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Gesellschaft & Politik

Dr. Volker van der Locht (†) – „Sein Herz schlug stets für die Behindertenbewegung“

Das Bochumer Zentrum für Disability Studies trauert um einen seiner ersten wissenschaftlichen Mitarbeiter, der in der Aufbauphase beteiligt war. Nachruf von Prof. Dr. Theresia Degener und Prof. Dr. Kathrin Römisch.

Kerze in der Dunkelheit
(Foto: Shutterstock)

BODYS trauert um Dr. Volker van der Locht, der Ende Oktober im Alter von 62 Jahren unerwartet verstarb. Er war einer der ersten wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen in unserem Forschungsinstitut „Bochumer Zentrum für Disability Studies“ und hat uns in der Aufbauphase begleitet.

Volker van der Locht war ein bekannter Aktivist und Wissenschaftler der deutschen Behindertenbewegung, in der er seit Anfang der 1980er Jahren aktiv war. Er absolvierte das Diplompädagogikstudium an der Gesamthochschule Essen 1981-1989 und promovierte dort 1996 zu einem historischen Thema im Bereich der NS-Euthanasie. Das Thema der NS-Euthanasie ließ ihn dann zeit seines Lebens nicht mehr los. Er recherchierte im Rahmen verschiedener wissenschaftlicher Projekte zu Fragen der Bedingungen und Auswirkungen der NS-Euthanasie und NS-Zwangssterilisation im Kontext lokaler und regionaler Institutionen. Die akribische Vertiefung in Akten und anderem Archivmaterial war sein Metier. Für seinen kritischen Blick, sein Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und seine radikale Kapitalismuskritik machte er sich nicht nur Freunde. Aber so unbequem er auch mal sein konnte, so kollektiv und solidarisch agierte er behindertenpolitisch.

Sein Herz schlug stets für die Behindertenbewegung, für die er sich als Journalist, Historiker, Lehrender und Forschender im hohen Maße verdient machte; etwa als Redakteur behindertenpolitischer Zeitschriften, wie der „Randschau“ und dem „Newsletter Behindertenpolitik“, als Archivar beim Aufbau des Archivs der Behindertenbewegung, als Forscher im Kontext der Entschädigung ehemaliger Heimkinder oder als Lehrender zu Themen von Inklusion und Disability Studies. Als Lehrender war er an vielen Bildungseinrichtungen gefragt, etwa als Dozent für politische Bildung an der Zivildienstschule Sondershausen, an der Folkwang-Universität der Künste Essen, der Hochschulen Potsdam, Magdeburg, Neubrandenburg, Düsseldorf, der Universität Duisburg-Essen. An unserer Hochschule, der Evangelischen Hochschule RWL lehrte er seit 1994 im Fachbereich II, Heilpädagogik / Inklusive Pädagogik. Bei Studierenden beliebt waren seine Seminare zu Disability Studies und NS-Euthanasie & Zwangsterilisation.

Wir trauern um ihn!

(Prof. Dr. Theresia Degener ist Leiterin des Bochumer Zentrum für Disability Studies; Prof. Dr. Kathrin Römisch ist stellvertretende Leiterin des Bochumer Zentrum für Disability Studies).

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