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Gesellschaft & Politik

Engagement in Zeiten von Corona: Bundesteilhabepreis 2021 verliehen

Der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, würdigte drei Projekte zu Unterstützung, Assistenz und Pflege, die auch während der Pandemie eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Hubertus Heil trägt eine rote Maske, auf der klein „SPD“ aufgedruckt ist.
Archivfoto vom September (ein aktuelles Foto des Ministers finden Sie unten im Video): Hubertus Heil (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, hat gestern zum dritten Mal den Bundesteilhabepreis verliehen. Der Bundesteilhabepreis prämiert einmal im Jahr Projekte, die das große Potenzial eines inklusiven, barrierefreien Sozialraums zeigen und die damit bundesweit als Vorbild dienen können, wenn es um die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse geht.

Der diesjährige Wettbewerb stand unter dem Motto „Unterstützung, Assistenz, Pflege – gesellschaftliche Teilhabe auch in Corona-Zeiten“ und ist mit insgesamt 17.500 Euro dotiert. Aufgrund der Corona-Pandemie fand keine Präsenzveranstaltung statt. Es gab eine Videobotschaft des Ministers und einen Kurzfilm über die Preisträgerinnen und Preisträger.

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Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales:

„Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben alle Menschen und alle müssen es auch verwirklichen können. Das gilt für die Teilhabe in allen Bereichen, z. B. für Wohnen, Bildung und Arbeit. Mit dem Bundesteilhabepreis 2021 werden vorbildliche Projekte ausgezeichnet, die eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und auch auf Ausnahmesituationen wie die Corona-Pandemie reagiert haben. Diese Projekte werden ausgezeichnet, um sie sichtbarer zu machen, damit sie Nachahmerinnen und Nachahmer finden. Ich wünsche mir, dass diese guten Ideen auch von anderen aufgegriffen werden und das Engagement der Projektträger auch über diesen Preis hinaus wertgeschätzt wird.“

Insgesamt gab es für den Bundesteilhabepreis 88 Bewerbungen. Eine Jury, bestehend aus zwölf Expertinnen und Experten der Verbände von Menschen mit Behinderungen sowie aus den Kommunen und den Ländern, hat die Preisträger weisungsfrei und anonymisiert ausgewählt. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit setzte das Wettbewerbsverfahren im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales um.

Dr. Volker Sieger, Leiter der Bundesfachstelle Barrierefreiheit:

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„Menschen mit Behinderungen brauchen Unterstützung. Ob es die niederschwellige Unterstützung im Alltag ist, die klassische Assistenz im Rahmen der Eingliederungshilfe oder die Pflege – es ist wichtig, dass jeder und jede genau die Unterstützungsleistung erhält, die er oder sie individuell benötigt. Wir freuen uns sehr, dass wir durch den Bundesteilhabepreis 2021 so viele engagierte Projekte kennengelernt haben und diese der Öffentlichkeit als gute Beispiele zugänglich machen können.“

Die Preisträger des Bundesteilhabepreises 2021

1. Preis: Habila GmbH

(Projekt: QuarTeTT – Quartiersentwicklung Teilhabe Technikeinsatz und WissensTransfer)
Preisgeld: 10.000 Euro

Ferdinand Schäffler

Preisträgerin Habila GmbH, vertreten durch Ferdinand Schäffler (Foto: Film-Ausschnitt/BMAS/Köhler)

Das Projekt „QuarTeTT“ der Habila GmbH will Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf durch verschiedene neue Technologien unterstützen. Dabei orientiert sich die Suche nach dem Technikeinsatz an den individuellen Bedürfnissen und Lebenssituationen der Menschen und deren persönliches Wohn- und Lebensumfeld. Zum Prozedere: Technologieexperten, Fachkräfte und Betroffene übertragen gemeinsam die jeweiligen Bedarfe in Kriterien der Technik und suchen passgenaue Lösungen. Ausgehend von 12 Fallstudien wurden beispielsweise smarte Assistenzsysteme zur Automatisierung des Wohnumfeldes oder Technologien der unterstützenden Kommunikation wie Sprachausgabegeräte erprobt. In einem zweiten Schritt wurden die Lösungen ethisch und fachlich reflektiert und zuletzt entweder dauerhaft implementiert, entsprechend angepasst oder auch verworfen. Die Betroffenen werden bei allen Schritten bis zur Umsetzung beteiligt. Ziel ist es, ein flächendeckendes Technikberatungsangebot für den Gesundheitsstandort Baden-Württemberg zu schaffen. Das Projekt zeigt, dass mit bedarfsorientiertem, intelligentem Technikeinsatz insbesondere auch die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit hohem und komplexem Unterstützungsbedarf nachhaltig und dauerhaft verbessert werden können.
www.habila.de

2. Preis: Evangelisches Diakoniewerk Zoar KdöR

(Projekt: WIR GEMEINSAM stark durch die Pandemie)
Preisgeld: 5.000 Euro

Martina Leib-Herr

Preisträgerin Evangelisches Diakoniewerk Zoar, vertreten durch Martina Leib-Herr (Foto: Film-Ausschnitt/BMAS/Köhler)

Mit verschiedenen Bausteinen unterstützt das Projekt „WIR GEMEINSAM stark durch die Pandemie“ des Evangelischen Diakoniewerks Zoar seit März 2020 Menschen mit Behinderungen, um als Ansprechpartner für Fragen, Ängste, Sorgen und Nöte zur Verfügung zu stehen. Dazu gehörten eine kurz nach dem Pandemiebeginn eingerichtete barrierefreie Corona-Hotline, die auch per Chat, Bildtelefonie und mit Gebärdensprachdolmetscher angeboten wurde, sowie passgenaue besondere ambulante Angebote wie beispielsweise ein Einkaufsservice. Mit digitalen Workshops, der Unterstützung beim Umgang mit Smartphones und Tablets und durch die Einrichtung eines „Digitalen Klassenzimmers“ wurde auch die weitere Teilhabe an Arbeit und Bildung ermöglicht. Ein regelmäßiger Newsletter diente der Kontaktaufrechterhaltung und Videogrußbotschaften auf YouTube sollten die Isolation während des Lockdowns erträglicher gestalten. Mit ihrem Projekt ermöglichte das Diakoniewerk Menschen mit Beeinträchtigungen, ihren Alltag weiter zu leben und ihre Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
www.zoar.de

3. Preis: Gehörlosenverband München und Umland e.V.

(Projekt: Unterstützung und Informationen für gehörlose Bürger:innen im Rahmen der Corona-Pandemie)
Preisgeld: 2.500 Euro

Cornelia von Pappenheim

Preisträger Gehörlosenverband München und Umland e. V., vertreten durch Cornelia von Pappenheim (Foto: Film-Ausschnitt/BMAS/Köhler)

Während der Corona-Pandemie gab und gibt es sehr viele Informationen im Internet, im Fernsehen oder in Zeitungen, die nur in schriftlicher oder in akustischer Form verfügbar sind. Gehörlose Menschen haben hierzu keinen Zugang. Das Projekt „Unterstützung und Informationen für gehörlose Bürger:innen im Rahmen der Corona-Pandemie“ des Gehörlosenverbandes München hat seit März 2020 alle besonders relevanten Informationen zu den Themen Gesundheitsschutz und Impfen (aktuelle Verordnungen, Tipps zum Umgang mit Corona, etc.) in Deutscher Gebärdensprache zur Verfügung gestellt. In Kooperation mit der Stadt München wurde deren Corona-Hotline für gehörlose Menschen zugänglich gemacht. Durch zusätzliche niederschwellige Serviceangebote wurden alle Generationen angesprochen: Es gab den Verleih von mobilen Endgeräten an Senioren, spezielle Impfangebote im Gehörlosenzentrum, einen Einkauf- und Lieferservice sowie Informationsvideos für Kinder und Jugendliche zu Corona. Aufgrund des besonderen Einsatzes für die Zielgruppe der schwerhörigen, gehörlosen und taubblinden Menschen in Verbindung mit der engen Kooperation mit der Stadt München sowie Seniorenzentren, Einzelhandelsverbänden und der Volkshochschule überzeugte das Projekt.
www.gmu.de/coronavirus-dgs/

Hintergrund

Der Bundesteilhabepreis wird von dem Deutschen Landkreistag, dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund unterstützt. Mit dem Preis wird auch die Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention nach umfassender Teilhabe aufgegriffen. Initiiert wurde der Bundesteilhabepreis vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Jahr 2019 im Rahmen der InitiativeSozialraumInklusiv (ISI), die im Sommer 2021 abgeschlossen wurde. Der Bundesteilhabepreis wird auch nach Ablauf der Initiative weitergeführt, um auch darüber hinaus für einen teilhabeorientierten und barrierefreien Sozialraum zu werben.

(RP/PM)

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