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Handicap-Passion: BDSM oder Tantra? SMantra!

Tantra und BDSM haben einiges gemeinsam. Betrachten wir beides für sich, sehen wir schnell die Ähnlichkeiten. Von ROLLINGPLANET-Kolumnist Chris

Kolumne Chris Smantra
Chris mit Deva Bhusha beim SMantra! (Foto: privat)
Unsere Kolumnisten schreiben unabhängig von ROLLINGPLANET. Ihre Meinung kann, muss aber nicht die der Redaktion sein.

Kann man BDSM und Tantra zueinander führen? Diese Frage stelle ich mir, seitdem ich meine ersten Erfahrungen im Tantra machen durfte. Ich war immer davon überzeugt, doch eine reine Überzeugung reicht nicht aus, denn es benötigt auch immer eine Idee, um eine Überzeugung umsetzen zu können.

Genau an dieser Idee mangelte es mir leider ein wenig. Es war nicht so, dass ich es nicht versucht hätte, es wollte nur nie so wirklich funktionieren. Zwischenzeitlich hatte ich schon den Gedanken, beides weiter zu praktizieren – allerdings nur noch strikt voneinander getrennt. Aufgeben ist allerdings etwas, was mir grundsätzlich missfällt, deshalb musste ich eine Lösung finden.

Die Lösung kam über einen seltsamen Umweg, nämlich über eine E-mail, die mir einer meiner Leser schickte, in der es um Bondage und Sexualassistenz ging. Ich will hier nicht ins Detail gehen, allerdings führte mich diese Mail auf die Website von Deva Bhusha und hier fand ich meine Antwort: SMantra!

Was ist SMantra?

Tantra und BDSM haben einiges gemeinsam. Betrachten wir beides für sich, sehen wir schnell die Ähnlichkeiten. Beides rückt die Begegnung in den Rahmen eines Rituals. Beides bedient sich einer klaren Rollenverteilung, wodurch ein sicherer Raum entsteht. Das schafft die nötige Achtsamkeit und Präsenz. Deva beschreibt SMantra auf ihrer Website übrigens wie folgt:

„… eine Verbindung aus klassischer Tantramassage und Elementen aus der Welt des BDSM, wie sanfte Dominanz, ein wenig Spanking, Bondage und Sinnesentzug auf achtsame, liebevolle Weise.“

Welche Spielarten auch immer ihr in SMantra einbaut, ist natürlich eure Sache. Es darf auch gerne ein bisschen mehr sein, Achtsamkeit und Hingabe zum Gegenüber stehen dabei aber immer im Vordergrund.

Von der E-Mail zum Hausbesuch

Zunächst möchte ich mal erwähnen, dass ich derartige Dinge eigentlich gerne in einem Hotel oder in den Räumlichkeiten der Sexworker*in mache. Da es zu diesem Zeitpunkt allerdings schwierig zu organisieren gewesen wäre, stellte sich der Hausbesuch als die perfekte Lösung heraus. Aber der Reihe nach…

Nachdem ich das Angebot auf Devas Website entdeckt hatte, schickte ich ihr eine Anfrage per Mail und innerhalb weniger E-Mails standen Ort und Zeit fest. Am vereinbarten Tag bereitete ich die Räumlichkeiten etwas vor, zumindest soweit meine Vorstellungskraft es zuließ, denn einen wirklichen Plan vom Ablauf des Abends hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich funktionierte meine Schlafcouch zur Spielwiese um, legte einen wasserfesten Matratzenschutz darüber, legte Handtücher bereit, für den Fall der Fälle noch die eigene Spielzeugsammlung, überprüfte alles, warf mich in meinen Kimono und überprüfte alles noch einmal. Schließlich klingelte es dann fast schon überpünktlich an der Tür. Wir besprachen noch einmal die Einzelheiten, also die Einführung in das Thema und eine Inspiration zum Thema Bondage, bevor wir mit musikalischer Untermalung durch tantrische Klänge in das Experiment SMantra (zumindest für mich) starteten.

An dieser Stelle möchte ich euch nur nochmal bestätigen, dass die passende musikalische Begleitung durchaus einen Unterschied machen kann, der nicht zu vernachlässigen ist.

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Eine fesselnde Erfahrung

Da es in meinem Zimmer leider immer an Befestigungsmöglichkeiten fehlt (nicht mehr lange) beschränkten wir uns auf Kompakt-Bondage, wofür wir Juteseile benutzten. Die Erfahrung von Deva war dabei in jeder Sekunde spürbar, jeder Zug am Seil, jeder Knoten, jeder Schlag mit der Peitsche und jede Berührung jagte mir wohlige Schauer über den Rücken. Über all dem schwebte ständig die Achtsamkeit des Tantra, gepaart mit der Verspieltheit des BDSM.

Als wir uns dem Ende der zwei Stunden näherten, lagen wir nebeneinander und redeten. Wir tauschten uns aus und sprachen über viele Dinge, unter anderem über die fehlenden Befestigungsmöglichkeiten und welche Möglichkeiten es gäbe, dies zu ändern. Zum Schluss bezahlte ich für zwei Stunden, die jeden Cent wert waren, einen sehr moderaten Preis.

Von meiner Seite aus besteht hier absolute Wiederholungsgefahr.

Zum Thema Sexwork noch Folgendes

Falls euch das Thema Sexualassistenz interessiert und ihr mit dem Gedanken spielt, es auszuprobieren, gebe ich euch hier ein paar Tipps für die Kontaktaufnahme, um die ganze Sache respektvoll rüberzubringen. Zum Beispiel ist es wichtig, sein Begehren klar zu formulieren, sodass dein Gegenüber dann auch professionell darauf reagieren kann. Des Weiteren solltet ihr einen respektvollen Ton anschlagen, ein Sexworker oder eine Sexworkerin ist keine Ware, sondern ein Mensch. Sexualassistenz sollte außerdem immer ergebnisoffen betrachtet werden.

Chris (31) ist ein Münchner Kindl und lebt in der „Weltstadt mit Herz“. Seine Krankheit trägt den Namen SMA (Spinale Muskelatrophie) Typ 2. Chris ist Transmensch und pansexuell und schreibt bevorzugt über die Themen Dating, Liebe, Sex, BDSM oder Tantra. sexabled.de

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