakontrolle in den Stationen.
4. Paris, Frankreich
Einige Metro-Linien, insbesondere die automatisierten (wie Linie 1 und Linie 14), sind mit Bahnsteigtüren ausgestattet, um die Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen.
5. Seoul, Südkorea
In der Hauptstadt sind die meisten U-Bahn-Stationen mit Bahnsteigtüren ausgestattet.
6. Shanghai, China
Die Metro-Stationen in Shanghai verfügen ebenfalls über Bahnsteigtüren, die standardmäßig an neueren Linien oder renovierten Stationen installiert sind.
7. Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
Die Metro-Stationen in Dubai sind vollständig mit Bahnsteigtüren ausgestattet, was insbesondere für ein modernes System wie dieses Standard ist.
Vorfall in München
In München ereignete sich am Freitag ebenfalls ein Vorfall mit einem Rollstuhl, dessen Umstände jedoch anders gelagert sind. Am 17. Januar 2025 kam es am S-Bahnhof München-Laim „zu einem gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr“, wie die Polizei mitteilte.
Gegen 13:15 Uhr stellte eine bislang unbekannte männliche Person einen Rollstuhl auf dem Bahnsteig von Gleis 3 ab und entfernte sich. Dabei wurde die Bremse des Rollstuhls – ROLLINGPLANET spekuliert: möglicherweise absichtlich? – nicht angezogen. Kurz darauf, unmittelbar vor der Einfahrt einer S-Bahn der Linie S3, begann der Rollstuhl unkontrolliert in Richtung Bahnsteigkante zu rollen und stürzte schließlich auf die Gleise.
Trotz der sofort eingeleiteten Schnellbremsung konnte der Triebfahrzeugführer der einfahrenden S-Bahn den Zug nicht rechtzeitig zum Stillstand bringen. Der Rollstuhl wurde von der S-Bahn überrollt, die im Bereich der Haltestelle zum Stehen kam. Glücklicherweise wurde weder ein Fahrgast durch die Schnellbremsung verletzt, noch musste der Triebfahrzeugführer abgelöst werden.
Der Zug erlitt Lackschäden im Frontbereich, blieb jedoch fahrbereit. Nach dem Vorfall setzte die S-Bahn ihre Fahrt planmäßig bis zum Ostbahnhof fort, wo sie aus dem Betrieb genommen und zur Instandsetzung ins Bahnbetriebswerk München-Steinhausen überführt wurde. Der Sachschaden wird auf etwa 10.000 Euro geschätzt.
Der Vorfall hatte erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr: Insgesamt 11 Züge verspäteten sich um insgesamt 249 Minuten, und es kam zu 11 Teilausfällen. Der Besitzer des Rollstuhls entfernte sich in unbekannte Richtung. Nach der Bergung des Rollstuhls aus dem Gleisbereich wurde dieser der DB-Fundstelle im Hauptbahnhof München übergeben.
(RP)
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