Warum Sie diesem Mann folgen sollten
„Drei Kandidat*innen. Wer es schafft, innerhalb von einer Minute die meisten Lebensmittel in den eigenen Einkaufswagen zu packen, bekommt den kompletten Inhalt geschenkt. Das ist eine der zahlreichen Ideen, die der Unternehmer David Hegemann auf seinem Instagram– und Facebook-Kanal umsetzt. Solche Aktionen machen ihm großen Spaß und bringen ihm einiges an Aufmerksamkeit. Hegemann nutzt Social-Media auch, um seinen etwa 60.000 Followern zu zeigen, dass ihm Inklusion wichtig ist. Beispielsweise indem er in zwei seiner Märkte eine Stille Stunde ankündigt für Kund*innen mit einer Autismus-Spektrum-Störung, mit psychischen Einschränkungen und für alle, die es einfach mögen. Auf seinen Kanälen finden sich außerdem Beiträge darüber, wie Hegemann gezielt Menschen mit Behinderung als Mitarbeiter*innen einstellt. 2018 hat David Hegemann seinen ersten REWE-Markt eröffnet, mittlerweile betreibt er fünf davon. Zehn der 170 Mitarbeitenden haben eine Schwerbehinderung. Bald sollen es 20 sein.“
Quelle: Aktion Mensch
REWE-Kaufmann David Hegemann macht Schlagzeilen – als Supermarkt-Unternehmer, der nicht nur über Inklusion redet, sondern sie spektakulär umsetzt. Dafür hat er vor kurzem ganz zu Recht den Inklusionspreis für die Wirtschaft erhalten. Er wurde für seine vorbildliche Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung ausgezeichnet. Unter dem Motto „Inklusion überzeugt“ prämierte der Inklusionspreis für die Wirtschaft vier Unternehmen aus Bayern, Niedersachsen, Hessen und NRW. Schirmherr des Preises ist Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales.
„Ausschließlich gute Erfahrungen gemacht“
David Hegemann ist stolz auf den Preis. „Ich finde, Inklusion ist ein sehr wichtiges gesellschaftliches Thema. Aber dass unser Engagement solche Wellen schlägt, hätte ich nicht gedacht.“

Vor rund sieben Jahren „wagte“ der Düsseldorfer Kaufmann den Schritt, Menschen mit Behinderung einzustellen. Heute arbeiten in seinen fünf Filialen insgesamt zehn Mitarbeitende mit Einschränkungen, seit Sommer 2024 mit Achilleas Tsantekidis auch der erste Auszubildende mit Behinderung. „Ich habe in all der Zeit ausschließlich gute Erfahrungen gemacht“, sagt Hegemann. „Man darf nicht vergessen, dass die Chancen für Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt auch heute noch sehr gering sind“, fügt er hinzu.

Auch Achilleas Tsantekidis wird Hegemann höchstwahrscheinlich nicht enttäuschen. Der 21-jährige Auszubildende, der mit einer Lähmung zur Welt kam und im Rollstuhl sitzt, ist ehrgeizig und erzählt Aktion Mensch: „Als ich nach dem Realschulabschluss auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz war, habe ich häufig gehört, ich solle doch ins Büro gehen. Darauf hatte ich aber keine Lust, da nur herumzusitzen und zu tippen. Ich brauche Freiraum und Bewegung. Hier im Supermarkt habe ich mich sofort wohl gefühlt. Das Team ist total nett, die Stimmung sehr gut. Am Anfang wollten mir die Kollegen bei allem helfen. Denen musste ich erst mal zeigen, was ich kann. Mittlerweile fragen sie vorher und es läuft alles entspannt. Für meine Zukunft wünsche ich mir, dass ich selbst mal einen Markt leite. Darauf arbeite ich hin. Denn wenn man etwas will, muss man auch durchziehen.“
Sein Chef glaubt an ihn. „Mein Lieblingsmitarbeiter“, sagt Hegemann bei einer Pressekonferenz. „Er wird mal der erste Marktchef im Rollstuhl, daran arbeiten wir gerade.“
Tsantekidis Vergütung bekommt der Arbeitgeber bis zu 80 Prozent von der Agentur für Arbeit bezuschusst, um den zusätzlichen Aufwand zu kompensieren. So kann der Rollstuhlfahrer zwar an der Kasse arbeiten und Regale einräumen, aber beispielsweise nicht an der Frischetheke eingesetzt werden. Außerdem haben schwerbehinderte Menschen einen Rechtsanspruch auf Übernahme der Kosten für eine sogenannte Arbeitsassistenz – als helfenden Begleiter im Berufsleben. „Unterm Strich hat man als Unternehmer keinerlei finanzielle Risiken“, sagt Hegemann. „Man muss es einfach nur wollen und machen.“

Auch bei der REWE-Zentrale ein Thema
In der Region West wird das wichtige Thema Inklusion seit einiger Zeit auch strategisch verfolgt, betont REWE. Roderich Dörner, Human Ressource-Manager des Konzerns, unterstützt die Märkte und berät bei der Zusammenarbeit mit Trägern, beim Aufbau von Inklusionsabteilungen oder bei der Suche nach geeignetem Personal. Auch REWEs Personalchefin Kerstin Murges ist laut einer Mitteilung überzeugt, dass Inklusion wichtig, sogar ein Muss ist: „Jeder Mensch bringt einzigartige Talente und Sichtweisen mit, die uns als Team bereichern und helfen, innovativer und kreativer zu sein.“
Über das bereits bestehende inklusive Engagement der Märkte hinaus sind in über 20 REWE-Märkten der Region West sogenannte „Inklusionsabteilungen“ entwickelt und weitere in Planung. „Wir sind sehr stolz darauf, so viele Kaufleute, Marktmanager:innen und Teams in unseren Reihen zu haben, die der Inklusion offen gegenüberstehen und sich mit viel Herz engagieren“, sagt Jürgen Rölle, Geschäftsleiter Vertrieb.
(RP/PM)
zur startseite





