Connect with us

Sie suchen ein bestimmtes Thema?

Kultur & Lifestyle

Die Angst der anderen, aber auch das Bekennen zum eigenen Leben

Die Stiftung Liebenau veröffentlicht die nächste Ausgabe ihrer Zeitung „wir mittendrin“ mit vielen lesenswerten Artikeln zu Inklusion und Teilhabe.

Ein Thema der aktuellen Ausgabe: Sebastian Urbanski, hier zusammen mit seiner Kollegin Nele Winkler vom RambaZamba-Theater, ist Schauspieler, Musiker, Buchautor und Synchronsprecher. Der Mann mit Down-Syndrom lebt in Berlin.
Ein Thema der aktuellen Ausgabe: Sebastian Urbanski, hier zusammen mit seiner Kollegin Nele Winkler vom RambaZamba-Theater, ist Schauspieler, Musiker, Buchautor und Synchronsprecher. Der Mann mit Down-Syndrom lebt in Berlin. (Foto: Stiftung Liebenau)

Die Stiftung Liebenau hat pünktlich zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai die neue Ausgabe ihrer Zeitung „wir mittendrin“ veröffentlicht. Ein festes Team aus Menschen mit und ohne Behinderungen stellte die Inhalte zusammen und schrieb einen Teil der Beiträge selbst. Gastbeiträge sind nicht nur erwünscht, sondern finden regelmäßig Platz in der Zeitung, die zweimal im Jahr erscheint.

Inklusion für ganz Europa

Am 5. Mai ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Dass er international ist, ist gut so. „Inklusion muss europaweit gedacht werden“, findet Jürgen Dusel. Der Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen der Bundesregierung Deutschland weiß aus seiner Arbeit, dass die Themen und Probleme für Menschen mit Behinderungen in allen europäischen Ländern ganz ähnlich sind. Die aktuelle „wir mittendrin“, die Zeitung von Menschen mit und ohne Behinderungen, greift, neben politischen Themen, auch Alltagsthemen von Menschen mit Handicap auf. Schwerpunkt der neuen Ausgabe ist das Down-Syndrom. Mit Down-Syndrom oder auch Trisomie 21 wird eine Chromosomenbesonderheit bezeichnet, mit der in Deutschland etwa 50.000 Menschen leben.

Mitten in der Gesellschaft

Sebastian Urbanski ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass Menschen mit Down-Syndrom in der Mitte der Gesellschaft stehen – beruflich wie privat. Der 43-jährige Tausendsassa aus Berlin dürfte manchem aus dem Fernsehen bekannt sein. Er ist aber nicht nur Schauspieler für Film und Theater, sondern auch Musiker, Buchautor und Synchronsprecher. Er fühlt sich rundum zufrieden mit seinem Leben. Er erhebt seine Stimme für Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, unter anderem als Mitglied des Bundesvorstands der Lebenshilfe. In dieser Funktion hat er 2017 auch bei der Gedenkstunde für die Opfer der Euthanasie vor dem Bundestag gesprochen.

Wichtig für die Welt

„Wir tun nichts und wollen auch da sein“, fasst die Aktivistin Natalie Dedreux in ihrem Interview zusammen. In dem kurzen Satz steckt viel: die Angst der anderen, aber auch das Bekennen zum eigenen Leben. Natalie Dedreux hat das Down-Syndrom und kämpft für gleiche Rechte für alle Menschen. Im persönlichen Gespräch hat sie Bundeskanzlerin Angela Merkel erläutert, warum sie dagegen ist, dass Krankenkassen den Bluttest von Schwangeren zur Früherkennung des Down-Syndroms bezahlen. Sie sieht die Gefahr, dass die Eltern Menschen mit Down-Syndrom nicht zur Welt bringen wollen. Dabei ist Dedreux der lebende Beweis, dass sie ein sinnstiftendes, aktives, interessantes Leben führen können. Sie sagt: „Wir sind wichtig für die Welt. Wir werden gebraucht.“

Nicht berühmt und trotzdem zufrieden

Nicht alle Menschen mit Down-Syndrom sind berühmt, aber womöglich nicht weniger zufrieden. So etwa Sandro D. und Tobias G.. In ihrer Wohngemeinschaft sind sie ein eingespieltes Team. Tagsüber geht jeder seiner Arbeit nach und in der Freizeit den eigenen Interessen. Aber es gibt auch viel, was sie verbindet und was sie gemeinsam machen. Ein gemeinsamer Kalender hilft ihnen bei der Organisation des Alltags. Wie zufrieden die beiden in ihren eigenen vier Wänden sind, spürt man, wenn man sie trifft.

Was Halt gibt

In der „wir mittendrin“ geht es auch darum, was Menschen mit Handicap Halt gibt. Hierzu kommt Stefan Reichle zu Wort. Nach einer langen psychischen Erkrankung mit Aufs und Abs ist er heute in der EUTB (Ergänzende Unabhängige Teilhabe Beratung) tätig. Als Betroffener berät er andere Hilfesuchende. Das professionelle Handwerkszeug hat er in einer entsprechenden Schulung bekommen.

Inklusion live

Die Zeitung „wir mittendrin“ stellt Inklusion und Teilhabe in den Mittelpunkt. Mit der Publikation gelingt es auch, Menschen direkt zueinander zu bringen. Sonja Waggershauser etwa hat Mario Miltz auf den Bachäckerhof eingeladen, nachdem er in der Zeitung von seinem großen Traum erzählt hat, sich um Pferde zu kümmern. Inzwischen hat Mario Miltz sie und ihre Tiere schon öfter besucht. Und er ist jedes Mal glücklich.

Beiträge und Manuskripte sowie Feedback können eingesandt werden an: anne.luuka@stiftung-liebenau.de. Die Redaktion behält sich die Entscheidung über eine Veröffentlichung vor. Unter der Adresse können auch einzelne Exemplare der „wir mittendrin“ bestellt werden.

(RP/PM)

Veröffentlicht auf

ROLLINGPLANET ist seit 2021 Deutschlands Onlinemagazin für Menschen mit Behinderung und alle anderen. ROLLINGPLANET ist ein Non-Profit-Projekt, realisiert vom Verein Menschen, Medien und Inklusion e.V., München. Mehr über unser Team erfahren Sie hier.

Kommentieren

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werbung
Werbung
Werbung

DERZEIT AM HÄUFIGSTEN GELESEN

LESETIPPS

Werbung

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Reise & Urlaub

In der Nähe von Leipzig soll bis 2026 eine Urlaubsanlage entstehen, die barrierefrei ist und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung schaffen soll.

Bildung & Karriere

Menschen mit Behinderung bauen neue Pflanzen an, helfen beim Schneiden und Biegen der Reben. Wie die Kooperation entstand und welche Erfahrungen die Teilnehmer in den Projekten sammeln konnten. Von Peter Zschunke

Kultur & Lifestyle

Wie Kunst Unterschiede aufhebt, will das Mainzer Festival im Herbst zeigen. Überlegungen zur Bedeutung von Schönheit und Normalität sowie ein besonderer Osteuropa-Schwerpunkt erwarten die Zuschauer.

Sport

Ab 24. August kämpfen Teams aus sieben Nationen um den Sieg in der Hansestadt. Ein Segel-Duo hat sogar eine 8.500 Kilometer lange Anreise vor sich.