Nach den bereits etablierten gleichgeschlechtlichen Ampelpärchen will die Stadt München künftig auch Menschen mit Behinderung stärker im Stadtbild sichtbar machen. An ausgewählten Fußgängerampeln im Innenstadtbereich soll das bekannte Ampelmännchen durch eine Figur im Rollstuhl ersetzt werden. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat das Mobilitätsreferat damit beauftragt, geeignete Kreuzungen zu identifizieren.
Die Idee stammt vom ehemaligen Behindertenbeauftragten der Stadt, Oswald Utz, der das Amt 20 Jahre lang innehatte. Utz wurde mit der sogenannten Glasknochenkrankheit geboren und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. „Oswald Utz hat uns deutlich vor Augen geführt, wie wichtig die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum ist“, so Reiter. „Eine seiner guten Ideen greife ich heute direkt auf.“ Auch SPD-Stadtrat Roland Hefter unterstützt die Initiative und hat bereits einen ersten grafischen Vorschlag für das neue Symbol eingebracht. Reiter bedankte sich ausdrücklich: „Vielen Dank an Oswald Utz für sein großes Engagement und den Vorschlag – und an Roland Hefter! Ich freue mich auf die zeitnahe Umsetzung.“

Andere Städte sind weniger mutig
Einzelne Versuche, Rollstuhlfahrer als Ampelfiguren darzustellen, gab es in Deutschland bisher nur vereinzelt – etwa in Bremen, wo 2021 in der Nähe eines Reha-Zentrums ein Pilotprojekt mit einem Rollstuhlsymbol startete. Auch in Erfurt wurde eine solche Idee diskutiert, bislang jedoch nicht umgesetzt. München könnte mit der dauerhaften Einführung solcher Symbole eine Vorreiterrolle übernehmen.
Seit Februar dieses Jahres gibt es in München bereits sogenannte Pumuckl-Ampeln im Stadtteil Lehel – dort, wo einst die berühmte Fernsehserie „Meister Eder und sein Pumuckl“ gedreht wurde. Der freche Kobold dient dort als Ampelfigur und sorgt für Aufmerksamkeit und ein Augenzwinkern im Straßenverkehr.
Auch in London war ein Rollstuhlfahrer treibende Kraft
Ein weiteres Beispiel für kreative Ampelsymbole sind die schwulen und lesbischen Ampelpärchen, die erstmals zum Christopher-Street-Day 2015 in München aufgestellt wurden. Seit 2019 sind sie dauerhaft an sechs Übergängen im Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel installiert und setzen ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz.
Auch international gibt es vergleichbare Projekte: In London zeigen einige Ampeln seit Ende 2023 Rollstuhlfahrende als grüne Figuren – in zwei Varianten: als Frau im elektrischen Rollstuhl und als Mann mit manuellem Antrieb. Die Initiative stammt vom dreifachen Ruder-Olympiasieger Peter Reed, der seit einem Rückenmarksinfarkt selbst im Rollstuhl sitzt. Die Symbole wurden in der Nähe barrierefreier U-Bahn-Stationen installiert, unter anderem am Londoner Tower.
In München hat seit Anfang des Jahres Daniela Maier die Nachfolge von Oswald Utz als Behindertenbeauftragte übernommen. Sie ist nun zentrale Ansprechpartnerin für die Belange von Menschen mit Behinderungen in der Stadt.
(RP)





