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Paralympics-Ticker

Paralympics: Endlich Gold für Deutschland – dank Martin Schulz und Valentin Baus

Triathlet Schulz siegt fürs Team +++ Tischtennisspieler Baus sucht nach Worten +++ Zwei Siege für deutsche Rollstuhlbasketballmannschaften +++ Läuferin Nikoleitzik disqualifiziert

Sonntag, 29. August 2021: Die ROLLINGPLANET-Zusammenfassung mit den wichtigsten Ergebnissen, Ereignissen und Stimmen des vierten Wettkampftags der Paralympischen Spiele (24. August – 5. September 2021) in Tokio.

Endlich Gold bei den Paralympics: Triathlet Schulz siegt fürs Team

Martin Schulz aus Deutschland küsst bei der Siegerehrung die Goldmedaille.

Martin Schulz aus Deutschland küsst bei der Siegerehrung die Goldmedaille. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Mit erhobenem Arm lief Martin Schulz durch das Zielband, dann ließ er sich völlig entkräftet zu Boden fallen. Nach 58 kraftraubenden Minuten in der schwülen Morgenhitze hatte der Triathlet den deutschen Gold-Fluch bei den Paralympics von Tokio gebannt. „Gestern Abend auf dem Zimmer ist meinem Trainer und mir klar geworden, dass wir das Glück haben, die ersten sein zu dürfen“, sagte der Leipziger. „Das war das, was mich auf dem letzten Kilometer nochmal gepuscht hat.“

Es war nicht nur eine Goldmedaille für sich selbst, es war eine fürs Team. Vier Tage und 156 Wettkämpfe lang hatte der Deutsche Behindertensportverband (DBS) bei den Spielen in Japan nicht einen Sieg errungen. Als Schulz am Sonntagfrüh auf die Strecke ging, lag Deutschland auf Rang 40 im Medaillenspiegel. Die Top 10 sind das Ziel. „Mir war klar, dass das eine richtig coole Nummer werden kann“, sagte Schulz, der nach einer starken Laufleistung seinen Paralympicssieg von Rio 2016 wiederholte. „Ich hoffe, dass das dem Team nun Aufschwung gibt und wir uns im Medaillenspiegel noch richtig nach oben arbeiten können.“

Auch DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher war entsprechend erleichtert – einige hatten schon von einem deutschen Desaster gesprochen, der sich bei den Paralympics abzeichne.

„Endlich hat unsere erste Goldrakete gezündet“,

sagte der 75-Jährige. „Da fällt schon eine Last ab. Martin ist ein großer Sieger.“ Zwar starten aufgrund des Terminplans die meisten deutschen Gold-Hoffnungen erst in der zweiten Halbzeit der Spiele. Ohne Gold nach fünf von zwölf Wettkampftagen dazustehen, „wäre für die interne Stimmung wie auch die Außenwirkung aber fatal gewesen“, schreibt die Nachrichtenagentur dpa.

Schulz ist ein absolut professioneller Athlet. Der 31-Jährige, der ohne linken Unterarm geboren wurde, hatte im Vorfeld der Spiele extra in einem beheizten Zelt trainiert, um die klimatischen Bedingungen in Tokio zu simulieren. Zudem arbeitete er im Strömungskanal an seiner Schwimm-Leistung. Arbeit, die sich am Sonntagmorgen voll auszahlte.

Schulz siegte in 58:10 Minuten mit 45 Sekunden Vorsprung auf den lange führenden Briten George Peasgood. Nach 750 Metern Schwimmen in der Bucht des Odaiba Marine Park stieg Schulz am frühen Morgen Ortszeit als Zweiter aus dem Wasser, mit genau einer Minute Rückstand auf Peasgood. Schon nach fünf von 20 Kilometern Radfahren hatte er den Rückstand auf 34 Sekunden verkürzt. Nach der Hälfte der fünf Kilometer langen Laufstrecke waren es nur noch fünf Sekunden Rückstand, dann zog Schulz vorbei.

„Unbeschreiblich“: Tischtennisspieler Baus holt Paralympics-Gold

Valentin Baus jubelt

Valentin Baus jubelt nach seinem Sieg im Finale gegen den Chinesen Cao. (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Die richtigen Worte musste Valentin Baus erst einmal suchen. „Es ist unbeschreiblich“, sagte der Tischtennisspieler nach dem Gewinn seiner ersten Goldmedaille bei den Paralympics. Mit 3:2 nach Sätzen schlug er am Sonntag in Tokio den favorisierten Chinesen Ningning Cao und holte das zweite Gold für den Deutschen Behindertensportverband (DBS) in der japanischen Hauptstadt – 77 Minuten nach dem Triumph von Martin Schulz im Triathlon.

Der 25-Jährige von Borussia Düsseldorf musste im Tokyo Metropolitan Gym hart kämpfen und stand kurz vor einer Niederlage. Nach dem gewonnen Auftaktsatz (11:4) drehte Ningning Cao die Partie und führte mit 2:1. In einem hart umkämpften vierten Durchgang verhinderte Baus, der eine Glasknochen-Krankheit hat, mit 13:11 die Silbermedaille. Den Entscheidungssatz gewann er dann mit 11:7 und konnte sein Glück nach dem 43-minütigen Tischtennis-Krimi nicht ganz fassen: endlich die ersehnte Goldmedaille.

„Wir haben so lange so hart gearbeitet“, sagte der Paralympics-Sieger und dachte dabei vor allem an sein persönliches Umfeld. „Nicht nur ich, sondern auch meine Trainingspartner, mein Trainer, Betreuer. Es kommt gerade alles zusammen.“

Vor dem Abflug nach Japan hatte Baus „seinen Traum von Gold verwirklichen“ wollen, wie er erzählte. Fünf Jahre nach der Silbermedaille bei den Paralympics von Rio ist der gebürtige Bochumer nun am Ziel. „Das kann man einfach nicht beschreiben“, sagte er überglücklich.

Eine große Gold-Feier wird es aus Corona-Gründen nicht geben. Zumindest will Baus aber in kleiner Runde „gemütlich zusammensitzen“ und „vielleicht trinken wir auch ein Wasser“, scherzte er. Beendet sind die Paralympics allerdings noch lange nicht. Mit der Mannschaft strebt Baus die zweite Medaille an.

Frances Herrmann holt überraschend Speerwurf-Silber

Speerwerferin Frances Herrmann hat überraschend die Silbermedaille gewonnen. Die 32-Jährige aus Cottbus wurde in der sitzenden Klasse mit 17,72 Meter nur von der siegreichen Chinesin Lijuan Zou (22,20) geschlagen. Für Herrmann war es die zehnte Medaille bei Welt- und Europameisterschaften oder Paralympics und der größte Erfolg seit Silber im Diskus bei den Spielen 2008.

Zwei Siege für deutsche Rollstuhlbasketballmannschaften

Mareike Miller, Annabel Breuer, Katharina Lang und Svenja Mayer (v.l.n.r, Deutschland) und Amy Conroy (2.v.r, Großbritannien) kämpfen um den Ball. (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen haben die Gruppenphase bei den Paralympics ungeschlagen beendet. Gegen Japan gewann das Team von Bundestrainer Dennis Nohl am Sonntag nach einer Aufholjagd im vierten Viertel mit 59:54. Nun steht die Auswahl in der Gruppe A mit vier Erfolgen souverän auf Platz eins. Am Dienstag beginnt mit dem Viertelfinale die K.o.-Runde. Beste Werferinnen gegen Japan waren Katharina Lang (27 Punkte) und Fahnenträgerin Mareike Miller (21).

Auch die Männer waren am Sonntag erfolgreich. Gegen das bislang noch punktlose Team aus Algerien siegte die deutsche Mannschaft mit 71:50. Mit zwei Erfolgen und zwei Niederlagen steht Deutschland in der Tabelle auf Platz vier. Ein Sieg am Montag gegen den Iran würde das Viertelfinalticket bedeuten. Thomas Böhme (21 Punkte) und Aliksandr Halouski (17) trafen am besten.

Disqualifiziert: 200-Meter-Läuferin Nikoleitzik verliert Para-Bronze

Die Freude über die vermeintlich gewonnene Bronzemedaille über 200 Meter bei den Paralympics wehrte bei Leichtathletin Nicole Nikoleitzik nur kurz. Die 26-Jährige kam am Sonntag im Olympiastadion von Tokio als Dritte ins Ziel, nach dem Rennen wurde sie allerdings wegen Übertretung der Bahn disqualifiziert. Paralympics-Siegerin wurde die Chinesin Yiting Shi (28,21 Sekunden) mit einem Weltrekord.

(RP/dpa)

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