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Gesellschaft & Politik

Eine skandalöse Flugblatt-Aktion gegen Menschen mit Behinderung 

Angeblich fühlen sich Touristen vom „Krankheitsbild der Menschen mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen“  bedrängt – drei Kommunalpolitiker sorgen für Empörung.

Flugblatt mit Markplatz im Hintergrund
In Tann an der Rhön wurde das Flugblatt verbreitet. (Foto: Tilman2007 / CC BY-SA 4.0)

Eine Flugblatt-Aktion von drei Kommunalpolitikern aus Tann in der Rhön sorgt für Kritik. Sie hatten in dem Papier geäußert, die Kernstadt von Tann entwickele sich „zunehmend zu einer ‚Sonderwelt‘, da die Präsenz des Tanner Diakoniezentrums allgegenwärtig ist“. Bürgermeister Mario Dänner (parteilos) sprach am Dienstag von diskriminierenden Äußerungen, mit denen „Fakten bewusst falsch dargestellt“ würden, um das Diakoniezentrum in ein schlechtes Licht zu rücken. „Der Magistrat verurteilt das als Gremium und distanziert sich davon“, sagte der Bürgermeister. Zuvor hatten mehrere Medien über die Aktion berichtet.

Zu den Unterzeichnern gehören Stadtrat Klaus Dänner und Stadträtin Brunhilde Fischer (beide FDP) sowie die FDP-Fraktionsvorsitzende Andrea Willing. Klaus Dänner wollte sich am Dienstag auf Anfrage zu dem Papier nicht äußern. Nach einem Bericht der „Fuldaer Zeitung“ betonte Willing, es handele sich um eine „Personen- und keine Partei-Initiative“.

Das steht im Flugblatt

In dem Flugblatt ging es um die Entwicklung von Tann – eine Streukommune mit 4.500 Einwohnern in 23 Ortsteilen. Nach der Pandemie stünden die Chancen gut, vermehrt Touristen für Urlaub in Deutschland „inmitten der Natur mit dem Tanner historischen Stadtkern und Museen zu begeistern“, hieß es in dem Papier. „Doch selbst langjährige Gäste kehren dem Luftkurort den Rücken, weil gerade im Marktplatzbereich eine Konzentration von Touristen und Klienten des Tanner Diakoniezentrums vorliegt und Berührungspunkte unausweichlich sind.“ Und weiter:

„Das mit dem Krankheitsbild der Menschen mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen einhergehende Verhalten, wie zum Beispiel mangelnde Distanz, können und möchten viele Touristen nicht aushalten.“

Der Geschäftsführer der Tanner Diakoniezentrum gemeinnützige GmbH, Stefan Burkard, äußerte sein Unverständnis über die Aktion und die Äußerungen.

„Alle Menschen haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Dies ist ein Grundrecht für jeden Menschen“,

so Burkard. Unter Berücksichtigung des Wunsch- und Wahlrechts könne deshalb grundsätzlich jeder Mensch mit Behinderung entsprechend seinen individuellen Bedarfen wohnen und sein Leben gestalten. „Deshalb ist es auch richtig so, dass sie im Tanner Stadtbild präsent sind, wenn sie es wollen. Außerdem liegen uns keine Kenntnisse vor, dass langjährige Gäste dem Luftkurort Tann den Rücken kehren, weil Menschen mit Beeinträchtigung eine Belästigung darstellen.“

(RP/dpa/lhe)

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