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Ibis verweigert Paralympics-Sieger wegen Rollstuhls den Zugang

Mehrere Mitarbeiter des Hotels schicken den Rollstuhlfechter Piers Gilliver und seine Freundin trotz eines gebuchten Zimmers weg – und lehnen es ab, den Manager herbeizurufen.

Piers Gilliver und seine Partnerin Valeriia (Foto: Privat)

Der 30-jährige Brite Piers Gilliver gehört zu den weltweit besten Rollstuhlfechtern. Er tritt in den Disziplinen Degen und Säbel an. Soeben ist für ihn eine neue Wettkampfkategorie hinzugekommen: Sich nicht über Hotels und deren Angestellte aufzuregen.

Gilliver, der mit dem Ehlers-Danlos-Syndrom (eine genetische Bindegewebserkrankung) zur Welt kam, gewann 2016 in Rio de Janeiro die Silbermedaille im Einzel-Degen. Vier Jahre später sicherte er sich bei den Spielen in Tokio in derselben Disziplin die Goldmedaille. 2024 in Paris errang er zwei Silbermedaillen im Einzel-Degen und Einzel-Säbel. Im letzteren Wettbewerb verlor er als Favorit kurz vor Mitternacht das Finale mit 8:15 – gegen den Deutschen Maurice Schmidt.

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Auch bei Weltmeisterschaften bewies Gilliver seine Klasse: 2019 und 2023 holte er den WM-Titel im Degen. Zusätzlich gewann er 2022 und 2024 die Europameisterschaft. Für seine herausragenden sportlichen Leistungen wurde ihm 2022 in Großbritannien der Titel „Member of the Order of the British Empire“ (MBE) verliehen – eine Ehrung für Personen, die sich in besonderer Weise um Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Wohltätigkeit, das Militär oder den Sport verdient gemacht haben.

„Sie dürfen nur in Zimmern im Erdgeschoss wohnen“

Warum listet ROLLINGPLANET das alles ausführlich auf? Um zu zeigen, dass einem Menschen mit Behinderung all seine Erfolge und Auszeichnungen wenig helfen, wenn er auf ignorante Menschen trifft. So geschehen, als Piers Gilliver am vergangenen Samstag mit seiner ebenfalls auf den Rollstuhl angewiesenen Freundin Valeriia in einem Ibis-Hotel in Rotherham (Mittelengland) übernachten wollte – ihnen jedoch das ordnungsgemäß reservierte Zimmer verweigert wurde. Mit über 2.000 Hotels in mehr als 60 Ländern gehört Ibis zu den größten Hotelmarken weltweit.

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Gegenüber BBC und Yahoo schilderte Gilliver den Hergang. Über eine App hatte er nach einem günstigen Hotel für das Wochenende recherchiert und das Ibis-Hotel für 60 Pfund (umgerechnet zirka 72 Euro) pro Nacht gebucht. „Wir haben online nach einem Hotel gesucht und dieses hier gefunden, das am nächsten lag und am günstigsten war. Außerdem stand dort, dass es einen Kundenaufzug gibt. Ich habe keine Option gesehen, ein barrierefreies Zimmer zu buchen, also ging ich davon aus, dass diese ausgebucht waren. Aber für uns ist es ganz normal, in einem Standardzimmer zu übernachten.“

Als sie jedoch im Hotel ankamen, erklärten die Mitarbeiter laut Gilliver, dass sie dort nicht übernachten könnten, da keine barrierefreien Zimmer mehr verfügbar seien. „Ich sagte: ‚Das verstehe ich, aber wir sind völlig zufrieden mit einem normalen Zimmer‘“, so der Sportler. Daraufhin soll eine Mitarbeiterin geantwortet haben: „Nun, Sie dürfen hier nicht übernachten. Sie dürfen nur in Zimmern im Erdgeschoss wohnen.“

Gilliver versuchte, die Mitarbeiterin zu überzeugen, aber: „Sie blieb hart und meinte nur: ‚Ich spreche mit einem Manager.‘ Als sie zurückkam, sagte sie wieder: ‚Nein, Sie können hier nicht bleiben. Sie müssen sich ein anderes Hotel suchen.‘ Während ich mit ihr sprach, konnte ich den Aufzug hinter ihr im Flur sehen und sagte: ‚Aber Sie haben doch einen Aufzug.‘“

Manager versteckt sich

Dem Paar wurde mitgeteilt, dass sie aufgrund ihrer Rollstühle nicht in den oberen Etagen übernachten dürften, da dies Probleme mit der Versicherung oder im Brandfall verursachen könnte – eine Ausrede, die vielen Rollstuhlfahrern in unterschiedlichsten Situationen bekannt vorkommen dürfte. Besonders ärgerlich: Gilliver konnte sogar einen Evakuierungsstuhl sehen, zudem sind die Rollstühle von ihm und Valeriia schmal genug, um durch Standardtüren zu passen.

Obwohl Gilliver den Mitarbeitern erklärte, dass er regelmäßig in Hotels mit mehreren Etagen übernachte und keineswegs nur in Erdgeschossen untergebracht sei, wurde das Paar dennoch aufgefordert zu gehen. Die Mitarbeiter weigerten sich zudem, den Manager zu einem direkten Gespräch herbeizurufen. Das Paar musste schließlich ein anderes Hotel finden und bekam das Geld später über die Buchungs-App zurückerstattet. „Wir fühlen uns wirklich wie Bürger zweiter Klasse. Es ist eine absolute Schande, und man wird einfach nur wütend. Es ist ein schreckliches Gefühl, sich völlig wertlos zu fühlen“, sagte Gilliver gegenüber der BBC.

Der Fall sorgte in Großbritannien für Schlagzeilen, weshalb sich Ibis nach den ersten Medienberichten beeilte, eine Erklärung abzugeben: „Wir entschuldigen uns aufrichtig für die Erfahrung, die dieser Gast in unserem Hotel gemacht hat. Dies entspricht in keiner Weise unseren grundlegenden Werten und Erwartungen.“

Gilliver stellte jedoch klar: „Das ist keine einmalige Sache. Das ist etwas, das wir täglich erleben – sei es im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften, Taxis oder Zügen. Es gibt ständig Barrieren, und alles, was wir wollen, ist Gleichberechtigung und die gleiche Kundenerfahrung wie alle anderen.“

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