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Regisseurin Siân Heder feiert „Coda“-Sieg als „historischen Moment“ für gehörlose Menschen

Oscar-Preisverleihung: Auch der taube Schauspieler Troy Kotsur hofft, dass sich nun in der Gesellschaft etwas ändern könnte.

Regisseurin Siân Heder freut sich über den Oscar. (Foto: Jordan Strauss/Invision/dpa)
Regisseurin Siân Heder freut sich über den Oscar. (Foto: Jordan Strauss/Invision/dpa)

US-Regisseurin Siân Heder feiert den dreifachen „Coda“-Sieg bei den Oscars, darunter als bester Film, als „historischen Moment“ für Gehörlose und für die Independent-Szene. Vor einem Jahr, beim Sundance Festival, hätten sie noch nicht einmal einen Verleih für ihren Film gehabt, und nun stehe sie hier mit einem Oscar in der Hand, strahlte Heder Backstage vor Journalisten. „Coda“ steht für „Child of Deaf Adults“.

Sie hoffe, dass dieser Sieg eine Bewegung lostrete, um mehr Geschichten von und über Gehörlose zu erzählen. Es sei schließlich 35 Jahre her, dass Marlee Matlin (56) damals für das Melodram „Children of a Lesser God“ (Gottes vergessene Kinder) als erste gehörlose Schauspielerin für einen Oscar nominiert wurde und den Preis als beste Hauptdarstellerin auch gewann.

Gebärdensprache hat auch eine vugläre Seite

Troy Kotsur freut sich über den Oscar in der Kategorie bester Nebendarsteller für den Film „Coda“. (Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa)

Troy Kotsur freut sich über den Oscar in der Kategorie bester Nebendarsteller für den Film „Coda“. (Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa)

„Coda“ erzählt von einem hörenden Mädchen, das in einer gehörlosen Fischerfamilie aufwächst und davon träumt, Sängerin zu werden. Neben dem Spitzenpreis als „Best Picture“ gewann Regisseurin Heder die Trophäe für das beste adaptierte Drehbuch. Als bester Nebendarsteller wurde der gehörlose Schauspieler Troy Kotsur geehrt, der in „Coda“ den Familienvater spielt.

„Kann jemand mal meinen Oscar halten“, fragte Kotsur (53) im Presseraum. Er brauche beide Hände, um mit Zeichensprache Fragen zu beantworten. Menschen wie er würden von der Gesellschaft viel zu oft übersehen, das könnte sich nun ändern, hofft der Schauspieler. Er sei besonders stolz darauf, dass er in dem Film ordentlich fluchen und „schmutzige“ Zeichen benutzen durfte. Zeichensprache sei recht vielseitig, es gebe auch eine vulgäre Seite, vermittelte Kotsur mit einem Grinsen.

Und er erklärte, warum er meist eine Schirmmütze trägt, auch in der Oscar-Nacht: Als Gehörloser müsse er visuell kommunizieren. Im grellen Licht könne er die Gebärdensprachen-Dolmetscher nicht gut sehen. Statt seine Hände schützend über die Augen zu halten, trage er einfach eine Mütze. „Versteht ihr das alle? Versteht ihr mich jetzt?“, vermittelte Kotsur mit Handzeichen.

(RP/dpa)

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