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„Lebenslinien“: Ottfried Fischer und Herr Parkinson

„Keine Angst, ich mach’ keine Schüttelreime“ – mit diesem Spruch trat der Kabarettist 2008 auf die Bühne, nachdem er seine Erkrankung öffentlich gemacht hatte. In einer BR-Doku sagt er: Humor und die Liebe helfen ihm im Umgang damit. Von Ute Wessels

Ottfried Fischer
Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer (Foto: Armin Weigel/dpa)

Seine Parkinson-Erkrankung setzt dem Kabarettisten Ottfried Fischer zu. Aber, so sagt der 68-Jährige in einer neuen Folge der Reihe „Lebenslinien“ im Bayerischen Fernsehen, er hat dennoch Glück. Schließlich genieße er eine hervorragende Betreuung und liege nicht in einem Heim. Möglich macht ihm dieses Glück seine Ehefrau Simone. Seit 13 Jahren geht das Paar gemeinsam durchs Leben. In dem 45-minütigen Beitrag erzählen die beiden, wie sie sich mit „Herrn Parkinson“ arrangiert haben. Zu sehen ist die Folge „Ottfried Fischer und Herr Parkinson“ am Ostermontag (18.4., 22.00 Uhr) im BR Fernsehen.

Autorin und Regisseurin Manuela Roppert besucht den Kabarettisten und seine Frau in Passau und begleitet das Paar in dessen Alltag – immer dabei: Herr Parkinson. Der kostet die beiden Kraft. „Wenn ich könnte, würde ich mich gegen den Parkinson entscheiden“, sagt Ottfried Fischer. Denn: „Schön ist was Anderes.“ Auseinanderbringen könne die Krankheit sie aber nicht. Im Gegenteil. 2020 haben Ottfried und Simone standesamtlich geheiratet. Auch den kirchlichen Segen soll es noch geben, das hat bislang die Corona-Pandemie verhindert.

Rückkehr ins Haus der Großeltern

Der 68-Jährige sitzt meist im Rollstuhl, das Schreiben fällt ihm zunehmend schwer und für die Stimme nimmt er Gesangsunterricht. 2017 ist er von München nach Passau gezogen, in das Haus, in dem seine Großeltern lebten und in dem er Teile seine Kindheit verbrachte.

Hier fühlt er sich aufgehoben und zu Hause, wie er sagt. Und die Menschen in Passau freuten sich, dass er da sei. Das spürt er bei jedem Wochenmarktbesuch, wenn ihn Passanten erkennen und ansprechen. Bisweilen seien Menschen ihm gegenüber etwas befangen, weil sie nicht wüssten, wie sie mit ihm und der Krankheit umgehen sollen. Dann hilft Fischer mit ein paar humorvollen Sprüchen nach.

Bei einer Fahrt aufs Land besucht er seinen Bruder, der den elterlichen Hof weiterführt. Dass Ottfrieds Talente im unterhalterischen Bereich liegen, sei schon früh aufgefallen. Die Brüder zeigen alte Familienfotos und erinnern sich an eine, wie sie sagen, glückliche Kindheit. Mit einem ehemaligen Schulfreund fährt er in das Internat in Fürstenzell, wo sie mit kabarettistischen Einlagen auf sich aufmerksam gemacht hatten.

Diagnose trennte Spreu vom Weizen

Dass er auf die Bühne wollte statt Jurist zu werden, habe ihm seinem Vater gegenüber lange Zeit ein schlechtes Gewissen bereitet. Denn der hatte sich eine akademische Laufbahn für seinen Filius gewünscht. Umso mehr ist Ottfried Fischer froh, dass der Vater vor seinem Tod noch die ersten Erfolge miterlebt habe.

Die BR-Serie „Irgendwie und Sowieso“ von Regisseur Franz Xaver Bogner sorgte für Fischers Durchbruch. Mitte der 90er Jahre ging es mit „Der Bulle von Tölz“ steil nach oben. Dann kam die Parkinson-Diagnose. Damit habe sich, wie ein langjähriger Weggefährte Fischers sagt, für den Schauspieler die Spreu vom Weizen getrennt – Freundschaften und berufliche Engagements betreffend.

Wenn er wegen des Parkinson einen Durchhänger hat, ist seine Frau Simone zur Stelle. Ohne Liebe wäre das nicht zu schaffen, sagt sie.

(RP/dpa)

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