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Nordrhein-Westfalen: Rappender Politiker macht sich im Landtag für Inklusion stark

Barrierefreiheit im Landtag und möglichst in ganz NRW – Dennis Sonne ist als Abgeordneter der Grünen neu ins Parlament in Düsseldorf eingezogen. Ein Thema macht ihm aber besonders Sorgen. Von Stella Venohr

Dennis Sonne im Rollstuhl vor dem Landtag.
Dennis Sonne (Bündnis 90/Die Grünen) will sich im Landtag von Nordrhein-Westfalen für Inklusion stark machen. (Foto: David Young/dpa)

Wenn Dennis Sonne in den nordrhein-westfälischen Landtag kommt, bringt er seinen ganz eigenen Blick mit: Wo ist hier der nächste Fahrstuhl? Sind die Räume ebenerdig? Seit der Wahl vor rund vier Wochen ist der Grünen-Politiker im Rollstuhl Teil des Landesparlaments. Dort will er sich für Inklusion, Vielfalt und Bürgerbeteiligung stark machen – Themen, die er bislang auch in seinen Songs als Rapper Sittin’ Bull verarbeitete.

„Ich habe zu allererst ein bisschen Bedenken gehabt, dass das hier im Landtag für Menschen mit Behinderung alles barrierefrei ist. Ich habe mich tatsächlich im Vorfeld auch gar nicht erkundigt, weil ich ja einen Listenplatz hatte, der nicht so sicher war“, sagt der Abgeordnete aus Lüdinghausen (Kreis Coesfeld) der Deutschen Presse-Agentur. „Dann hat es ja zum Glück geklappt und ich habe zuerst gedacht: Okay, hätte ich mich vielleicht doch im Vorfeld schon mal informieren müssen, ob das alles funktioniert.“ Aber bislang habe er im Landtag keine negativen Erfahrungen gemacht.

Sonne brach sich 2004 bei einem Sturz mehrfach die Wirbelsäule und ist seitdem querschnittgelähmt. „Barrierefreiheit betrifft so viele Bereiche, die aber nicht alle auf dem Schirm haben. Und deswegen ist es in meinen Augen und in den Augen unserer Fraktion ein ganz großer Mehrwert, dass wir so eine vielfältige Fraktion sind“, sagt der Finanzbeamte.

Jede Schule soll inklusiv werden

Im Sondierungspapier von Grünen und CDU finden sich nur wenige Sätze zu dem Thema: „Wir wollen eine übergreifende Inklusionsoffensive und werden die Kommunen bei der Umsetzung von Inklusion und Barrierefreiheit unterstützen“, heißt es etwa. Und: „Ein hochwertiges und gut ausgestattetes inklusives Schulangebot in Förderschulen und allgemeinen Schulen sichert Eltern und Kindern Wahlfreiheit.“

Sonne führt das weiter aus: „Wer im Alltag Unterstützung braucht, bekommt diese oft nur in Förderschulen oder Werkstätten, in denen Menschen mit Behinderungen unter sich sind, beispielsweise bewerben sich Jugendliche aus Förderschulen durchschnittlich seltener auf Ausbildungsstellen“, so der 38-Jährige. Dabei sei es wichtig, dass alle Kinder an allen Schulen willkommen und auch alle allgemeinen Schulen entsprechend ausgestattet seien.

„Wenn ich mir dann angucke, dass nicht alle Schulen für ein inklusives Modell ausgestattet sind und Schüler mit Schwerbehinderung deswegen teilweise ausgegrenzt werden und auf Förderschulen gehen, bereitet mir das Kopfschmerzen“,

sagt der Politiker. Er selbst war bei seinem Unfall bereits 20 Jahre alt, hatte bereits sein Abitur gemacht und eine berufliche Laufbahn begonnen. „Aber wenn ich jetzt vor 28 Jahren mal einen Unfall gehabt hätte und ich noch ein Kind gewesen wäre, hätte ich vielleicht nicht die Möglichkeiten gehabt“, sagt Sonne. „Dann wäre ich möglicherweise auch auf eine Förderschule gegangen, obwohl ich ja eigentlich nur querschnittgelähmt bin.“

Wenn Sonne aus dem Landtag nach Hause kommt, hilft ihm seine Leidenschaft, die Musik. „Ich habe auch ein paar Instrumente zu Hause, ein Klavier und eine Gitarre. Das mache ich immer noch abends, um runterzukommen“, so der Lüdinghauser. Fans von Sittin’ Bull werden dennoch geduldig sein müssen, denn neue Musik werde wohl erst einmal nicht kommen, sagt Sonne. Im Sommer stünden zwar ein paar Konzerte an, er wolle sich jetzt jedoch voll auf sein Amt als Abgeordneter konzentrieren.

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(RP/dpa/lnw)

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