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Notruf-App „nora“ startet – außer in Berlin

Nach mehreren Verzögerungen kann das Programm nun endlich (fast) bundesweit genutzt werden. ROLLINGPLANET beantwortet die wichtigsten Fragen.

iPhone mit installierter nora-App
Die nora-App ist ab heute für iOS und Android verfügbar. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

App statt Fax: Vor allem hörgeschädigte Menschen können in Zukunft per App die Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei rufen. Die Notruf-App „nora“ ist heute in 15 Bundesländern an den Start gegangen. Bisher hätten hörgeschädigte Menschen in Notlagen auf Gebärdendolmetscher, Freunde oder das Fax zurückgreifen müssen, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) bei der Vorstellung der App in Düsseldorf. „‚nora‘ schließt hier eine Lücke. Die App ergänzt die bestehenden Notrufsysteme um eine mobile Komponente.“

Nach dem Download der App müssen sich die Nutzer einmalig anmelden. In einem Profil können persönliche Angaben zu Vorerkrankungen gemacht werden. Wird der Notruf gewählt, erkennt die App automatisch den Standort des Handys und übermittelt diesen mit einem Klick an die Leitstelle. Danach führt die App die Nutzer durch mehrere Fragen, die helfen sollen, die Gefahrenlage einzuschätzen: Soll die Polizei oder die Feuerwehr alarmiert werden? Sind Menschen verletzt? Geht es um einen Einbruch oder einen Brand? Sind alle Fragen beantwortet, wird der Notruf abgesetzt.

Herbert Reul hält Handy mit nora-App

NRW-Innenminister Herbert Reul bei der Präsentation der „nora“-App. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

In erster Linie richtet sich das Angebot an Menschen, die aufgrund einer Hör- oder Sprachbehinderung schlecht am Telefon kommunizieren können. Aber auch für Menschen, die kein Deutsch können oder in einer Notlage nicht sprechen können, sei die App nützlich.

„Grundsätzlich ist ‚nora‘ eine App für alle Menschen in Deutschland“,

sagte Reul.

Das nordrhein-westfälische Innenministerium hatte das bundesweite Projekt federführend übernommen. Die Notruf-App ist in fast allen Bundesländern verfügbar. Nur in Berlin habe es „in der Administration etwas gehakt“, sagte Reul. Dort soll die App demnächst ebenfalls eingeführt werden.

Die wichtigsten Antworten zur „nora“-App

Wofür ist „nora“ wichtig?

Wohnungsbrand, Autounfall, Überfall, medizinischer Notfall – es gilt, möglichst schnell die 112 oder die 110 anzurufen. Was aber, wenn die Betroffenen (grundsätzlich oder akut) nicht sprechen oder hören können? Dafür gibt es die Notruf-App „nora“. Und damit quasi per Knopfdruck auch den direkten Draht zu den zuständigen Leitstellen – zum Beispiel Polizei und Feuerwehr.

Für wen ist „nora“?

In erster Linie für Menschen mit eingeschränkten Sprech- und Hörfähigkeiten gedacht, steht die App grundsätzlich jedem zur Verfügung. Wer „nora“nutzt, nimmt damit direkten Kontakt – je nach Vorfall – zur Zentralen Leitstelle in der Branddirektion (für Feuerwehr und Rettungsdienst) oder der Leitstelle im Polizeipräsidium auf.

Was kann die App?

Notrufe absetzen ohne sprechen zu müssen – das ermöglicht die Handy-Anwendung. Was bislang mit großen Einschränkungen nur per Notfall-Fax (nur stationär, keine Rückfragen) oder Gebärdendolmetscher (nicht direkt, Zeitverzug) möglich war, funktioniert jetzt über ein von Piktogrammen unterstütztes, anwenderfreundliches Programm fürs Smartphone:

  • „nora“ fragt per Multiple-Choice knapp ab, um welche Art eines Notfalls es sich handelt und ob Verletzungen vorliegen; sobald “Notruf senden” gedrückt wird, poppt der Notruf in der zuständigen Leitstelle auf.
  • „nora“ nutzt automatisch die Standort-Funktion des Smartphones. Der Leitstellen-Mitarbeiter weiß sofort, wo der oder die Notrufende sich befindet. Per Chat kann der Notfall-Bearbeiter oder die Notfall-Bearbeiterin sofort mitteilen, dass Hilfe unterwegs ist und andere wichtige Dinge sagen oder erfragen.
  • „nora“ kann wichtige Zusatzinformationen für die Einsatzkräfte bereithalten, etwa zum Alter oder möglichen Behinderungen oder Vorerkrankungen. Helfer können sich so viel besser auf Betroffene einstellen. In der Vergangenheit wurde dies oft nach Eintreffen zeitaufwändig per Zettelschreiben erledigt.
  • „nora“ hat außerdem die Funktion „Stiller Notruf“ – für seltene Situationen, in denen der Anruf unentdeckt bleiben soll – etwa im Fall einer Entführung.

Sind die Leitstellen darauf vorbereitet?

Die Leitstellen (mit Ausnahme Berlin) sind bereit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden geschult, die App-Notrufe entgegen zu nehmen und schnell zu bearbeiten. Viele Polizei- und Feuerwehr-Leitstelle waren auch in der Testphase der App involviert.

Was hat die Notruf-App „nora“ mit den Warnapps „Nina“, KATWARN“ und Co. zu tun und von wem kommt die App?

Im Grunde gar nichts. Die Warn-Apps sollen vor größeren Gefahren warnen. Die Notruf-App ist dafür da, dass man in einer Notsituation Hilfe rufen kann. Gerade in großen Schadenslagen ist es allerdings wichtig, dass sich auch Menschen, die sich anders kein Gehör verschaffen können, mit der Notruf-App auf sich aufmerksam machen können.

„nora“ ist die offizielle Notruf-App der Bundesländer. Die Entwicklung hat federführend das Innenministerium NRW übernommen. Deutschland kommt damit seiner Verpflichtung nach, einen gleichwertigen Zugang zu Notrufdiensten für Menschen mit Hör- und Sprachbehinderungen sicherzustellen. Das ergibt sich sowohl aus der UN-Behindertenrechtskonvention als auch aus verschiedenen EU-Richtlinien.

Runterladen oder nicht?

Für Sprech- oder Gehöreingeschränkte kann die App Leben retten – Ja! Aber auch für ältere Familienangehörige kann die App von Bedeutung sein. Je nach Situation im Grunde für jeden. Wichtig ist, gleich sich nach dem Download auch sofort zu registrieren und Schlüsselinformationen (Alter, ggf. Vorerkrankungen oder Behinderungen) hinzuzufügen. Damit, wenn es einmal ernst wird, alle bestmöglich vorbereitet sind.

Wo gibt es die App und weitere Infos?

„nora“ steht ab heute im Apple App Store für iOS und im Google Play Store für Android zur Verfügung. Weitere Informationen zu „nora“ gibt es auf der Webseite der App https://nora-notruf.de

(RP/PM/dpa)

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ROLLINGPLANET ist seit 2021 Deutschlands Onlinemagazin für Menschen mit Behinderung und alle anderen. ROLLINGPLANET ist ein Non-Profit-Projekt, realisiert vom Verein Menschen, Medien und Inklusion e.V., München. Mehr über unser Team erfahren Sie hier.

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