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Elektro-Busse: Die Suche nach dem richtigen Sound

Manchmal ist nicht mehr zu hören, als das Knirschen des Schotters unter den Reifen – was das für blinde und sehbehinderte Menschen bedeutet. Von Burkhard Fraune

E-Bus in Berlin an einer Haltestelle
138 E-Busse fahren schon durch Berlin, 90 weitere sind bestellt. (Foto: Paul Zinken/dpa)

Plötzlich, wie aus dem nichts, ist es da, ganz nah. Ein Surren, das an- und abschwillt. Wie ein Flugzeug im Anflug, wenn die Turbinen wenig Schub haben. Der Blick geht zum Himmel. Doch das ist kein Flugzeug und auch kein Ufo – es ist nur der Nachbar, der sein Elektro-Auto in die Garage fährt.

Nahverkehr wird elektrisch

Elektrofahrzeuge machen aus guten Gründen künstliche Geräusche. das gilt auch für E-Busse, die einem nun immer häufiger im Stadtverkehr begegnen. Für sie haben die Verkehrsbetriebe nun einen einheitlichen künstlichen Klang vorgestellt. Er könnte den Sound der deutschen Städte verändern.

Denn ganz allmählich wird auch der Nahverkehr elektrisch – etwa in Berlin. 138 E-Busse fahren schon durch die Stadt, 90 weitere sind bestellt. Bundesweit sind laut Verband Deutscher Verkehrsunternehmen 1.500 von 35.000 Linienbussen elektrisch unterwegs. Bis 2030 soll nach dem Willen der Bundesregierung die Hälfte der Flotte alternative Antriebe haben.

„Die Busse sind emissionsfrei und damit klimafreundlich unterwegs“,

sagt Verbands-Vizepräsident Werner Overkamp. „Der andere große Vorteil ist, dass sie Busse geräuscharm sind.“ Doch wer gedacht hatte, im Stadtverkehr kehre die große Stille ein, sieht sich getäuscht. Denn besonders im Großstadtverkehr geht das leise Summen der Elektrofahrzeuge im tosenden Straßenlärm unter.

Der Branche hat deshalb einen eigenen, künstlichen Sound für E-Busse entwickeln lassen. Ein sanftes Dröhnen, irgendwo zwischen Fahrstuhl und Dunstabzug, das je nach Tempo an- oder abschwillt, höher und tiefer wird. Sie nennen es den „freundlichen Nachbarn“. Bis etwa Tempo 30 sollen alle Linienbusse in Deutschland es nutzen.

Profis zeichnen sich für Sound verantwortlich

„Es ist teilweise ein Fluch, dass die Busse so leise sind“, erklärt Overkamp. Denn das birgt Gefahren für Blinde und Sehbehinderte. Für sie ist es lebenswichtig, dass sie die Fahrzeuge hören. Auch sehende Kinder, Ältere oder Radfahrer brauchten akustische Signale, heißt es beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband.

Wer hinhört, nimmt schon heute eine Vielzahl künstlicher Klänge wahr. Autohersteller engagierten mitunter Hollywood-Komponisten und Pop-Produzenten, um ihren Fahrzeuge ein besonders schönes Summen und Surren zu verpassen.

„Jeder macht seinen Sound“, sagt Designer Fernando Knof. „Vielleicht sollte man ein bisschen in Design-Konzepten denken.“ Den Siegerentwurf, der die Kakophonie bei Bussen verhindern soll, brachte ein Studierendenwettbewerb, Lukas Esser von der Universität der Künste Berlin überzeugte die Jury mit dem „freundlichen Nachbarn“.

EU nimmt Hersteller in die Pflicht

Ohne künstliche Geräusche geht es nicht. Seit vergangenem Sommer greift EU-weit eine Verordnung für Acoustic Vehicle Alerting Systems (Avas). Bis 20 Stundenkilometer und beim Rückwärtsfahren müssen etwa Autos über Lautsprecher künstliche Warntöne verbreiten – darüber nehmen auch beim Elektrobus die Roll- und Fahrtwindgeräusche zu.

Ob der einheitliche E-Bus-Klang kommt, hängt nun davon ab, ob der Entwurf die Verkehrsbetriebe landauf, landab überzeugt. Sie sollen ihn in Ausschreibungen für den Kauf neuer Busse vorgeben.

Die Hersteller selbst sind zurückhaltend. Denn mit eigenen Sounds prägen sie auch ihre Marke, wie MAN-Vertriebsmanager Uwe Schmid erklärt. Der Verbandsvorschlag biete aber einigen Spielraum. „Wir werden schauen, wie wir das umsetzen können.“ Bei Daimler heißt es, man setze auf individuelle Lösungen der Industrie. „Eine herstellerübergreifende Einheitslösung erachten wir nicht als zielführend.“

(RP/dpa)

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