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Dirk Passiwan wird Bundestrainer der Rollstuhlbasketballerinnen

Nach drei Paralympics-Teilnahmen und zwei EM-Medaillen wird der Superstar nun auch für Team Germany an der Seitenlinie aktiv.

Dirk Passiwan
Dirk Passiwan (l.) jubelt am vergangen Samstag beim 76:71 Sieg von Doneck Dolphins Trier gegen die favorisierten Rhine River Rhinos (Foto: Doneck Dolphins Trier)

„Der reinste Passiwansinn“, schrieb ROLLINGPLANET vor sechs Jahren, als Dirk Passiwan wieder einmal zugeschlagen hatte: Beim 78:55-Sieg seiner Mannschaft Dolphins Trier gegen Mainhatten Shywheelers am 2. Spieltag der Rollstuhlbasketball-Bundesliga 2015/16 hatte der Superstar 53 Punkte erzielt. Nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass Passiwan Schlagzeilen machte. Auch künftig dürfte einer der besten Rollstuhlbasketballer aller Zeiten ein guter Lieferant für die Nachrichtenredaktionen sein: Passiwan ist neuer Bundestrainer der deutschen Damen-Nationalmannschaft im Rollstuhlbasketball.

Hinter dem 45-jährigen Bürokaufmann liegt die, wie er sagt, turbulenteste Woche seines Lebens. Am Dienstag vergangener Woche brachte seine Frau Nathalie Sohn Dino zur Welt. Nur kurz danach, am Freitag, erfuhr Passiwan von seinem neuen Job als Damen-Bundestrainer, um den er sich beworben hatte. Er löst Dennis Nohl ab, der nur ein kurzes Intermezzo gab: Nohl war zweieinhalb Monate vor Beginn der Paralympics in Tokio (24. August bis 5. September 2021) Nachfolger von Martin Otto geworden, der fünf Jahre lang den Posten innehatte – und dem die Mannschaft kurz vor dem Turnier völlig überraschend das Vertrauen entzogen hatte.

„Ein bisschen im Neuafbau“

Das erklärte Ziel, in Japan eine Medaille zu holen, verfehlten die Sportlerinnen. Bereits wenige Tage nach Ende der Spiele suchte der DBS per Stellenausschreibung nach einem neuen Übungsleiter. Nach Platz vier bei den Paralympics befinde sich das Team um Kapitänin Mareike Miller „ein bisschen im Neuaufbau“, wie der neue Chef sagt.

„Ich hatte schon länger den Gedanken, international aufzuhören und lange hin- und herüberlegt, aber ich denke, das ist der richtige Zeitpunkt“, so Passiwan, der weiterhin als Spielertrainer bei den Doneck Dolphins Trier in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga (RBBL) aktiv bleiben möchte: „Wir haben in Trier über elf Jahre mit starken Frauen gearbeitet, und als sich die Chance mit der Trainerstelle ergeben hat, war das für mich eine Riesen-Herausforderung. Ich habe mich riesig gefreut, dass ich ausgewählt worden bin.“

Passiwan beendet seine aktive Nationalmannschaftskarriere

Der Weltklasse-Spieler und langjährige RBBL-Topscorer beendet für seinen neuen Job seine aktive Nationalmannschaftskarriere – und muss binnen weniger Wochen die anstehende Europameisterschaft in Madrid planen.

2008 zu den Paralympics in Peking hatte Passiwan als Spieler in der Nationalmannschaft debütiert, die größten Erfolge waren neben den weiteren Teilnahmen an den Spielen 2012 und 2016 eine EM-Silbermedaille 2011 und eine bronzene 2015. Passiwan wurde in den Medien sogar als „Dirk Nowitzki des Rollstuhlbasketballs“ bezeichnet, doch auf seine angestrebten letzten Spiele in Tokio in diesem Jahr musste er aus gesundheitlichen Gründen verzichten.

Wie Dirk Passiwan zum Rollstuhlbasketball kam
„Mein Vater sitzt seit seiner Kindheit im Rollstuhl und somit bin ich mit dem Rollstuhl aufgewachsen. Ich habe als Kind mehr im Rolli gesessen, als ich Fahrrad gefahren bin.
1990 habe ich im Alter von 14 Jahren angefangen, Rollstuhl-Basketball zu spielen, damals noch als Nichtbehinderter. 2000 habe ich dann durch eine chronische Darmentzündung und Gabe von Cortison große Probleme mit den Knien bekommen und konnte somit auch international für die deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft spielen.“
(Quelle: Sunrise Medical)

Erste Herausforderung: EM

In nur fünfeinhalb Wochen steht für Passiwan mit der Europameisterschaft direkt auch das erste Highlight an: „Für mich geht es nun in erster Linie darum, mit allen Spielerinnen aus dem erweiterten Paralympics-Kader zu sprechen und ihre Bereitschaft für die EM abzuklären. Viele haben für Tokio ja schon ihren ganzen Jahresurlaub aufgebraucht.“

Mareike Miller (mit Ball) ist Kapitänin der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Damen

Mareike Miller (mit Ball) ist Kapitänin der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Damen (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Bis zum 20. November läuft die RBBL, anschließend bleiben Passiwan nur eineinhalb Wochen, um die Spielerinnen in einem möglichen Camp noch besser kennenzulernen. Die Nominierung müsste er bis dahin längst abgegeben haben, „aber da laufen gerade noch Gespräche, optimal wäre natürlich, wenn ich in einem Camp noch sichten könnte.“

Bereits für den 1. Dezember ist aktuell der Abflug geplant, in Madrid müssten möglicherweise alle Spielerinnen noch nach dem neuen Regelwerk der IWBF klassifiziert werden – doch ungeachtet dieser Herausforderungen freut sich Passiwan auf seinen Job: „Für mich geht es im Sport weiter mit einer tollen Aufgabe – ich kläre jetzt, wer zum Team im Team gehören wird und dann wollen wir eine tolle EM spielen.“

(RP/mit Materialien von DBS/Nico Feißt)

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