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Lost in Face – wenn Menschen Gesichter nicht erkennen

Eine preisgekrönte Dokumentation widmet sich der Wahrnehmungsstörung Prosopagnosie. In Deutschland leben zwischen 800.000 und 1,6 Millionen Menschen mit dieser Beeinträchtigung.

In einem dunklen Zimmer hängen viele Porträtzeichnung an Wäscheleinen. Im Vordergrund sieht man die Umrisse eines Kopfes.
Ausschnitt aus dem Film („Lost in face“).

Was ist denn mit ihr los – warum sagt sie nicht „Hallo“? Es ist irritierend, wenn jemand Bekanntes nicht grüßt. Doch dahinter muss nicht zwangsläufig Unhöflichkeit stecken.

Manche Menschen sind gesichtsblind. Sie erkennen weder ihre eigenen Familienmitglieder noch Arbeitskollegen oder Freunde ohne Weiteres. Fachleute sprechen von Prosopagnosie (altgriechisch: „das Gesicht“ und „Nichterkennen“), umgangssprachlich ist Gesichtsblindheit der geläufige Begriff. Das Krankheitsbild wurde erstmals 1947 durch den deutschen Neurologen Joachim Bodamer beschrieben. Er berichtete über drei Patienten, die nach einer Gehirnverletzung außerstande waren, das Pflegepersonal (und teils auch die eigenen Verwandten) wiederzuerkennen.

Meist steckt jedoch ein angeborener Gendefekt dahinter. Sehr selten kann auch eine Schädigung bestimmter für die Gesichtserkennung wichtiger Nervenzellen im Hirn, etwa in Folge eines Schlaganfalls oder einer Hirnentzündung, ursächlich sein.

Bis zu 1,6 Millionen gesichtsblinde Menschen in Deutschland

Porträt Valentin Riedl

Valentin Riedl ist Professor in München. Er studierte Medizin an der Universität Regensburg und der Technischen Universität München (TUM). (Foto: MDR)

Die medizinische Forschung gehe heute davon aus, dass ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung davon betroffen seien, erklärt der Arzt und Neurowissenschaftler Valentin Riedl, der den Dokumentarfilm „Lost in face – Die Welt mit Carlottas Augen“ zum Thema gemacht hat. Auf Deutschland heruntergerechnet wären das rund 800.000 bis 1,6 Millionen gesichtsblinde Menschen.

Die Wahrnehmungsstörung kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Sie zu diagnostizieren, ist nicht immer einfach – laut dem Institut für Humangenetik am Uniklinikum Münster sind verhaltenspsychologische Tests wie der Cambridge Face Memory Test hier die Methode der Wahl.

Eine ursächliche Therapie für Prosopagnosie gebe es nicht, viele gesichtsblinde Menschen entwickelten eigene Strategien zur Kompensation. Dennoch bringt Betroffene ihr Defizit beim sozialen Miteinander öfters in Schwierigkeiten.

„Lost in face – Die Welt mit Carlottas Augen“

Ein Filmplakat, das Carlotta mit geschlossenen Augen zeigt.

Filmplakat zu „Lost in face“.

Carlotta kann keine Gesichter erkennen, nicht einmal ihr eigenes, denn sie hat Prosopagnosie. In der Kunst, den Tieren und der Natur findet sie auf ihrer lange Suche schließlich einen Zugang zum eigenen Gesicht und geichzeitig den Weg zu ihren Mitmenschen. „Lost in face – Die Welt mit Carlottas Augen“ ist ab 30. September 2021 in den Kinos zu sehen. Begleitet wird dies durch eine Reihe von Publikumsgesprächen (siehe ganz unten).

Die Dokumentation von Valentin Riedl wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem als „Bestes Debüt“ (Deutscher Dokumentarfilmpreis), mit dem „Publikumspreis“ & „Beste Musik“ (Filmfestival Max Ophüls Preis), als „Beste Bildgestaltung“ (Internationales Frauenfilmfestival) und mit dem „Golden Owl Award“ (Bergen International Film Festival). Wim Wenders lobt: „Als Hirnforscher und Filmkünstler öffnet uns Valentin den Blick in eine neue Welt“.

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Kinotermine und Publikumsgespräche

ab 30.09.21 – Bamberg Lichtspiel
Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 06.10.21 (in Kooperation mit der Universität Bamberg, Lehrstuhl Allgemeine Psychologie und Methodenlehre)

ab 30.09.21 – Bielefeld Camera
Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 02.10.21 (in Kooperation mit dem Universitätsklinikum OWL der Universität Bielefeld)

ab 30.09.21 – Bochum Metropolis
Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 01.10.21 (in Kooperation mit der Ruhr Universität Bochum, Moderation: Prof. Boris Suchan)

ab 30.09.21 – Bonn Neue Filmbühne

ab 30.09.21 – Berlin Delphi Lux
Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 03.10.21 (in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. )

ab 30.09.21 – Berlin Hackesche Höfe

ab 30.09.21 – Dresden Schauburg

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ab 30.09.21 – Düsseldorf Bambi

ab 30.09.21 – Frankfurt Mal Sehn Kino

ab 30.09.21- Gera Metropolkino

ab 30.09.21 – Hamburg 3001
Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 03.10.21

ab 30.09.21- Köln Odeon Kino

ab 30.09.21 – Magdeburg Moritzhof
Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 04.10.21 (in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Neurobiologie, Moderation: Prof. Ariel Schönfeld)

ab 30.09.21 – Marburg Capitol
Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 05.10.21 (in Kooperation mit der Center for Mind, Brain and Behavior, CMBB)

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ab 30.09.21 – München Monopol Kino

ab 30.09.21 – Münster Cinema
Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 30.09.21 (in Kooperation mit der Universität Münster)

ab 30.09.21 – Nürnberg Casablanca
Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 06.10.21 (in Kooperation mit der Universität Nürnberg)

ab 30.09.21 – Regensburg Filmgalerie

Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 24.10.21

ab 30.09.21 – Schwäbisch Hall Lichtspielhaus

ab 30.09.21 – Stuttgart Delphi
Regisseur Riedl und Protagonistin Carlotta anwesend am 13.10.21 (in Kooperation mit Department of Neurobiology – IBBS, University of Stuttgart)

ab 30.09.21 – Wiesbaden Caligari

(RP/PM/dpa)

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