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Technik & Technologien

Die Digitalisierung hat begonnen: Kliniken starten eigenes 5G-Netz

Ob virtuelle 3D-Darstellungen von Organen oder Operationen, die aus der Ferne durchgeführt werden – der neue Mobilfunkstandard soll die Medizin nach vorn bringen. Wie die Krankenhäuser die Technologie nutzen.

Ein Funkmast für das neue 5G-Netz.
Ein Funkmast für das neue 5G-Netz. (Foto: Shutterstock)

Bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens setzen erste deutsche Krankenhäuser auf eigene 5G-Mobilfunknetze. Nach der Bonner Universitätsklinik Ende 2020 und einem Leipziger Helios-Krankenhaus in diesem Sommer nimmt nun auch das Düsseldorfer Universitätsklinikum ein eigenes Netz in dem Mobilfunkstandard in Angriff. Bei der Inbetriebnahme am Mittwochnachmittag werden NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) und Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter erwartet.

Die 5. Mobilfunkgeneration (5G) soll an Kliniken die Übermittlung großer Datensätze von Computertomographien (CT) oder Kernspintomographien (MRT) ermöglichen, damit Ärzte anderer Abteilungen schnell Informationen bekommen und die Behandlung ohne Unterbrechungen und Wartezeiten weitergehen kann. Auch vernetzte „Augmented Reality“-Brillen für Operationen sollen dank 5G gut einsetzbar sein und die virtuelle Darstellung von Körperteilen verbessern. Der Funkstandard soll ruckelfreie und stabile Übertragungen sicherstellen.

Nachholbedarf bei Digitalisierung

Die Deutsche Telekom startete Ende 2020 ein 5G-Campusnetz am Universitätsklinikum Bonn. Das Netz laufe gut und reibungslos, sagt der Chef des IT-Klinikgeschäfts der Deutschen Telekom, Michael Waldbrenner. Im Vergleich zum Festnetz-Internet über WLan habe 5G den großen Vorteil, dass es eine stabile Echtzeit-Übertragung immens großer Datenmengen ermögliche. In den teilweise sehr alten Gebäuden deutscher Krankenhäuser sei die Verkabelung für besseres WLan mitunter sehr aufwendig, auch deshalb biete sich 5G an. „An deutschen Krankenhäusern gibt es einen großen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung, 5G ist hierfür ein wichtiger Schlüssel.“

Das Klinikgeschäft habe gute Perspektiven, sagte der Telekom-Manager. „Wir haben zahlreiche Anfragen von Krankenhäusern für eine bessere Netzabdeckung.“ Bei kleineren Kliniken könnte WLan reichen, in größeren Krankenhäusern sei 5G hingegen der beste Übertragungsweg.

Auch Vodafone-Deutschlandchef Ametsreiter betont die Vorteile: „5G ist viel präziser als WLan, es gehen keine Datenpakete verloren, und es wird eine stabile Übertragung sichergestellt.“ Der Funkstandard hat nach seinen Worten „das Zeug, das teilweise noch immer sehr analoge Medizinwesen zu revolutionieren“. Der Telekom-Konkurrent ist ebenfalls in Gesprächen mit weiteren potenziellen Kunden.

Chancen der Technologie

Die sogenannten Campusnetze funken nur auf dem Klinikgelände, sie sind nicht öffentlich – und damit vor Hackern von außen geschützt. „In Sachen Datensicherheit haben 5G-Campusnetze große Vorteile“, sagt Telekom-Manager Waldbrenner. Separat hierzu gibt es ein öffentliches 5G-Netz, das zum Beispiel eine Echtzeit-Verbindung mit Spezialisten in anderen Städten herstellt und deren Expertise dann in Echtzeit bei Operationen oder Behandlungen einbinden kann.

Natalie Gladkov vom Bundesverband Medizintechnologie sagt, damit sich digitale Prozesse durch Vernetzung der Systeme und Geräte entfalten könnten, werde der Bedarf an flächendeckend hohen Leitungskapazitäten enorm steigen. 5G-Netze an Klinken seien ein Fortschritt, sagt die Digitalexpertin: „Besonders der Bereich der Telemedizin wird davon profitieren und sich nachhaltig etablieren.“

Telefónica begann im August mit dem Aufbau eines 5G-Netzes an einem Helios-Krankenhaus in Leipzig, zum Jahresende soll es in Betrieb gehen. Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas sieht großes Potenzial. Aus der Ferne gesteuerte Operationen würden ebenso möglich wie die Zuschaltung von Experten für datengestützte, oft lebensrettende Entscheidungen: „5G bietet extrem hohe Datengeschwindigkeiten und sehr kurze Reaktionszeiten von bis zu einer Millisekunde.“

Was ist 5G?
Der Mobilfunkstandard 5G ist der Nachfolger von LTE (4. Generation). Die fünfte Generation unterstützt Datenraten von bis zu 10 GBit/s (LTE: bis zu 1,2 GBit/s) und Reaktionszeiten von 1-6 Millisekunden (LTE: 15-80 ms). Seit 2019 befindet sich das 5G-Netz in Deutschland im Aufbau, hierbei müssen die Funkmasten näher beieinander stehen als bei LTE. Die neue Technik bietet große Chancen in der Vernetzung von Maschinen (Internet of Things), autonomen Fahren und mobilen Virtual-Reality-Anwendungen.

(RP/dpa)

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