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Streit um „Minimalbehinderung“: Rollstuhlbasketball bleibt vorerst paralympisch

Das Internationalen Paralympische Komitee räumt dem Rollstuhlbasketball-Weltverband eine neue Frist für die Umsetzung der neuen Klassifizierungsregeln ein.

Spiel Paralympics 2020 um Bronze - Deutschland gegen die USA
Rollstuhlbasketball bleibt auf Widerruf auch bei den nächsten Spielen in Paris paralympische Disziplin. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Nach dem Streit um neue Klassifizierungsrichtlinien scheint das drohende Aus des Rollstuhlbasketballs bei den Paralympics 2024 in Paris vorerst vom Tisch zu sein. Der Vorstand des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) hat die beliebte Sportart unter Vorbehalt wieder ins Programm für Paris aufgenommen.

Die „bedingte Wiederzulassung“ gelte so lange, bis der Internationale Rollstuhlbasketballverband (IWBF) seine neuen Klassifizierungsregeln vollständig umgesetzt hat, einschließlich der Bewertung der Kriterien für die Mindestbeeinträchtigung, teilte der IWBF am Mittwoch mit.

Neuklassifizierung von „Minimalbehinderten“

Anfang 2020 hatte das IPC gedroht, die populärste Mannschaftssportart aus dem Programm für die Sommerspiele in Tokio zu nehmen, sollte der Weltverband nicht die Anforderungen des neuen Klassifizierungssystems erfüllen. Danach müssen Sportler mit sogenannten „Minimalbehinderungen“ erneut begutachtet und entsprechend der IPC-Regularien neu klassifiziert werden.

Eigentlich ist Rollstuhlbasketball hierzulande im Liga-Betrieb eine inklusive Sportart, bei der auch Menschen ohne Behinderung teilnehmen können. Das gilt allerdings nicht auf internationaler Ebene. Besonders bei den Paralympics sind noch einmal strengere Regeln gültig. Bereits für Tokio 2020 musste beispielsweise die deutsche Rollstuhlbasketballerin und Rio-Medaillengewinnerin Barbara Groß aufgrund der Neuklassifizierung mehrere Monate um ihre Teilnahme bei den diesjährigen Spielen bangen.

„Wir sind dankbar, dass das IPC die umfangreiche Arbeit anerkannt hat, die wir geleistet haben, um unsere Regeln zu aktualisieren und sicherzustellen, dass sie mit dem IPC-Kodex übereinstimmen“,

sagte der deutsche IWBF-Präsident Ulf Mehrens. Die Klassifizierung sei der Eckpfeiler des gesamten Para-Sports: „Es liegt in der Verantwortung der IWBF sicherzustellen, dass die hohen Standards der Klassifizierung für den Rollstuhlbasketball-Sport ein faires und transparentes Klassifizierungssystem haben, das den IPC Athlete Classification Code und die internationalen Standards erfüllt.“

Klassifizierung beim Rollstuhlbasketball

Die funktionale Klassifizierung der Spieler soll einen Ausgleich zwischen Menschen mit unterschiedlich starker Einschränkung schaffen und dafür sorgen, dass auch schwerer behinderte Menschen eingesetzt werden. Je nach Einschränkung wird ein Spieler in eine von acht Stufen eingeteilt. Die Unterteilung erfolgt in 0,5-Punkte-Schritten. Rollstuhlbasketballer mit minimaler oder ohne Einschränkung werden mit 4,5 bewertet. Die fünf Spieler eines Teams auf dem Feld dürfen zusammen nie mehr als 14 Punkte (in Deutschland und einigen anderen Ländern 14,5) haben.

In Vereinswettbewerben spielen Männer und Frauen in gemischten Teams. Dabei erhalten Frauen einen sogenannten Frauenbonus von -1,5 Punkten zu ihrer funktionalen Klassifizierung. Eine 3,0-Punkte-Spielerin beispielsweise wird also dann für die 14-Punkte-Regel mit 1,5 Punkten gezählt.

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1-Punkte-Spieler können die Beine nicht bewegen und nur geringe oder gar keine Rumpfkontrolle ausüben. Die Sitzbalance ist sowohl vorwärts als auch seitwärts deutlich behindert, und diese Spieler benutzen die Arme, um in eine aufrechte Position zurückzukehren, wenn sie die Balance verloren haben, was in Kontaktsituationen häufig geschieht. Die Spieler rebounden in der Regel über dem Kopf mit einer Hand.

2-Punkte-Spieler besitzen in der Regel keine Beinfunktionen, verfügen aber teilweise über eine Rumpfkontrolle nach vorne. Sie verfügen nicht über freie Seitwärtsbewegungen oder eine Torsion. Sie besitzen begrenzte Sitzstabilität in Kontaktsituationen, dabei greifen oft die Hände an den Rollstuhl oder an die Oberschenkel, um bei Kollision aufrecht zu bleiben.

3-Punkte-Spieler verfügen über gewisse Beinfunktionen und über normale Rumpffunktionen beim Beugen nach vorn bis zum Boden und beim Aufrichten sowie über etwas Rumpftorsion. Die Spieler haben keine gute Rumpfstabilität zur Seite; sie sitzen jedoch stabiler in Kontaktsituationen und können ohne Mühe mit beiden Händen über dem Kopf rebounden.

4-Punkte-Spieler besitzen normale Rumpffunktionen, aber aufgrund von gewissen Schwächen in den Beinfunktionen sind sie nicht in der Lage, nach beiden Seiten in gleicher Weise kontrollierte Rumpfbewegungen auszuführen. Sie sind stabil bei Rollstuhlkontakt und beim Rebound, mit normalen Vorwärts- und Torsionsbewegungen.

4,5-Punkte-Spieler haben nur eine minimale Einschränkung oder keine Behinderung.

(RP/dpa)

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