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Gesellschaft & Politik

Protestaktion für Barrierefreiheit am Lüneburger Bahnhof

Aktive von „Lüneburg barrierefrei“, dem „KlimaKollektiv Lüneburg“ und der Gruppe „Rollfender Widerstand“ demonstrieten am 16. Januar mit einer Rollstuhl-Kletteraktion an der Unterführung bei Gleis 1 am Lüneburger Bahnhof.

Demonstranten am Lüneburger Bahnhof
(Foto: Lüneburg Barrierefrei)

„Bahn für alle, die Stufen müssen weg“, steht auf einem Banner. Die Demonstranten haben symbolisch ihren eigenen (Seil-)Aufzug mitgebracht. „Austausch der Aufzüge ja! Aber so nicht!“ sagen die Demonstranten, weil die Bauarbeiten über ein halbes Jahr dauern sollen.

Der Austausch soll 7 Monate dauern. Mobilitätseingeschränkte Menschen müssen in dieser Zeit einen großen Umweg in Kauf nehmen, den viele Betroffenen nicht alleine aus eigenen Kräften zurücklegen können, weil dieser an einigen Stellen zu steil ist. In ihrer Pressemitteilung vom 12. Janaur 2024 spricht die Deutsche Bahn von einer stufenfreien Alternative, doch „stufenfrei heißt nicht barrierefrei!“, erläutert die Behindertenrechtsaktivistin Cécile Lecomte, die mit ihrem Rollstuhl im Seil demonstriert.

„Wer Unterstützung benötigt, muss sich laut Bahn beim Mobilitätsservice spätestens am Tag zuvor anmelden. Spontane Hilfe kann nicht zugesichert werden, weil die Schichten beim Mobilitätsservice dünn besetzt sind und die Nachfrage steigen dürfte. Reisende mit Mobilitäteinschränkungen müssen nun 35 Minuten vor Abfahrt ihres Zuges am Bahnhof sein, statt 20 Minuten. Das ist kein Zustand!“,

ergänzt Cécile Lecomte.

„Es dauert viel zu lange“

Die Demonstranten kritisieren, dass lokale gesellschaftliche Akteure in die Planung nicht miteinbezogen wurden. Weder Interessenvertretungen behinderter Menschen noch gesellschaftliche Akteure, die sich für eine ökologische Moblitätswende einsetzen – wozu eine gute Bahninfrastruktur gehört – wurden involviert. Auch keine Bahnkunden, so die Initiative.

„Es ist natürlich gut, dass die Aufzüge getauscht werden, aber es dauert viel zu lange! Leider wissen nicht was für ein Aufzug gebaut wird, da der Bedarf vorher nicht abgefragt wurde. Wir hätten gern einen größeren Aufzug, damit Menschen mit Fahrrädern ihn einfacher nutzen können oder mehrere Rollstühle und Kinderwägen darin Platz haben. Das wäre gut für die Mobilitätswende!“,

erklärt Theresa Berghof vom KlimaKollektiv Lüneburg.

Die Ankündigung der Bauarbeiten war sehr kurzfristig, dadurch konnten keine alternativen Lösungen für die Zeit der Bauarbeiten diskutiert und umgesetzt werden.

Demonstranten haben Vorschläge und Forderungen an die Deutsche Bahn, die Hansestadt und den Landkreis. Sie hoffen, dass ihre spontane Protestaktion Bewegung in die Sache bringen wird:

  • Die Bauzeit soll verkürzt werden.
  • Die Bahn muss mehr Personal einsetzen und die Möglichkeit einer spontanen Unterstützung garantieren.

Die Bahn soll barriereärmere Lösungen vorschlagen, so die Initiative. Zum Beispiel soll eine stabile Treppenraupe angeschafft werden. Es gibt Modelle, die für die Beförderung von Menschen im Rollstuhl konzipiert sind und bis zu 400 kg tragen. Oder, im Hinblick auf den ebenfalls notwendigen Austausch des Aufzuges Gleis 2/3, jetzt schon den Bau eines Treppenliftes prüfen. Aktuell gibt es dort keine Alternative zur Treppe oder zum Aufzug. Ein Treppenlift ist zwar nicht barrierefrei, weil er von Personal bedient werden muss, ist aber als Notlösung für einen kaputten Aufzug auch als langfristige Anschaffung sinnvoll.

Die Demonstranten fordern den Landkreis und die Stadt auf, dass sie für den Busverkehr eine zusätzliche Bushaltestelle auf Höhe Pulverweg Süd schaffen müssen, wo Busse Richtung Osten halten. Das würde den barrierearmen Zugang zum Bahnhof auf der Ostseite vereinfachen, besonders für Menschen die aus dem Westen kommen – sowie der Zugang von den Gleisen 2 bis 5 zum Bus Richtung Osten.

Der Aufzug auf der Parkhaus-Seite (Pulverweg-Seite) gehört der Stadt und ist bis jetzt nicht in der DB-App sichtbar. Das müsse geändert werden. Der Aufzug soll in die DB-App aufgenommen werden, um auf einen Blick zu sehen, ob der Fahrstuhl kaputt ist oder nicht – an dieser Stelle sei angemerkt, dass der Fahrstuhl leider auch zu klein für Fahrräder ist und perspektivisch ebenfalls ausgetauscht werden muss.

(RP/PM)

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