Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai 2025 macht der Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V. auf die dringenden Bedürfnisse gehörloser Senioren im Bereich Pflege und Teilhabe aufmerksam. Unter dem Motto „Weniger Barrieren, mehr Gebärdensprache“ übergab heute ein Protestzug in Nürnberg zentrale Forderungen an die Stadt Nürnberg, die jedoch weit über die lokalen Grenzen hinaus Gültigkeit beanspruchen.
Notwendigkeit gebärdensprachlicher Strukturen in der Pflege
„Ein Leben im Alter ohne Gebärdensprache, insbesondere in Pflegeeinrichtungen, gleicht einem Gefängnis“, betont Marcus Willam, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der Gehörlosen. „Wir fordern endlich die notwendigen Strukturen, um gehörlosen Senioren ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.“
Konkret fordert der Landesverband Bayern der Gehörlosen die Einrichtung einer übergeordneten Fachstelle auf Landesebene, vergleichbar mit der Fachstelle für Demenz und Pflege. Diese Stelle soll die regionalen Fachstellen dabei unterstützen, gebärdensprachliche und bedarfsgerechte Pflegestrukturen aufzubauen und zu koordinieren.

Beratungsstellen und bauliche Barrierefreiheit als zentrale Forderungen
Darüber hinaus sei die Einrichtung von mindestens einer Beratungsstelle in jedem bayerischen Bezirk unerlässlich. Diese Stellen müssten an die regionalen Fachstellen für Demenz und Pflege sowie an die kommunalen Seniorenberatungsstellen angegliedert sein und über Mitarbeitende mit umfassenden Gebärdensprach- und Kultursensibilitätskompetenzen verfügen. Nur so könnten spezielle Schulungen und Beratungen in Gebärdensprache angeboten und entsprechend qualifiziertes Personal in den Bereichen Demenz, Beratung und Alltagsunterstützung auf kommunaler Ebene eingesetzt werden.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die finanzielle Förderung von ambulanten, teilstationären und stationären Einrichtungen, die sich für gehörlose Senioren öffnen. Diese Mittel seien notwendig, um den erhöhten zeitlichen, schulischen und baulichen Aufwand zu decken.
In einer Pressemitteilung betont der Landesverband Bayern der Gehörlosen zudem zudem die Notwendigkeit einer barrierefreien baulichen und technischen Ausstattung der Beratungsstellen und Senioreneinrichtungen, einschließlich induktiver Höranlagen, Lichtsignalanlagen und Tablets zur Visualisierung von Sprache. Kooperationen mit Hörakustikern sollen eine fachgerechte Versorgung mit Hörsystemen gewährleisten.
Ausbildung, Qualifikation und politische Verantwortung
Der Landesverband fordert außerdem spezielle Schulungen für Mitarbeitende in Beratungsstellen und Senioreneinrichtungen sowie die Integration der spezifischen Bedarfe gehörloser Senioren in die Pflegeausbildung. Auch eine barrierefreie Ausbildung zur Pflegefachkraft für gehörlose Auszubildende, beispielsweise durch die Finanzierung von Gebärdensprachdolmetschern, ist unerlässlich.
Abschließend betont der Landesverband Bayern der Gehörlosen, dass die kommunale Altenhilfe gemäß § 71 SGB XII gebärdensprachliche, kultursensible und spezifische Leistungen anbieten und diese mit der Eingliederungshilfe und den Pflegeleistungen verzahnen muss. Dies umfasst Leistungen zur Betätigung, zur Wohnungssuche, zur Beratung bei der Heimaufnahme und Inanspruchnahme altersgerechter Dienste sowie zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und zur Aufrechterhaltung sozialer Kontakte.
Der Landesverband Bayern der Gehörlosen appelliert an die politischen Entscheidungsträger in Bayern, die dringenden Anliegen gehörloser Senioren ernst zu nehmen und die notwendigen Schritte für mehr Teilhabe und eine barrierefreie Pflege im Alter einzuleiten. Die heute in Nürnberg übergebenen Forderungen sollen als wichtiger Impuls für eine landesweite Verbesserung der Situation dienen.
(RP/PM)
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