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Listenplatz 24 statt 23: Gehörlose Bundestagskandidatin scheitert knapp

Die bayerische SPD-Politikerin Heike Heubach verpasste hauchdünn den Einzug in den Bundestag. Sie wäre die erste taube Abgeordnete überhaupt im deutschen Parlament gewesen.

Heike Heubach in einer Parkanlage
Die gehörlose Heike Heubach trat im Wahlkreis Augsburg-Land für die SPD an. (Foto: privat)

Die gehörlose SPD-Bundestagskandidatin Heike Heubach hat den Einzug ins Parlament bei der Wahl am Sonntag knapp verpasst. Die 1979 geborene Bewerberin aus dem Augsburger Vorort Stadtbergen stand bei der bayerischen SPD auf Platz 24 der Landesliste, die Sozialdemokraten werden nach Angaben des Landeswahlleiters vom Montag aber nur 23 Listenkandidaten nach Berlin schicken können. Heubach wäre nach Medienberichten die erste gehörlose Politikerin im Bundestag überhaupt gewesen.

Heubach hatte im Wahlkreis Augsburg-Land kandidiert, aber gegen Amtsinhaber Hansjörg Durz (CSU) bei der Direktwahl keine Chance. Durz kam trotz starker Verluste auf 40,6 Prozent der Erststimmen, Heubach landete mit 14,5 Prozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz. In der Nacht vom Sonntag zum Montag hatte es einige Stunden danach ausgesehen, dass es für Heubach dank der SPD-Landesliste reicht – ehe um 6 Uhr das vorläufige Ergebnis der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag bekannt gegeben wurde, und sich für Heubach die Chancen, über die SPD-Liste in den Bundestag zu kommen, zerschlugen.

„Wer nicht kämpft, hat schon verloren“

Heubach, eine von ungefähr 8.000 Gehörlosen in Bayern, lebt ein relativ normales Leben. Sie wohnt in der 15.000-Einwohner-Stadt Stadtbergen, zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern, 16 und 18 Jahre. In einem Porträt über die Kandidatin schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ vor einer Woche:

„Morgens fährt sie zur Arbeit in die Bayernwerke, koordiniert als Industriekauffrau die Einsätze von Technikern. Dabei telefoniert sie viel, nur eben über einen telefonischen Dolmetschservice.

Wie so vieles in ihrem Leben musste sie sich dessen öffentliche Finanzierung erst einmal erkämpfen. Sie wollte nicht, dass die Firma mit Blick auf die Kosten andere Menschen mit Behinderung nicht mehr einstelle, sagt sie. Auf ihrem Facebook-Konto steht ihr Motto geschrieben, es ist das Brecht’sche ,Wer nicht kämpft, hat schon verloren.‘ (…)

 

In Friedberg deutet sie an, die Ärmel hochzukrempeln. ,Ich kämpfe immer‘, sagt sie. Und macht dabei eine V-Geste unter ihrem Kinn. Ihr Gebärdenname ist die Gebärde für das Lächeln. Die Dolmetscher in der Fraktion stünden bereit, sagt sie. Und selbst wenn nicht: Dann gehe sie eben trotzdem nach Berlin.“

Mehr Erfolg bei der Wahl hatten die Rollstuhlfahrerin Stephanie Aeffner und Ex-Behindertenbeauftragter Hubert Hüppe. Die beiden Bewerber konnten ein Mandat für den neuen Bundestag erringen.

(RP/dpa)

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