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Gesundheit & Medizin

Innerhalb von Sekunden wird es dunkel: Arterienverschluss im Auge

Ohne Unfall, ohne Verletzung – ein plötzlicher Sehverlust kann erschreckend sein. Ein Arzt erklärt Ursache, Diagnostik und Behandlung. Von Lorena Simmel

Vor allem ältere Menschen sind vom plötzlichen, schmerzfreien Sehverlust betroffen.
Vor allem ältere Menschen sind vom plötzlichen, schmerzfreien Sehverlust betroffen. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Plötzlich fallen auf einem Auge Teile des Sichtfelds aus oder es wird ganz schwarz. Ohne Vorwarnung. Also ohne Schmerzen, Rötungen oder Verletzungen, etwa durch einen Unfall.

Der plötzliche, schmerzfreie Sehverlust tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Eine Hauptursache dafür seien Durchblutungsstörungen, erklärt Prof. Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde der Uniklinik Freiburg.

„Bei Störungen der Durchblutung kann es zu einem Verschluss der Zentralarterie des Auges kommen“, sagt Reinhard. Die Arterie versorgt die Netzhaut (Retina) mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen. Wenn dieses Gefäß, das das Blut in die Netzhaut führt, sich verschließt, gehe mitunter innerhalb von Sekunden „das Licht aus“. Auf dem betroffenen Auge wird es also fast schlagartig dunkel.

Sofort die Ursache suchen

In manchen Fällen hält der Sehverlust nur für wenige Sekunden an. Danach löst sich der Verschluss im Gefäß. Manchmal passiert das auch nach zehn Minuten oder einer Stunde.

„Wichtig ist, sofort zum Arzt zu gehen und nach der genauen Ursache des Gefäßverschlusses zu suchen“,

sagt der Augenarzt.

Oft sei auch der Hausarzt gefragt, auf die allgemeine Blutgerinnung zu achten, sagt Reinhard. „Oder der Neurologe, der nach dem Blutfluss in der Halsschlagader schauen muss.“ Diese ist für die Blutversorgung des Gehirns und der Augen zuständig.

„Wenn Durchblutungsstörungen zu einem kompletten Sehverlust geführt haben und der Patient zu spät kommt, kann man in der Regel nicht mehr viel für das betroffene Auge tun“,

sagt Reinhard. Eine Behandlung mit gerinnungshemmenden Substanzen (Thrombolyse) mache für das Auge nach heutigem Wissensstand wenig Sinn. „Man hat eigentlich nur Nebenwirkungen, und keinen Nutzen.“

Allerdings könne man die genaue Ursache der Durchblutungsstörung finden und diese bekämpfen, sagt der Augenarzt. So könne in vielen Fällen zumindest das zweite Auge vor Erblindung gerettet werden.

Der Verschluss der Zentralarterie der Netzhaut hat in sehr seltenen Fällen eine entzündliche Ursache: Die Arteriitis temporalis. Das ist eine autoimmunologische Gefäßentzündung, die dazu führt, dass die körpereigene Abwehr den Arterien zusetzt. Auch hier kommt es zu Durchblutungsstörungen. In der Regel haben Betroffene starke Kopfschmerzen und Kauschmerzen, aber keine Schmerzen am Auge. Schlimmstenfalls kommt es in Folge der Entzündung zur Erblindung.

Frühzeitig abklären

Netzhautablösungen und Sehnervenerkrankungen zählen zu den weiteren möglichen Ursachen einer plötzlichen, schmerzfreien Sehverlustes.

Vorbeugen kann man einem Sehverlust, indem man bei Schmerzen immer frühzeitig augenärztlichen Rat einholt. Je nach Symptom werden der Augendruck gemessen, Netzhaut oder Sehnerv untersucht. So können frühzeitig Risikofaktoren für einen möglichen Sehverlust verhindert oder behandelt werden.

Bildgebende Verfahren bei der Diagnostik

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) könne bei der Diagnostik auch der Augen-Ultraschall hilfreich sein. Vor allem, wenn der Einblick ins Augeninnere wegen einer „schlecht erweiterten Blende“ – also in dem Bereich um Pupille und Iris – erschwert ist.

Prof. Frank Tost, Leiter der DEGUM-Sektion Augenheilkunde, weist darauf hin, dass mit modernen Ultraschalltechniken kleinste, rote Blutkörperchen im Auge dargestellt werden können. Somit ermögliche die Sonographie eine weitaus genauere Darstellung als andere bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT).

Ein Vorteil des Ultraschalls sei, dass Patienten das Augen bewegen könnten und so wichtige Zusatzinfos lieferten, sagt Tost. Damit könnten auch verstecktere Bereiche ziemlich genau dargestellt werden. Bei einer CT wäre das Bewegen des Auges indes störend.

(RP/dpa)

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