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Moritz A. Sachs: Unerfüllter Kinderwunsch

Der „Lindenstraße“-Schauspieler spricht im ROLLINGPLANET-Interview sehr offen über die drei Fehlgeburten seiner Frau, Beziehung und Glück. Eine Frage wollte er jedoch nicht beantworten. Von Anke Sieker

Schauspieler Moritz A. Sachs
Schauspieler Moritz A. Sachs (Foto: IMAGO/tagesspiegel)

Als Klaus Beimer in der TV-Serie „Lindenstraße“ wurde Schauspieler Moritz A. Sachs (42) zum Publikumsliebling. Privat ist er seit 20 Jahren mit seiner Frau Sabine Lindlar (44) glücklich. Doch die beiden mussten in ihrem Leben schon viele Schicksalsschläge verkraften und mit drei Fehlgeburten das wohl Schlimmste erleben, was werdenden Eltern widerfahren kann.

„Drei Fehlgeburten? Ein echter Partykiller!“

Wie geht es Ihnen – als Schauspieler, Produzent und Veranstalter (des Kurzfilmfestivals shnit) – mit den wiedergewonnenen Freiheiten nach dem Lockdown?

Ich freue mich sehr, meine Freunde nach und nach wieder zu sehen. Beruflich macht es noch keinen Unterschied bei mir. Ich habe das Jahr mit Fernsehproduktionen verbracht und auch für die nähere Zukunft keine Veranstaltungen in Planung. Im Freundes- und Bekanntenkreis stehen allerdings Viele weiterhin vor dem Nichts. Große Veranstaltungen sind zurzeit noch nicht sicher genug planbar, das wird wohl erst in 2022 wieder was. Hoffentlich.

Wie haben Sie die Pandemie-Zeit genutzt, eventuell für brachliegende Interessen oder neue Projekte?

Ich habe tatsächlich fast durchgearbeitet. Als 1. Aufnahmeleiter und als Regieassistent bei verschiedenen Produktionen. Da war ich zeitlich dann auch gut ausgelastet.

Moritz A. Sachs spielte von 1985 bis 2020 die Rolle des Klaus Beimer in der WDR-Serie „Lindenstraße“

Moritz A. Sachs spielte von 1985 bis 2020 die Rolle des Klaus Beimer in der WDR-Serie „Lindenstraße“. (Foto: Leut, MoritzASachs, CC BY 3.0)

Sie waren einer der langjährigsten Hauptdarsteller bei der „Lindenstraße“, von Anfang bis zum Ende als Klaus Beimer dabei. Da fiel der Abschied sicherlich schwer. Wie sehr fehlt Ihnen „Ihre Familie“? Haben Sie manchmal noch „Entzugserscheinungen“ nach der „Lindenstraße“?

Ganz klar, das Team fehlt mir sehr. Insbesondere wohl auch, weil Treffen außerhalb der Lindenstraße pandemiebedingt von Anfang an nicht mehr möglich waren. Wir planen aber, uns mit vielen im August zusammenzufinden, wenn es Corona und der Impfstand dann zulassen. Die Lindenstraße hätte ich gerne auch im Pandemiejahr im TV gesehen. Das wäre sicherlich eine sehr spannende Aufgabe gewesen. Corona als einzige Dauerserie im deutschen TV nicht einfach zu ignorieren, sondern möglichst aktuell zu verarbeiten.

Demnächst wieder eine Weltreise?

Stimmt es, dass Sie sich nach dem Ende der letzten Dreharbeiten, im Dezember 2019, eine lange Reise gegönnt haben?

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Meine Weltreise habe ich im Jahr 2000 gemacht, nach meinem Zivildienst. Das war super, und es wäre toll, das nochmal zu wiederholen. Nach dem Ende der Lindenstraße war dies aber nicht eingeplant. Vielleicht in einigen Jahren mal, wenn es die Zeit dann hergibt.

In einem Interview haben Sie sich ganz offen zu dem Thema Fehlgeburten geäußert. Sie selbst waren drei Mal davon betroffen. Das ist heftig! Sie betonten, die männliche Sicht und deren Empfinden würden häufig nicht thematisiert. Was haben Sie durchgemacht? Schon eine Fehlgeburt ist ja ein riesiger Schicksalsschlag, kaum vorstellbar, wie es ist, dieses drei Mal zu erleben…

Im aktuellen Moment geht es natürlich erstmal um die Mutter, da ist ja neben dem Verlust auch das Körperliche. Schmerzen, Umstellungen und so weiter. Es bleibt aber eben meist dabei, dass man nach der Mutter gefragt wird, dass Frauenärzt*innen die Ansprechpartner*innen sind und so weiter. Da fällt der Vater schon mal hinten runter in der Beratung und Nachbetreuung. Vorstellbar sind drei Fehlgeburten allerdings leider schon, die Zahl der Menschen, die Fehlgeburten erleiden, ist deutlich höher als man meint. Es wird eben selten angesprochen. Ist ja auch ein echter Partykiller…

Wie haben Sie und Ihre Frau diesen schweren Verlust verkraftet? Haben Sie Hilfe in Anspruch genommen?

Nein, haben wir nicht. Aber wir konnten uns gegenseitig ganz gut zur Seite stehen, da haben wir den Trost gefunden, den wir brauchten.

Wie sehr haben diese Schicksalsschläge die Beziehung zu Ihrer Frau beeinträchtigt? Wie haben Sie sich gegenseitig unterstützt? Viele Beziehungen zerbrechen leider häufig daran. Stimmt es, dass Sie Ihre Verluste dagegen noch mehr zusammengeschweißt haben?

Eine Beeinträchtigung konnten wir jedenfalls nicht ausmachen. Wir haben anscheinend das Glück, auch in solchen Momenten zusammenzufinden.

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Kind im Rhein bestattet

Haben Sie Ihren Schmerz überwunden oder ist dieser nach wie vor präsent?

Wenn ich daran denke, bin ich weiterhin traurig, das wird wohl auch nicht ganz verschwinden. Aber der Schmerz ist ein anderer als der damalige.

Sie sprachen auch offen darüber, dass Sie Ihr drittes Kind im Rhein bestattet haben, es beim dritten Kind für Sie am schlimmsten war. Das Loslassen des Kindes stelle ich mir brutal vor… Gab es eine Zeremonie?

Es ist ja kein Kind, das wir in den Rhein geworfen hätten, das darf man auch nicht. Unsere Fehlgeburt war so früh, dass es nur ein ganz kleines Zellhäuflein war. Dieses loszulassen war tatsächlich hart.

Haben Sie das Thema Familienplanung abgeschlossen oder versuchen Sie nach wie vor, ein Kind zu bekommen? Sicherlich eine sehr belastende Situation, mit der Angst zu leben, dass so etwas noch mal passieren könnte? Käme auch eine Adoption für Sie und Ihre Frau in Frage?

Diese Frage möchte ich tatsächlich nicht beantworten. Bitte um Entschuldigung.

Was sind Ihre Wünsche, Pläne für Ihre Zukunft?

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Ich hoffe auf ein langes gesundes und abwechslungsreiches Leben.

Vielen Dank für das Interview.

(RP)

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