ANZEIGE
ANZEIGE

Hier starb Jeanne d’Arc: Warum Rouen trotz Kopfsteinpflasters unbedingt einen Besuch wert ist

Ab Freitag, 24. Januar 2025, verwandelt sich die majestätische Kathedrale der Stadt dank der Lichtshow Luminiscence in bunte Farbwelten. Anlass für ROLLINGPLANET, die normannische Hauptstadt als Ziel für einen Städtetrip zu empfehlen.

Das Wahrzeichen von Rouen: die für seine Türme berühmte Kathedrale, hier die Westfassade. (Foto: Shutterstock)

Zunächst einmal: Für Rollstuhlfahrer ist Rouen aufgrund seines häufigen Kopfsteinpflasters – insbesondere in der Altstadt – sicherlich nicht gerade ein Paradies. Diese Einschränkung gilt jedoch für viele historisch geprägte Orte. Dennoch lohnt sich ein Besuch in Rouen für alle Kunst- und Geschichtsinteressierten auf jeden Fall. Und es gibt auch einen aktuellen Anlass für unseren Reisetipp: Die Show „Luminiscence“ kommt nach Rouen. Dazu gleich mehr (siehe Info-Kasten unten).

Die historische Hauptstadt der Normandie in Frankreich beeindruckt mit ihrer reichen Geschichte und ihrem kulturellen Erbe. Malerisch am Ufer der Seine gelegen, ist sie bekannt für ihre gut erhaltene mittelalterliche Architektur, herausragende Kunstwerke und ihre bedeutende Rolle in der französischen Vergangenheit.

ANZEIGE



Im Mittelalter zählte Rouen (heute 116.000 Einwohner) zu den bedeutendsten Städten Frankreichs. Als Hauptstadt des Herzogtums Normandie war die Stadt Schauplatz zahlreicher historischer Ereignisse. Besonders bekannt ist Rouen als der Ort, an dem Jeanne d’Arc, auch als „Jungfrau von Orléans“ bekannt, 1431 verurteilt und vermutlich im Alter von 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Mehrere Denkmäler und Museen erinnern an die französische Nationalheldin und Heilige der katholischen Kirche, die im 15. Jahrhundert eine bedeutende Rolle im Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England spielte.

Die Stadt liegt etwa 130 Kilometer nordwestlich von Paris und ist leicht mit dem Zug oder Auto erreichbar. Sie eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Normandie, einschließlich des Mont-Saint-Michel und der Alabasterküste. Ein Spaziergang durch Rouen ist wie eine Reise durch die Geschichte, voller Charme und unvergleichlicher Schönheit.

ANZEIGE

Das sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Attraktionen:

1. Kathedrale von Rouen (Cathédrale Notre-Dame)

Die gotische Kathedrale ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Sie inspirierte den Maler Claude Monet, der eine berühmte Serie von Gemälden schuf, die die Kathedrale zu verschiedenen Tageszeiten zeigen. Der filigrane Turm ist der höchste Kirchturm Frankreichs.

Die Kathedrale Notre Dame von Rouen, erbaut auf den Grundfesten einer Basilika aus dem 4. Jahrhundert, gilt als Glanzstück gotischer Baukunst, was sich besonders im 151 Meter hohen Tour de Beurre – dem Butterturm – zeigt, der das Gotteshaus von 1876 bis 1880 zum höchsten Bauwerk der Welt machte. Ihre Erbauung zog sich ab dem 12. Jahrhundert über mehrere hundert Jahre hinweg. Im Laufe der Geschichte wurde die Kathedrale in mehreren Kriegen stark beschädigt, unter anderem auch während der Bombardements im Zweiten Weltkrieg. In ihrem Innern finden sich die Grabmäler berühmter historischer Persönlichkeiten, darunter Richard Löwenherz.

Das bekannteste Denkmal der normannischen Hauptstadt ist für Menschen mit Behinderung zugänglich, jedoch im Inneren nicht vollständig barrierefrei. Sein ebenerdiger Eingang auf dem Vorplatz ermöglicht es Personen mit eingeschränkter Mobilität, das gesamte Erdgeschoss des Gebäudes zu besichtigen. Eine Dokumentation in Braille- und Großschrift, ein taktiles Modell sowie die Erlaubnis für Blindenhunde lassen Menschen mit Sehbehinderung den Ort erkunden. Die Dokumentation, die die Kathedrale vorstellt, und die Magnetschleife sind für Besucher mit einer Hörbehinderung verfügbar.

2. Historial Jeanne d’Arc

Das Historial Jeanne d’Arc befindet sich im Bischofspalast, direkt neben der Kathedrale.

Der Begriff „Historial“ unterscheidet sich vom klassischen Begriff eines Museums. Während ein Museum in der Regel eine Sammlung von Objekten oder Artefakten präsentiert, bietet ein Historial eine interaktive und narrative Darstellung historischer Ereignisse. Es geht dabei weniger um das Ausstellen von physischen Exponaten, sondern mehr um das Erzählen und Erleben von Geschichte durch multimediale Technologien, interaktive Räume und visuelle Installationen.

So ist auch das Historial Jeanne d’Arc kein traditionelles Museum, sondern eine Mischung aus Erlebnisausstellung und Geschichtsvermittlung. Es ist der größte Ort, der dem Gedenken an die Jungfrau gewidmet ist. Sein ebenerdiger Eingang, behindertengerechte Sanitäranlagen und ein Aufzug ermöglichen Menschen mit eingeschränkter Mobilität den Besuch auf mehreren Ebenen. Blindenführ- und Assistenzhunde sind erlaubt. Die Zugänglichkeit wird durch Tablets in französischer Gebärdensprache (am Empfang anzufordern, es wird empfohlen, in Begleitung zu sein, um Erklärungen zur Funktionsweise zu erhalten) und magnetische Schleifen für Menschen mit Hörbehinderungen ergänzt. Das Tourismusbüro weist darauf hin: „Bitte beachten Sie, dass ein dunkler Raum (die Krypta) und die Projektion von Scheiterhaufenflammen für Menschen mit geistiger Behinderung angstauslösend sein können.“

3. Gros-Horloge

Diese prächtige astronomische Uhr aus dem 14. Jahrhundert ist eines der ältesten funktionierenden Uhrwerke in Europa. Sie befindet sich in einem malerischen Uhrenturm und ist ein beliebtes Fotomotiv.

Der Uhrturm selbst ist aufgrund seiner historischen Struktur nicht barrierefrei, aber die Fußgängerzone drumherum ist gut zugänglich. Immerhin: Die Uhr lässt sich von außen hervorragend bewundern, was für Rollstuhlfahrer natürlich nur ein kleiner Trost ist.

Bunte Häuser, dazwischen die Uhr
Blick auf farbenfrohe Häuser und die astronomische Uhr (Foto: Shutterstock)

4. Place du Vieux-Marché

Auf diesem historischen Marktplatz wurde Jeanne d’Arc hingerichtet. Heute steht hier eine moderne Kirche, die ihr gewidmet ist, mit beeindruckenden Buntglasfenstern. Der Marktplatz ist ebenerdig und gut für Rollstuhlfahrer zugänglich. Es gibt Cafés mit Außenbereichen, die ebenfalls barrierefrei sind.

5. Musée des Beaux-Arts

Das Kunstmuseum von Rouen beherbergt eine beeindruckende Sammlung von Werken, darunter Gemälde von Monet, Delacroix und Rubens. Dieses Kunstmuseum ist weitgehend barrierefrei. Es gibt einen Aufzug, und Rollstühle können kostenlos ausgeliehen werden. Die Mitarbeiter sind geschult und helfen gerne bei Fragen.

6. Fachwerkhäuser und Gassen

Die Altstadt von Rouen ist geprägt von charmanten Fachwerkhäusern und engen Gassen, die ein einzigartiges mittelalterliches Flair vermitteln.

7. Seine-Uferpromenade

Die Promenade entlang der Seine ist modern gestaltet und größtenteils barrierefrei. Sie bietet eine schöne Möglichkeit für Spaziergänge, auch mit dem Rollstuhl.

8. Sonstiges

Rouen ist zudem bekannt für seine kulturelle Vielfalt und sein reiches Angebot an Theatern, Museen und Veranstaltungen. Die regionale Küche spiegelt die normannischen Traditionen wider und bietet Köstlichkeiten wie Camembert, Cidre, Austern und das berühmte Dessert Tarte Tatin.

Cidre ist ein französischer Apfelwein, der aus fermentiertem Apfelsaft hergestellt wird. Er stammt traditionell aus Regionen wie der Normandie und der Bretagne. Das Getränk ist leicht alkoholisch (meist 2–6 % Vol.) und wird in verschiedenen Süßegraden angeboten: Doux (süß, mit einem geringeren Alkoholgehalt), demi-sec (halbtrocken) und brut (trocken, mit intensiverem Apfelgeschmack). Cidre wird häufig als Aperitif oder als Begleitung zu Mahlzeiten serviert und traditionell in flachen Tonbechern (Bolées) getrunken.

Tarte Tatin ist eine Art „umgedrehter“ Apfelkuchen. Das klassische französische Dessert besteht aus karamellisierten Äpfeln, die in einer Pfanne mit Zucker und Butter gebacken und anschließend mit Teig bedeckt werden. Nach dem Backen wird die Tarte gestürzt, sodass die karamellisierten Äpfel oben liegen. Tarte Tatin wird oft warm mit einem Klecks Crème fraîche oder einer Kugel Vanilleeis serviert. Die Legende besagt, dass dieses Dessert durch einen Zufall im Hotel Tatin – daher der Name des Kuchens – entstand, als eine der Schwestern Tatin die Tarte versehentlich verkehrt herum gebacken hat…

Touristische Hinweise für Menschen mit Behinderung finden sich auf der Webseite des Tourismusbüros: hier und hier.

Aktueller Tipp: Luminiscence

Innenaufnahme der beleuchteten Kathedrale

Die Lichtinstallation „Morgenstimmung“

ist Teil der Lichter-Show in der Kathedrale von Rouen ab 24. Januar 2025 (Foto: Luminescence)

In anderem Licht gehaltene Beleuchtung

Thema Geometrische Schönheit

(Foto: Luminescence)

Nachdem Luminiscence bereits mehr als 300.000 Zuschauer in ganz Frankreich begeistert hat, kommt die immersive 360°-Show nun auch nach Rouen, um den ganzen Winter über ein neues Erlebnis zu bieten und die Kathedrale in bunte Farbwelten zu verwandeln. (In unserer Rubrik COOL ZU WISSEN erklären wir den Begriff „immersiv“.)

Die Kathedrale von Rouen im Zusammenspiel mit Licht und Farben? Ein Konzept, das schon vor über 100 Jahren faszinierte. Zwischen 1892 und 1894 verewigte Claude Monet die sich über den Tag und je nach Jahreszeit verändernden Lichtspiele auf ihrer Fassade in einer Serie aus 33 Gemälden, die zu seinen bekanntesten Werken zählt. Was der Künstler damals außen an der Kathedrale festhielt, bringt die Show Luminiscence nun in ihr Inneres: Ab Freitag, 24. Januar, bis Ende April erwartet Besucherinnen und Besucher von mittwochs bis samstags zwei bis drei Mal pro Abend eine 360 Grad-Videoprojektion mit Live-Musik-Begleitung. Eindrucksvoller kann man kaum in die Geschichte der Kathedrale und der Region Normandie eintauchen.

Farbenfrohe Zeitreise durch die Geschichte der Region Normandie

Eine Stunde lang erleuchtet Luminiscene jeden Stein des gotischen Bauwerks und nimmt die Gäste mit auf eine Reise für Augen und Ohren. Der erste Teil des Programms beginnt bei Kerzenschein. Begleitet von Rouens besten Chören – Vox Noctis, Maîtrise de Saint-Évode und der Chœur de la Chambre de Rouen – lassen erste Lichtspiele die Kathedrale und ihre Statuen langsam zum Leben erwachen.

Im zweiten Teil zeichnet Luminiscence die Geschichte der Kirche, der Stadt Rouen sowie der gesamten Region Normandie nach: von den ersten Christen im römischen Zeitalter über die architektonische Extravaganz der gotischen Epoche bis in die Gegenwart. Das bunte Lichtspektakel erzählt von Krieg, Frieden und Hoffnung, von Kunst, kulturellem Erbe und der Suche nach der Schönheit. Ab Freitag, 21. Februar, begleitet freitags- und samstagsabends zudem ein Orchester unter der Leitung von Pierre-Alexis Touzeau die Show mit Neuinterpretationen klassischer und religiöser Meisterwerke.

Luminiscence soll nicht nur unterhalten. Seit 2023 ist die Show bereits an mehreren Orten in Frankreich zu sehen gewesen – immer abgestimmt auf die Region, ihre Geschichte und Kultur und das jeweilige emblematische Bauwerk. Ziel ist es dabei, kulturelles und architektonisches Erbe im buchstäblichen und übertragenden Sinne zu beleuchten. Die moderne 3D-Videoprojektion schafft es, auch die kleinsten Details der Kirchenarchitektur herauszuarbeiten und den Zuschauerinnen und Zuschauern die historische Baukunst vor Augen zu führen. Um diese auch in Zukunft zu erhalten, spenden die Veranstalter Teile der Ticketeinnahmen für die Restaurierung historischer Gebäude.

Es wird dringend empfohlen, sich vorab einen Platz zu reservieren. Eintrittskarten für Luminiscene sind auf der englischen Website der Show erhältlich, die Preise beginnen ab 19 Euro.

Gerne benachrichtigen wir Sie, wenn auf ROLLINGPLANET ein neuer Beitrag zum Thema URLAUB, REISE & AUSLAND erscheint. Tragen sie einfach ihre e-mail-adresse ein.

Sie erhalten anschließend einen Link, um den Benachrichtigungsservice zu bestätigen.

Sie möchten ein anderes Thema abonnieren? KLICKEN SIE HIER.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert