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Deutsche Forschungsgemeinschaft und Birbaumer beenden Rechtsstreit durch Vergleich

Der Tübinger Hirnforscher stellte 2014 eine Methode vor, die sprachunfähige Menschen mittels Gedanken kommunizieren lassen sollte – schnell kamen jedoch Zweifel an der Seriosität der Studie auf.

Niels Birbaumer
Niels Birbaumer, Hirnforscher aus Tübingen (Foto: Horst Hass/dpa)

Der Rechtsstreit zwischen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Tübinger Hirnforscher Niels Birbaumer ist mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Die Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens gegen Birbaumer in mehreren Stellen zweier Studien blieben aber bestehen, sagte ein DFG-Sprecher am Dienstag in Bonn. Allerdings verkürze sich die Dauer der Sperre nach der Birbaumer keine Anträge bei der DFG stellen und nicht mehr als Gutachter tätig sein darf um gut eineinhalb Jahre.

Die Maßnahmen gegen Birbaumer enden somit am 1. Januar 2023. Birbaumer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Universität Tübingen, der Birbaumer angehört, wollte sich nicht äußern.

Studienergebnisse galten als Sensation

Mit einer Forschergruppe hatte Birbaumer 2014 Untersuchungen an Patienten mit der Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) durchgeführt. Die vollständig gelähmten und sprachunfähigen Menschen sollten Fragen in Gedanken beantworten, während die Wissenschaftler mit einer Kopfhaube und Computern ihre Hirnaktivität maßen. Laut Birbaumer ist auf diese Weise eine Kommunikation möglich. Die Ergebnisse veröffentlichte er im Fachmagazin „Plos Biology“.

Mehrere Untersuchungen konnten die Vorwürfe gegen die Studie nicht entkräften, unter anderem prüfte eine Kommission der Universität Tübingen die Vorwürfe und attestierte Birbaumer Datenverfälschung. Die DFG leitete gesonderte Untersuchungen ein, weil sie Birbaumers Studie mit Fördergeldern unterstützt hatte.

Nach diesen DFG-Untersuchungen wurden die Tests nur unvollständig per Video aufgezeichnet. Zudem wurden Daten einzelner Patienten nur summarisch und nicht aufgeschlüsselt ausgewertet. Birbaumer selbst hatte anfangs seine Forschungen verteidigt und die Vorwürfe zurückgewiesen. Später räumte er „Unzulänglichkeiten bei der Publikation“ ein.

(RP/dpa)

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