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„Takte gegen Krebs“: Henry Schneider ist wieder drin im Leben

Musik ist oft eine gute Therapie. Wenn das Leben durch eine Krebserkrankung aus dem Takt gerät, kann sie Ermutigung und Trost spenden. Nun gibt es sogar ein eigenes Konzertformat.

Der Musiker Henry Schneider spielt auf eigenwilligen Musikinstrumenten in einem Behandlungsraum am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) im Universitätsklinikum Dresden.
Der Musiker Henry Schneider spielt auf eigenwilligen Musikinstrumenten in einem Behandlungsraum am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) im Universitätsklinikum Dresden. Schneider, selbst hier Krebspatient, wirbt damit für die Benefizveranstaltung „Takte gegen Krebs“. (Foto: Matthias Rietschel/dpa)

Als der frühere Gewandhausbratscher Henry Schneider 2020 mit seinem Renteneintritt die Diagnose Krebs erhielt, bekam er von einem Arzt den Rat, künftig nur noch Dinge zu tun, die ihm Spaß machen. Deshalb hat er trotz OP und anstrengender Therapien weiter sein legendäres Festival „Stelzenfestspiele bei Reuth“ im Vogtland organisiert und auch anderswo Musik gemacht – selbst als Patient am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Dresden. Schneider spielte dort am Bett von Leidensgefährten und schöpfte daraus selber Kraft: „Ich bin wieder im Leben drin“, zieht er nun ein Fazit zu einer schweren Zeit inklusive Rückfall im Herbst 2021.

Benefizkonzert für „Lotsenprogramm“

„Die Diagnose Krebs ändert das Leben von einem Schlag auf den anderen. Wir sind völlig hilflos, treiben wie ein kleines Schiff auf hoher See und wissen nicht, wohin die Reise geht“, sagt Schneider im Trailer für sein neues Projekt. Am 7. Mai will er gemeinsam mit bewährten „Landmaschinenmusikern“ aus Stelzen und neuen musikalischen Begleitern in der Comödie Dresden ein Benefizkonzert für das „Lotsenprogramm“ des hiesigen Tumorzentrums geben. Die Lotsen sollen dabei helfen, Patienten in stürmischer Zeit einen ruhigen Hafen finden zu lassen. „Sie informieren, haben Zeit für ein persönliches Gespräch und können auf Wunsch zu Untersuchungen und Arztgesprächen begleiten“, berichtet NCT-Sprecherin Anna Kraft.

Bisher wird das Lotsenprogramm allein durch Spenden finanziert. Damit es weitergehen kann, wird jeder Euro gebraucht. Während es in der Pilotphase Erkrankten mit sogenannten Sarkomen diente, soll es fortan allen Krebspatienten offenstehen. Für ihn sei die schlimme Zeit im Krankenhaus auch eine Zeit des Innehaltens gewesen, sagt Schneider. „Sonst bin ich immer in Aktion, plötzlich hatte ich Zeit zum Zuhören.“ So sei die Idee entstanden, „die Klänge des Krankenhauses, die akustische Dimension einer Krebstherapie auf die Bühne zu bringen und in Musik zu verwandeln“. Das Konzert steht unter dem Titel „Takte gegen Krebs“ und will neben Musik und Geräuschen aus dem Klinikalltag auch einen Atavar am Klavier und Hits von Barock bis Jazz bieten.

Seltene Klänge und der Datenhandschuh

Bereits der Trailer macht klar, was den Zuhörer erwartet. Wer die Klangperformance „Landmaschinensinfonie“ bei den „Stelzenfestspielen“ schon einmal erlebt hat, kennt den schier überbordenden Ideenreichtum der Musiker um Klangkünstler Erwin Stache und Henry Schneider. Dieses Mal wird unter anderem ein Operationsroboter die Saiten eines Cellos zupfen. Das Publikum soll aber nicht nur seltene Klänge und Instrumente wie Schneiders Nyckelharpa und seine Singende Säge erleben, sondern zugleich einen Einblick in die Zukunft der Krebschirurgie erhalten.

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Denn nach den Worten von Anna Kraft will das Tumorzentrum bei seiner musikalischen Entdeckungsreise auch Kurs auf aktuelle Entwicklungen der Krebsforschung nehmen. So könnten die Gäste erfahren, wie ein Datenhandschuh nicht nur beim Klavierspielen helfen, sondern künftig auch in der Krebschirurgie zum Einsatz kommen kann. Frank Fitzek, Chef eines Exzellenzclusters an der TU Dresden, denkt dabei nicht zuletzt an Künstliche Intelligenz. „Die Entwicklungen sollen künftig auch Chirurginnen und Chirurgen dabei helfen, Tumoren noch präziser operieren zu können oder in telemedizinischen Anwendungen über weite Entfernungen zusammenzuarbeiten“, ergänzt Stefanie Speidel, Leiterin einer Abteilung am NCT in Dresden.

Das Konzertformat „Takte gegen Krebs“ war einst am NCT Heidelberg entwickelt worden. Dabei wird der Zuhörer selbst zum Teil des Programmes. Mit seinem Ticket kauft er praktisch jene Takte, die dann im Konzert erklingen. Dresden ist neben Heidelberg der zweite Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen. „Die Forschung ist im Turbo-Modus“, sagt Schneider und hofft, dass auch er davon profitieren kann.

(RP/dpa)

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