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Gesundheit & Medizin

Hoffnung für Schlaganfall-Patienten: Neue Kombi-Therapie soll auch Jahre später helfen

US-Forscher entwickeln Vagusnerv-Stimulation, die bisher gängige Rehabilitationsmaßnahmen unterstützt.

Der Vagusnerv ist an der Stimulation nahezu jeden Organs beteiligt.
Der Vagusnerv ist an der Stimulation nahezu jeden Organs beteiligt. (Foto: Shutterstock)

Mit einer neuen Kombi-Therapie wollen Mediziner des Neurorestoration Center der University of Southern California (USA) die Beweglichkeit von Schlaganfall-Patienten besser wiederherstellen. Zusätzlich zu bewährten Therapien setzen sie eine Stimulation des Vagusnervs ein, der als Teil des Parasympathikus an der Funktion fast jedes inneren Organs beteiligt ist. Er verläuft vom Hirnstamm im Kopf über Hals und Brust bis zum Bauchraum. Er ist für die Erholung, Ruhe und Verdauung zuständig.

Therapie auch Jahre später möglich

„Diese Studienergebnisse sind die ersten ihrer Art und eröffnen Schlaganfall-Patienten neue Möglichkeiten, sodass sie auch Jahre nach einem Schlaganfall mehr Bewegungsmöglichkeiten zurückgewinnen können“, sagt Charles Liu, Neurochirurg und Direktor der Einrichtung. Er arbeitete dabei eng mit MicroTransponder aus Austin (Texas) zusammen, das sich auf die Behandlung von Schlaganfall-Patienten spezialisiert hat.

In der klinischen Studie erhielten 53 Teilnehmer mit mittelschwerer bis schwerer Behinderung der Armbewegungen neun Monate bis zehn Jahre nach dem Schlaganfall eine Rehabilitation zusammen mit einer Stimulation des Vagusnervs. 55 Patienten mit denselben Parametern erhielten eine Scheinstimulation. Nach der Behandlung konnten die Patienten, die die Kombitherapie bekommen hatten, den Angaben zufolge ihre Arme weitaus besser und kontrollierter bewegen als jene, die allein auf die Reha angewiesen waren.

Draht im Hals stimuliert den Nerv

Um den Nerv zu stimulieren, wurde den Patienten ein Draht in den Hals eingeführt, der sich um den Nerv legte. Medizintechniker verbanden den Draht mit einem Impulsgenerator, der in die Brust eingepflanzt wurde. Das geschah auch mit den Patienten, die die neue Therapie nur zum Schein bekamen. Nach dem Eingriff erhielten alle Patienten eine sechswöchige klinische Therapie, die Aufgaben wie das Greifen von Gegenständen wie dem Besteck zum Essen sowie das Öffnen und Schließen von Behältern umfasste. Danach setzten die Patienten die Behandlung täglich daheim fort.

Verfahren bereits für Epilepsie eingesetzt

Die Mediziner vermuten, dass die Stimulierung Neuromodulatoren auslöst, die die Reaktionen regulieren, um die mit Bewegung verbundenen motorischen Schaltkreise im Gehirn zu stärken und es dem Denkorgan zu ermöglichen, Aufgaben neu zu lernen. Das Verfahren wird schon zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt. Der Schlaganfall zählt zusammen mit Herz- und Krebserkrankungen zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland und ist die häufigste Ursache für bleibende Behinderung im Erwachsenenalter, so das Robert-Koch Institut. Jährlich gibt es 200.000 neue Fälle, dazu kommen noch 66.000 Schlaganfälle bei Personen, die bereits mindestens eine Erkrankung dieser Art hinter sich haben.

(RP/pte)

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