Am 4. und 5. Juli 2025 wurde das DAV-Kletterzentrum Augsburg zum Zentrum des inklusiven Klettersports: Erstmals fand dort eine offizielle offene Deutsche Meisterschaft im Paraclimbing statt – ein bedeutender Meilenstein für den Leistungssport von Menschen mit Behinderung. Über 50 Athletinnen und Athleten aus dem In- und Ausland traten in insgesamt zwölf Startklassen an. In acht davon konnten nationale Meistertitel vergeben werden, sofern mindestens zwei deutsche Teilnehmer*innen vertreten waren.
Die Deutsche Meisterschaft orientierte sich am internationalen Weltcup-Modus: In bis zu vier Qualifikationsrouten und drei Finalrouten traten die Athlet*innen in den Kategorien „B“ (Sehbehinderung), „AL“ (Beinamputation), „AU“ (Armamputation) und „RP“ (neurologische Beeinträchtigungen) an – jeweils mit Differenzierung nach dem Grad der Beeinträchtigung (1–3). Zusätzlich gab es eine Offene Wertungsklasse („Open Class“) für Personen ohne gültige Klassifizierung. Geklettert wurde mit Toprope-Sicherung, die Finalrouten im anspruchsvollen Onsight-Modus.
Die Titelträger*innen der Premiere
Damen
Corinna Wimmer (AU2w), Charlotte Faist (RP1w), Laura Nesciobelli (RP3w)
Herren
Dimitar Yonchev (B2m), Kevin Bartke (AU2m), Aldrik Bethke (AU3m), Korbinian Frank (RP1m), Philipp Hrozek (RP2m)
Trotz großer Hitze verlief der Wettkampf reibungslos. Der Routenbau wurde als herausragend gelobt, und das hochklassige Teilnehmerfeld übertraf die Erwartungen des Bundestrainers Christoph Reichert, der die Veranstaltung als „großartigen Auftakt“ in Richtung Weltmeisterschaft bezeichnete. Auch der Blick auf die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles spielte eine Rolle: Paraclimbing wird dort erstmals Teil des offiziellen Programms sein. Mit Kevin Bartke (AU2) und Korbinian Frank (RP1) stehen zwei deutsche Athleten bereits im erweiterten Paralympics-Kader.
Auf dem Weg zu mehr Inklusion im Klettersport
Die Deutsche Meisterschaft war mehr als ein Sportereignis: Sie setzte ein starkes Zeichen für Barrierefreiheit und Teilhabe im Leistungssport und brachte das inklusive Klettern stärker in die öffentliche Wahrnehmung. Als verbindliche Wettbewerbsebene motiviert sie nicht nur Athlet*innen, sondern auch Vereine und Verbände, inklusive Strukturen zu schaffen und weiterzuentwickeln.
Der Deutsche Alpenverein (DAV) engagiert sich bereits seit Jahren im Paraclimbing: In vielen Sektionen gibt es inklusive Klettergruppen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Über 80 speziell ausgebildete Trainer*innen sind deutschlandweit aktiv, und mit der barrierefreien Kletterhalle in Bad Aibling existiert ein bundesweites Vorbildprojekt. Dieses breite Fundament sorgt dafür, dass Paraclimbing nicht nur im Spitzensport, sondern auch im Alltag mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz erhält.
Verglichen mit anderen paralympischen Sportarten wie Leichtathletik oder Schwimmen befindet sich Paraclimbing zwar noch in einer Wachstumsphase – doch die Integration in offizielle Meisterschaften, die differenzierte Klassifizierung und der hohe Organisationsstandard zeigen, wie stark sich der Sport entwickelt hat.
Perspektive: Wachstum, Förderung, Öffentlichkeit
Mit der Meisterschaft in Augsburg wurde nicht nur sportlich ein neues Kapitel aufgeschlagen – auch politisch und gesellschaftlich ist sie ein Impulsgeber. Der DAV plant gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS), die Förderstrukturen weiter auszubauen. Ab dem kommenden Jahr soll es offizielle Sporthilfeförderung über Bundesmittel geben, um die Leistungen der Athlet*innen gezielt zu unterstützen. Gleichzeitig nimmt die öffentliche Sichtbarkeit zu – etwa durch Livestreams, Medienberichte und die wachsende Präsenz bei internationalen Wettbewerben.
(RP)
zur startseite




