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Das sind die Para Sportler des Jahres

Am Samstag Abend verlieh der Deutsche Behindertensportverband den begehrten Titel. Die große Gala in Düsseldorf musste allerdings pandemiebedingt ausfallen.

Elena Krawzow posiert mit Goldmedaille.
Para-Schwimmerin Elena Krawzow holte bei den Paralympics in Tokio die Goldmedaille für 100m Brust. Kurz darauf entdeckten Ärzte einen Hirntumor bei ihr. (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Turniere, internationale Meisterschaften – und als Saisonhöhepunkt die Paralympics: Ein spannendes, intensives und erfolgreiches Sportjahr 2021 neigt sich dem Ende entgegen. Die deutschen Athleten sammelten insgesamt 43 Medaillen für das Team Deutschland Paralympics. Erkennbar ist, dass mitreißende Momente in Tokio auch bei der Wahl der Para Sportler des Jahres eine Rolle spielten. Fast 9.000 Stimmen wurden bei der Online-Wahl abgegeben.

Verzichten mussten die Preisträger allerdings auf den Applaus geladener Gäste: Die Gala-Veranstaltung in der Düsseldorfer Rheinterrasse musste der Deutsche Behindertensportverband aufgrund der Corona-Pandemie schweren Herzens absagen.

Die Plätze eins bis drei jeder Kategorie können sich über Prämien in Höhe von insgesamt 18.000 Euro von der Sparkassen-Finanzgruppe freuen – während die jeweiligen Sieger und Siegerinnen 3.000 Euro erhalten, bekommen die Zweit- und Drittplatzierten jeweils 2.000 beziehungsweise 1.000 Euro.

„Ich bin einfach ein Glückspilz“

Eine Siegerin und ein „Krawt-Paket“ in jeder Lebenslage: Elena Semechin setzte sich im Kopf-an-Kopf-Rennen unter den nominierten Para Sportlerinnen durch – und das nach einem außerordentlich turbulenten Jahr. In Tokio komplettierte die Para Schwimmerin noch unter dem Namen Elena Krawzow ihren goldenen Medaillensatz: nach EM- und WM-Gold holte sie die Goldmedaille bei den Paralympics. Es folgte die Hochzeit mit Freund und Trainer Phillip Semechin. Anfang November verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihr sogar die höchste deutsche Auszeichnung im Sport, das Silberne Lorbeerblatt. Dass dies möglich war, gleicht einem kleinen Wunder. Denn wenige Tage zuvor hatte sie sich einer riskanten Hirntumor-OP unterziehen müssen. Ihr Erfolgshunger ist trotzdem nicht gestillt: Semechin träumt bereits vom nächsten Gold – bei der WM 2022.

„Was für ein Jahr: Endlich bin ich Paralympics-Siegerin geworden, endlich habe ich meinen Traummann geheiratet, zum Glück wurde mein Gehirntumor erfolgreich entfernt und nun auch noch die Krönung, dass ich zur Para Sportlerin des Jahres gewählt worden bin. Nach diesen turbulenten Monaten mit vielen Aufs und Abs bin ich sehr froh und dankbar, dass ich diese Auszeichnung erstmals erhalten habe. Für mich ist es auch eine Anerkennung für unsere harte, jahrelange Arbeit“,

sagt die 28-jährige Semechin und fügt an: „Ich bin einfach ein Glückspilz.“ Para Leichtathletin Lindy Ave (HSG Uni Greifswald), die in Tokio Weltrekord-Gold über 400 Meter und Bronze über 100 Meter gewann, belegte Rang zwei. Dritte wurde die Bonnerin Annika Zeyen, Paralympics-Siegerin im Zeitfahren und Silber im Straßenrennen mit dem Handbike. Dahinter folgten Para Kanutin Edina Müller, Para Radsportlerin Jana Majunke und Para Sportschützin Natascha Hiltrop.

Ergebnisse Para Sportlerin des Jahres
1. Elena Semechin (Para Schwimmen / 19,93 %)
2. Lindy Ave (Para Leichtathletik / 18,96 %)
3. Annika Zeyen (Para Radsport / 18,06 %)
4. Edina Müller (Para Kanu / 17,04 %)
5. Jana Majunke (Para Radsport / 13,99 %)
6. Natascha Hiltrop (Para Sportschießen / 12,02 %)

Mit Wahl wirklich nicht gerechnet

Bei den Männern war die Sache etwas klarer. Der Düsseldorfer Baus, der die Glasknochenkrankheit hat, hatte nach seinem Gold-Triumph von Japan fast zehn Prozent Vorsprung auf Schwimmer Taliso Engel (Leverkusen), der in Tokio ebenfalls Paralympicssieger geworden war.

Valentin Baus jubelt

Valentin Baus jubelt nach seinem Sieg im Finale gegen den Chinesen Cao bei den Paralympics in Tokio. (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Mentale Stärke und die gelungene Revanche für Rio 2016 führten ihn zum Sieg – Para Tischtennisspieler Valentin Baus holte sich nach einer Aufholjagd im Finale Paralympics-Gold. Musste sich der Athlet im Finale in Brasilien noch gegen Cao Ningning (China) geschlagen geben, gelang dem Spieler von Borussia Düsseldorf die Revanche nun fünf Jahre danach. „Ich habe die ganze Zeit gespürt, dass etwas geht“, berichtete Baus nach dem packenden 3:2-Erfolg in einem dramatischen Match, mit dem er die TV-Zuschauer offensichtlich nachhaltig begeisterte.

„Dass ich zum Para Sportler des Jahres gewählt worden bin, damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Die anderen Jungs hätten es alle genauso verdient. Trotzdem freue ich mich natürlich sehr über diese Auszeichnung. Ich habe viel gearbeitet, hart trainiert und auf vieles verzichtet, Gold bei den Paralympics war die Belohnung dafür. 2021 lief für mich sportlich perfekt und der Preis rundet dieses erfolgreiche Jahr ab“,

sagt der 25-jährige Bochumer. Ihm folgt Para Schwimmer Taliso Engel auf Rang zwei. Der 19-jährige sehbehinderte Schwimmer aus Nürnberg war in Tokio über 100 Meter Brust in Weltrekord-Zeit sensationell zu Gold geschwommen. Auch Para Triathlet Martin Schulz durfte sich freuen: Nach zahlreichen Nominierungen wählte ihn die Öffentlichkeit gemeinsam mit einem Expertengremium auf den dritten Rang. Der 31-jährige Athlet des SC DHfK Leipzig blickt auf eine sehr erfolgreiche Saison zurück – mit seinem neunten EM-Titel und Paralympics-Gold.

Ergebnisse Para Sportler des Jahres
1. Valentin Baus (Para Tischtennis / 27,41 %)
2. Taliso Engel (Para Schwimmen / 18,24 %)
3. Martin Schulz (Para Triathlon / 15,48 %)
4. Felix Streng (Para Leichtathletik / 15,34 %)
5. Johannes Floors (Para Leichtathletik / 14,46 %)
6. Markus Rehm (Para Leichtathletik / 9,07 %)

Rollstuhl-Basketballerinnen sind Team des Jahres

Mannschaft des Jahres wurden die Rollstuhl-Basketballerinnen, obwohl sie bei den Paralympics als Vierte knapp eine Medaille verpasst hatten. Dank Teamgeist den Umbruch gemeistert: Das Rollstuhlbasketballteam der Damen bewies bei den Paralympics in Tokio die Stärke als Gemeinschaft. In jedem Spiel legten sie bis zur letzten Sekunde alles rein und begeisterten so ihre Fans. Nach „weißer Weste“ in der Gruppenphase und einem weiteren starken Auftritt im Viertelfinale war im Halbfinale Endstation. Platz vier erreichten die deutschen Damen, die kurzfristig mit Interimscoach und insgesamt fünf Paralympics-Debütantinnen angereist waren, und verpassten damit die Medaillenränge knapp. „Ich bin sprachlos. In Tokio hatten wir nicht das erhoffte überragende Turnier.

Dass die guten Leistungen dennoch so enorm wertgeschätzt werden, und wir die Emotionen und den Einsatz in die Heimat transportieren konnten, freut unsere ganze Mannschaft sehr“, sagt Kapitänin Mareike Miller stellvertretend für das gesamte Team. Ihnen folgt mit weniger als zwei Prozent Rückstand das Para Tischtennis-Duo Thomas Schmidberger und Thomas Brüchle, das bereits bei den Paralympics in Tokio knapp an Gold vorbeigeschrammt war. In einem Final-Krimi gegen das chinesische Rollstuhl-Duo hatten Schmidberger/Brüchle beim 1:2 denkbar knapp den Gewinn der Paralympics-Goldmedaille verpasst, obwohl sie zunächst das Doppel für sich entschieden hatten. Rang drei belegten ihre Para Tischtennis-Teamkollegen Björn Schnake und Thomas Rau, die mit Bronze aus Tokio zurückgekehrt waren – für beide war es das erste paralympische Edelmetall.

Ergebnisse Para Team des Jahres
1. Rollstuhlbasketball Damen (39,51 %)
2. Para Tischtennis-Team Schmidberger/Brüchle (37,52 %)
3. Para Tischtennis-Team Schnake/Rau (22,97 %)

(RP/dpa)

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