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Heiner Brand wird 70: „Es gab auch Schattenseiten“

Er war der erste Handballer, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde. Mit seinen Erfolgen im Verein und mit der DHB-Auswahl erlangte er Legendenstatus. Das schlimmste Erlebnis seines Lebens war der schwere Unfall eines Teamkameraden. Von Eric Dobias

Heiner Brand
Die Handballlegende Heiner Brand feiert heute seinen 70. Geburtstag im engsten Familienkreis. (Foto: Marius Becker/dpa)

Den Gedanken an eine große Party zum 70. Geburtstag hat Handball-Legende Heiner Brand schnell verworfen – allerdings nicht wegen der Corona-Pandemie. „Meinen 50. habe ich mit rund 250 Gästen gefeiert. Da fragt man sich hinterher: mit wem hast du eigentlich gesprochen? In solch einem großen Rahmen ist das leider etwas oberflächlich“, erzählte Brand in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. Und so feiert der Jubilar heute „nur im engsten Familienkreis mit meiner Frau, meinen Kindern und den Enkelkindern. Da hat man am meisten davon“, sagte Brand.

Anlässlich seines Ehrentages blickt er „mit großer Zufriedenheit“ auf sein bisheriges Leben. „Meine Ehe existiert schon 47 Jahre, auch mit den Kindern läuft alles gut. Und sportlich habe ich mehr erreicht, als ich je zu träumen gewagt hätte. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Dass sich das so entwickelt hat, ist wunderschön“, resümierte Brand.

Alles im Handball erreicht

Mit seinem Herzensverein VfL Gummersbach, für den er 27 Jahre lang spielte, wurde er sechsmal deutscher Meister, viermal DHB-Pokalsieger und fünfmal Europacupsieger. Doch das wird überstrahlt von den WM-Triumphen mit der DHB-Auswahl.

„Alle Siege waren schön. Aber die beiden WM-Titel bleiben sicherlich am meisten in Erinnerung. 1978 als Spieler – das war eine große Überraschung. Und 2007 bei einer unglaublichen Atmosphäre die Weltmeisterschaft im eigenen Land zu gewinnen, war außergewöhnlich“,

sagte Brand. Weitere Highlights als Bundestrainer waren der EM-Titel 2004, Olympia-Silber im gleichen Jahr sowie Platz zwei bei der WM 2003 und EM 2002.

Kein Wunder, dass der einstige Kreisläufer immer noch ein gefragter Mann ist. Beim Pay-TV-Sender Sky ist er seit Jahren als Experte im Einsatz, darüber hinaus hält er bei Unternehmen Vorträge über Teambildung, Führung und Motivation. Hinzu kommen Auftritte als Botschafter von gemeinnützigen Organisationen wie dem Deutschen Kinderhospizverein.

Brand trifft verunglückten Teamkollegen wöchentlich

In seiner Freizeit liest er viel – vor allem Krimis – und ist sportlich aktiv, „ob ich nun Fahrrad fahre, Golf spiele oder ins Fitness-Training gehe. Daher ist es nie langweilig.“ Und dann ist da noch sein ehemaliger Mitspieler und langjähriger Freund Joachim Deckarm, um den er sich intensiv kümmert. „Ich besuche ihn mindestens einmal in der Woche. Die Stunde, die wir dann miteinander verbringen, tut ihm gut. Wir würfeln, reden, haben Freude“, berichtete Brand.

Joachim Deckarm

Handballer Joachim Deckarm verunglückte 1979 bei einem Spiel in Ungarn schwer. (Foto: Armin Kübelbeck, CC-BY-SA, Wikimedia Commons)

Deckarms Unfall am 30. März 1979 im Europacupspiel des VfL Gummersbach beim ungarischen Club Tatabanya, nach dem der damals 25-Jährige 131 Tage im Koma lag und fortan im Rollstuhl saß, bezeichnet Brand als das schlimmste Erlebnis, das er je hatte.

„Mich hat es dazu gebracht, das Leben schon in jungen Jahren aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dass der Sport nicht alles ist. Wie unwichtig ein sportlicher Erfolg ist, weil andere Dinge viel wichtiger sind. Dass sich das Leben von einer Sekunde auf die andere ändern kann“,

berichtete er.

Auch sportlich gab es Schattenseiten. „Am meisten wehgetan hat der Boykott der Olympischen Spiele 1980, weil wir da mit großen Medaillenhoffnungen hingefahren wären“, sagte Brand im Rückblick.

Doch die Glücksgefühle zum Jubiläum überwiegen. „Ich fühle mich gut, auch von der Seele her. Natürlich habe ich ein paar Wehwehchen, aber die waren schon eine Woche nach meinem Abschiedsspiel da. Das ist nichts, was mich beeinträchtigt“, berichtete er. Dennoch will Brand künftig etwas kürzertreten: „Ich habe insgesamt mehr Distanz zum Handball und muss nicht mehr über alles mitreden. Mit 70 Jahren muss man nicht mehr immer in der vordersten Reihe stehen.“

(RP/dpa)

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