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Nora Tschirner: „Krankenkassen halten Menschen von Psychotherapie ab“

Die Schauspielerin sieht Nachbesserungsbedarf im Gesundheitssystem bei Depressionen.

Nora Tschirner bei der Premiere des Kinofilms „Gut gegen Nordwind“
Nora Tschirner bei der Premiere des Kinofilms „Gut gegen Nordwind“ (Foto: Henning Kaiser/dpa)

Schauspielerin Nora Tschirner („Keinohrhasen“, „Tatort“) hat nach eigenen Angaben keine Angst davor, dass Äußerungen über ihre Depressionen Auswirkungen auf ihre Karriere haben könnten.

„Mein Wertesystem sieht nicht vor, Geld zu scheffeln, Karriere zu machen und Everybody’s Darling zu sein“,

sagte die gebürtige Berlinerin im Interview mit der Zeitung „tz“. Wenn sie keine Filme mehr drehen könnte, wäre sie beruflich immer noch „breit genug aufgestellt, andere Sachen machen zu können“, sagte die 39-Jährige. „Das ist natürlich ein absolutes Privileg.“

Im März 2019 sprach die Schauspielerin erstmals in einem Podcast über Depressionen. Vergangenen Monat berichtete sie im Interview mit dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“ offen von ihren Symptomen, ihrer ersten Therapie und dem „Tiefpunkt“ vor zehn Jahren. Über das Thema zu sprechen, empfinde sie als „gesellschaftliche Marktforschung“, sagte Tschirner jetzt der „tz“. Es sei wichtig, herauszufinden, wie die Öffentlichkeit damit umgehe und was sich ändern müsse.

„Wahnsinn in Tüten“

„In den vergangenen Jahren ist viel passiert, aber nur fünf Prozent von dem, was passieren muss“, sagte Tschirner. Oft machten Betroffene immer noch keine Therapie. „Nicht, weil sie nicht wollen, sondern, weil sie wissen: Sie sind kassenärztlich versichert, sie sind im System und können durchs Raster fallen. Da ist vieles noch der Wahnsinn in Tüten.“

Jungen Schauspielern in einer ähnlichen Situation rate sie, gut abzuwägen, ob sie ihre Erkrankung öffentlich machen wollen. „Das können die Leute machen, die sicherer stehen.“ In jedem Fall sollten Betroffene ihre Erkrankung ernst nehmen und nach Hilfe fragen.

(RP/dpa)

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