Ein Instagram-Werbevideo der Irle Brauerei aus Siegen hat Empörung ausgelöst. In dem Clip, der am Montag online ging, ist ein kleinwüchsiger Mann bei einer Übung im Fitnessstudio zu sehen, bei der er mit schweren Seilen trainiert. Nach einem abrupten Schnitt kündigt der Eigentümer und Geschäftsführer der Brauerei, Jens Bombosch, eine Veranstaltung an, während dabei seine Schnürsenkel bewegt werden. In der Beitragsbeschreibung bezeichnet sich Bombosch selbst als „Riese“. Am Ende des Videos ruft er: „Hör auf mit der Scheiße“ und zieht seinen Fuß weg, woraufhin das Bild zurück zum Sportler schneidet, der zu Boden fällt. Auf so ein Werbeskript muss man erst mal kommen – aber vielleicht hat Bombosch ja einfach nur zu viel Luke Mockridge angehört.
Die Darstellung wurde von Behindertenverbänden als entwürdigend kritisiert und als Rückfall in Zeiten des Jahrmarktvoyeurismus bezeichnet. Der Bundesselbsthilfeverband Kleinwüchsiger Menschen (VKM) äußerte sich empört über die Darstellung und betonte, dass Kleinwuchs eine anerkannte Schwerbehinderung sei. Auch das Antidiskriminierungsbüro des Vereins für soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen (VAKS) kritisierte das Video scharf und wies darauf hin, dass solche Darstellungen bestehende Vorurteile festigen und die gesellschaftliche Inklusion von Menschen mit Behinderung erschweren können. Zuerst berichtete darüber die Siegener Zeitung.
Die Irle Brauerei reagierte zunächst nicht auf die Kritik. Erst nachdem sich auch die Behindertenbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, Claudia Middendorf, zu Wort meldete, wurde das Video von der Plattform entfernt. In ihrer Reaktion kritisierte Middendorf die Darstellung im Video scharf und betonte die Notwendigkeit eines respektvollen Umgangs mit Menschen mit Behinderung in der öffentlichen Kommunikation. Sie forderte die Brauerei auf, Verantwortung zu übernehmen und sicherzustellen, dass solche Inhalte in Zukunft vermieden werden.
Die üblichen Entschuldigungen nach einem Shitstorm
In einer Stellungnahme betonte die Brauerei, dass es nicht ihre Absicht gewesen sei, jemanden zu diskriminieren oder zu verletzen. Sie kündigte an, ihre internen Prozesse zu überprüfen und in Zukunft sensibler mit solchen Themen umzugehen. Die Irle Brauerei reagierte auf die wachsende Kritik, indem sie das betreffende Video von ihrer Instagram-Seite entfernte und ankündigte, ihre internen Prozesse zu überprüfen. In einer Stellungnahme betonte die Brauerei, dass es nicht ihre Absicht gewesen sei, jemanden zu diskriminieren oder zu verletzen. Sie kündigte an, in Zukunft sensibler mit solchen Themen umzugehen.
„An diejenigen, die negative Gefühle mit diesem Video verbinden: Das war nicht unsere Absicht. Dafür möchte ich mich ganz herzlich entschuldigen“, sagt Bombosch, der jedoch betont, die Instagram-Community habe das Video „zu 95 Prozent richtig verstanden“, wie er – aus welchen Gründen auch immer – glaubt.
Und das Beunruhigende daran, spekuliert ROLLINGPLANET: Vielleicht hat Bombosch ja recht – und der Großteil der Menschen findet Witze über behinderte Menschen tatsächlich völlig in Ordnung, obwohl sich unter dem ursprünglichen Post etliche kritische Stimmen finden.
Laut Bundesverband Kleinwüchsiger Menschen und ihre Familien (BKMF) beginnt die Körperlänge kleinwüchsiger Menschen bei etwa 80 Zentimetern und endet bei 140 Zentimetern. In Deutschland geltenetwa 100.000 Menschen als kleinwüchsig.
(RP)
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