Connect with us

Sie suchen ein bestimmtes Thema?

Sport

RSV Lahn-Dill triumphiert im Gipfel bei den Thuringia Bulls

Rollstuhlbasketball: Der amtierende Deutsche Meister verteidigte mit seiner bisher besten Saisonleistung die Tabellenspitze. Von Andreas Joneck

Quinten Zantinge schreit seine Emotionen auf der RSV-Bank heraus. (Foto: Armin Diekmann)

Eine Halbzeit lang mit einer Defensivleistung, die absolutes Weltklasseformat hatte, sowie fünf Dreier von Reo Fujimoto und eine überragende Verteidigung von Catharina Weiß machten im ersten Gipfelduell der RBBL 2022/2023 den Unterschied aus. Durch einen ebenso hart erkämpften wie verdienten 70:66-Erfolg (17:11/32:24/50:49) bei den Thuringia Bulls verabschiedet sich am gestrigen Samstag der amtierende Deutsche Meister RSV Lahn-Dill als ungeschlagener Tabellenführer in eine dreiwöchige Weihnachtspause.

Saisonübergreifend sahen RSV-Cheftrainerin Janet Zeltinger und ihr „Co“ Günther Mayer dabei vor allem vor dem Seitenwechsel eine Verteidigungsleistung der Hessen, die das Prädikat Weltklasse absolut verdient hatte. So hielten die Gäste aus Wetzlar das mit Abstand offensivstärkste Team der Liga, das bisher pro Spiel auf einen Schnitt von überragenden 93 Punkten kam, zur Halbzeit auf mageren 24 Zählern. Aus einer zu diesem Zeitpunkt herausragenden Teamleistung verdiente sich vor allem Nationalspielerin Catharina Weiß ein Extralob ihrer Trainerin für ihre Defensivleistung an diesem Abend im Osten der Republik.

Nichts für schwache Nerven

„Es war intensiv, es war extrem physisch, wir haben dynamisch und flexibel agiert und von der Bank, aber noch mehr von unseren mitgereisten Fans, viel Energie bekommen“, schwärmte Janet Zeltinger von der bisher wohl besten Saisonleistung ihres Teams, das zuvor über viele Wochen verletzungs- und krankheitsbedingt nicht so trainieren konnte, wie es sich die 45-jährige Kanadierin gewünscht hätte.

Und es war einmal mehr ein Duell der beiden RBBL-Platzhirsche, das hoch dramatisch und nichts für schwache Nerven war. Die Gäste aus Hessen brauchten zunächst ein, zwei Minuten, um ins Spiel zu kommen, lagen schnell 0:4 (2.) hinten, ehe die Außenschützen zu großer Form aufliefen. Zunächst war es Reo Fujimoto, der per Dreier den Anschluss herstellte, ehe sein Teamkollege Thomas Böhme, ebenfalls von der Dreierlinie, das 12:4 (8.) markierte.

Reo Fujimoto (#12) nimmt von außen Maß, rechts kommt Joakim Linden (#15) zu spät. (Foto: (Armin Diekmann)

Prompt kam die Antwort der Bulls durch den spanischen Routinier Jordi Ruiz, der den nächsten Dreier zum 12:7 (9.) einschweben ließ. Doch seine ganze Offensivklasse stellte an diesem Tag vor allem der Japaner Fujimoto, Silbermedaillengewinner der Spiele von Tokio, unter Beweis, der die Antwort des Spaniers eiskalt im Gegenzug mit dem nächsten Treffer von jenseits der 6,75m-Markierung pulverisierte. Die Zuschauer waren so bereits im ersten Viertel voll auf ihre Kosten gekommen, was vor allem die mitgereisten RSV-Anhänger lautstark feierten.

Auch die Gastgeber mit Offensivklasse

Auch im zweiten Viertel zog der RSV die defensive Schlinge um die Bulls immer enger zu und führte zwischenzeitlich mit 21:11 (11.). Zwei Auszeiten und ein technisches Foul gegen Trainer Michael Engel waren die Folge, während die Wetzlarer es in dieser Phase jedoch versäumten, die Führung in dem Maße auszubauen, in der sie auch eine optische Überlegenheit hatten. So stand es bei der Halbzeitsirene lediglich 32:24 für den Tabellenführer der RBBL.

Bis zum 44:36 (26.) hatte der RSV Lahn-Dill die Partie nun weiter im Griff, ehe sich rächen sollte, dass die Mittelhessen in der Offensive den Sack nicht zumachten. Vor allem der Schwede Joakim Linden lief nun heiß und zog in seinem Tatendrang seine Bulls mit und offensiv in einen kleinen Rausch. Urplötzlich verlor Lahn-Dill die Kontrolle über die Partie, während die Hausherren nun ihre ganze Offensivklasse aufblitzen ließen. Linden besorgte den 44:42-Anschluss (27.) selbst und Nationalspieler Jens-Eike Albrecht per Dreier das 48:45 (29.), ehe Vahid Gholomazad mit sechs Punkten in Serie die Partie zum 50:53 (32.) kippen konnte.

Lahn-Dill nach Auszeit zurück im Spiel

Nun war es an Janet Zeltinger zu agieren, eine Auszeit zu nehmen und ihr Team moralisch wieder auf die Beine zu stellen. Und dies gelang ausgezeichnet, denn Ghazain Choudhry, Fujimoto und Center-Kollege Matthias Güntner sorgten schnell wieder für das 59:57 (34.) aus Sicht des RSV Lahn-Dill. Doch die Thuringia Bulls waren nun wachgeküsst, wollten mit aller Macht die Punkte in der eigenen Halle behalten und wendeten bis zur 37. Spielminute durch Aliaksandr Halouski ihrerseits wieder das Blatt zum 59:63. Doch die von Simon Brown stets souverän gelenkten Gäste warfen nun ihr ganzes Selbstbewusstsein in die Waagschale und sorgten mit einem spektakulären 11:3-Finish binnen der letzten 140 Sekunden für den saisonübergreifend dritten Sieg in Serie gegen den großen nationalen Rivalen.

Diese Moral, die das Team bereits im Mai im Playoff-Finale gegen den gleichen Kontrahenten an den Tag legte, sorgte so für einen unter dem Strich absolut verdienten 70:66-Auswärtssieg bei den Bulls. Als amtierender Meister und ungeschlagener Tabellenführer in der RBBL beendet der RSV Lahn-Dill damit ein sportlich sehr erfolgreiches Jahr. Während die Hessen sich mit diesem Auftritt bereits in eine für sie rund dreiwöchige Weihnachtspause verabschieden, hat der unterlegene Rivale am kommenden Wochenende in Köln die Chance, die eigenen Wunden zu lecken und den entstandenen Vorsprung der Wetzlarer in der Tabelle wieder zu verkürzen.

Thüringen: Vahid Gholomazad (18), Aliaksandr Halouski (18/1 Dreier), Joakim Linden (16), Jordi Ruiz (9/1), Jens Eike Albrecht (5/1), Dylan Fischbach, Marie Kier, Karlis Podnieks, Arie Twigt (n.e.), Hubert Hager (n.e.).

Lahn-Dill: Ghazain Choudhry (16), Thomas Böhme (15/2), Reo Fujimoto (15/5), Matthias Güntner (10), Simon Brown (4), Rose Hollermann (4), Quinten Zantinge (2), Jannik Blair, Catharina Weiß, Mark Beissert (n.e.), Peyman Mizan (n.e.).

(Der Autor ist Geschäftsführer von RSV Lahn-Dill)

Veröffentlicht auf

ROLLINGPLANET ist seit 2021 Deutschlands Onlinemagazin für Menschen mit Behinderung und alle anderen. ROLLINGPLANET ist ein Non-Profit-Projekt, realisiert vom Verein Menschen, Medien und Inklusion e.V., München. Mehr über unser Team erfahren Sie hier.

Kommentieren

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung
Werbung
Werbung

LESETIPPS

Werbung

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Sport

Schlechte Nachrichten von der medizinischen Abteilung des deutschen Rekordmeisters RSV Lahn-Dill.

Sport

Die deutsche U23-Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft hat das Spiel um Bronze bei der Weltmeisterschaft in Phuket (Thailand) 49:79 (13:26, 24:43, 38:63) klar gegen Europameister Spanien verloren und am Ende Rang vier belegt. Kapitän Alexander Budde wurde ins Allstar-Team gewählt.

Sport

Am Freitag startet für die deutschen Junioren die U23-Rollstuhlbasketball-Weltmeisterschaft im thailändischen Phuket, die am 16. September mit dem Finale endet. Nationaltrainer Peter Richarz ist sicher, dass sein Team eine gute Rolle spielen kann und sieht sich eher mit einem Luxusproblem konfrontiert.

Sport

Das spannende Turnier in Heidelberg fand mit dem Team aus dem Freistaat einen verdienten Sieger. Vor allem im Endspiel waren sie kaum zu stoppen – Lob gab es von Bundestrainer Dirk Paßiwan.