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Paralympics

Mit Tischtennis-Schläger im Mund: Ägypter begeistert bei Paralympics

Ibrahim Hamadtou verliert als Kind bei einem Zugunglück beide Arme – doch auch ohne sie bringt er Profis zum Staunen. Bei den Spielen in Tokio hat der Sportler hohe Ziele. Von Tobias Brinkmann

Ibrahim Hamadtou bei den Paralympics 2020 in Tokio
Ibrahim Hamadtou bei den Paralympics 2020 in Tokio (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Der Tischtennisball klemmt vor dem Aufschlag unter seinen nackten Zehen, den Schläger hält er mit dem Mund fest. Dann hebt er die kleine Zelluloidkugel in die Höhe und schmettert los. Der Ägypter Ibrahim Hamadtou begeistert bei den Paralympics in Tokio mit einem außergewöhnlichen Auftritt.

„Wenn ich am Tisch stehe, vergesse ich alles. Es ist wie ein Gespräch mit dem Ball, und er hört zu. Am Tisch fühle ich mich wie ein König“,

sagte der 48-Jährige.

„Die Leute denken, es sei einfach“

Im Alter von zehn Jahren verlor Hamadtou bei einem Zugunfall beide Arme. Dennoch entdeckte er mit 13 seine Leidenschaft für das Tischtennis. In seiner Heimatstadt Kafr Saad am Nil-Delta spielte er im Jugendzentrum. „Am Anfang waren die Leute erstaunt und überrascht, mich spielen zu sehen. Sie haben mich sehr ermutigt und unterstützt und waren sehr stolz auf meinen Willen, meine Ausdauer und meine Entschlossenheit“, sagte Hamadtou.

Ibrahim Hamadtou nutzt seinen Fuß, um den Ball in die Aufschlagsposition zu bringen.

Ibrahim Hamadtou nutzt seinen Fuß, um den Ball in die Aufschlagsposition zu bringen. (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Der Para-Teilnehmer probierte verschiedene Möglichkeiten der Schlägerhaltung aus. Er tüftelte und fand die beste Position: Mit dem Schläger im Mund flog der Ball fortan über das Netz.

„Wenn die Leute heute sehen, wie ich den Schläger halte, denken sie, es wäre einfach“,

sagte Hamadtou. „Es ist aber gar nicht leicht.“ Denn bei jedem seiner Schläge ist der komplette Körper in Bewegung. Seine Beine sind dabei das Wichtigste. „Auf sie verlasse ich mich mehr als auf alles andere“, erklärte er. „Auch mein Nacken muss ständig gestärkt werden. Dasselbe gilt für meine Zähne.“

„Es ist nichts unmöglich“

Erst war es noch der Spaß, dann wuchs der Ehrgeiz beim dreifachen Familienvater. Das Ergebnis: 2011 und 2013 holte er Silber bei den afrikanischen Meisterschaften.

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Durch seine spektakuläre Art zu spielen, ist Hamadtou zu einem kleinen Star in der Tischtennisszene geworden. Bei Youtube wurde ein Video mit Trainingsspielen gegen Topstars über drei Millionen Mal angeklickt. „Es gibt nichts, was unmöglich ist“, sagte er.

„Es war eine Botschaft an die Welt, in dem ich zeigen konnte: es ist nichts unmöglich.“

Der chinesische Weltklassespieler und zweimalige Olympiasieger Ma Long war vom Aufeinandertreffen mit Hamadtou schwer angetan: „Unfassbar. Ich konnte es gar nicht glauben.“

Die Spiele in Tokio sind nach Rio 2016 Hamadtous zweiten Paralympics. In Brasilien wurde er Elfter. Auch wenn er sein Auftaktspiel gegen den Koreaner Park Hong Kyu klar mit 0:3 verlor, peilt er in Japan eine deutliche Verbesserung an. „Mein Ziel ist es, mit einer Medaille nach Hause zu fahren. Jeder hier hat das Ziel, eine Medaille zu gewinnen“, betonte Hamadtou und nannte einmal mehr seine Botschaft: „Nichts ist unmöglich.“

(RP/dpa)

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