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Das Ende einer skandalösen Rollstuhlbasketball-Europameisterschaft

Damen verpassen EM-Bronze, Herren verzichten auf das kleine Finale. Heftige Kritik am Verband IWBF Europe wegen Corona-Hygienekonzepts.

Catharina Weiß mit hängendem Kopf und Maske; im Hintergrund sieht man verschwommen eine andere deutsche Spielerin und jubelnde spanische Spielerinnen
Die deutschen Damen, hier im Vordergrund Catharina Weiß, verpassten eine EM-Medaille. (Foto: Steffie Wunderl)

Ein britischer Spieler positiv getestet, eine spanische Spielerin mit Corona im Krankenhaus – die Nachrichten am Morgen vor dem Spiel um Bronze waren für die deutschen Damen erneut nicht leicht zu verkraften. Obwohl Titelverteidiger Großbritannien sich auch bei den Herren entschied, das Finale nicht zu bestreiten und die deutschen und italienischen Herren ebenfalls ein Statement herausgaben, nicht antreten zu wollen, fühlte sich der ausrichtende Verband IWBF Europe noch immer nicht berufen, das Turnier zugunsten der Gesundheit aller abzubrechen.

„Spanien war klar besser heute“

Die deutschen und spanischen Damen einigten sich darauf, mit FFP2-Masken das Bronzespiel auszutragen. Angefeuert von vielen lautstarken Fans gelang den Spanierinnen ein besserer Start ins Spiel. Nach 8:10 (7.) erhöhten die Gastgeberinnen zum Ende des ersten Viertels auf 8:16 und zur Pause stand es 18:28. Den Großteil der Zeit hatten die dezimierten Deutschen dabei nur zwölf statt der erlaubten 14 Klassifizierungs-Punkte auf dem Feld, da drei Spielerinnen nach dem Halbfinale abgereist waren, weil sie Bedenken um ihre Gesundheit hatten.

Im dritten Viertel kam Deutschland dank eines Dreiers von Katharina Lang beim 29:36 (27.) auf sieben Punkte ran, doch zum Viertelende waren es neun Punkte Rückstand (33:42). Zu viele Fehler im Schlussviertel sorgten dann auch dafür, dass das deutsche Team nicht mehr entscheidend aufholen konnte und mit 40:58 die angestrebte Bronzemedaille verpasste. Katharina Lang erzielte 14 Punkte und holte 13 Rebounds und auch die erst 18-jährige Svenja Erni traf mit zehn Punkten zweistellig.

„Das war leider nicht das Ende, das wir uns gewünscht haben. Trotz des schweren Tages hat das Team sich entschieden, spielen zu wollen, aber sportlich gesehen war Spanien klar besser heute“,

sagte Bundestrainer Dirk Paßiwan: „Man hat gesehen, dass uns Spielerinnen fehlen. Wir haben viele junge Spielerinnen, die noch nicht viel Erfahrung haben und die ein gutes erstes Turnier gespielt haben. Es ist der erste Schritt für unseren Neuaufbau, wir haben die WM-Qualifikation geschafft – mit der kurzen Vorbeitungszeit, die wir hatten, können wir ganz zufrieden sein.“

Herren ist die Gesundheit wichtiger

Bereits zuvor hatte es ein trauriges Endspiel gegeben: Weil die britischen Damen nach dem Halbfinalsieg gegen Deutschland abgereist waren, spielten die niederländischen Damen ihr Finale alleine und wurden damit durch ein 20:0 erneut Europameisterinnen – das gleiche sollte sich am Abend mit den niederländischen Herren wiederholen.

Dazwischen kamen kurz auch fünf deutsche Herren in die Halle – es bestand Unklarheit über die Regeln, obwohl die Spieler beider Teams – Italien und Deutschland – sich geeinigt hatten, aus Sorge um ihre Gesundheit nicht antreten zu wollen. Am Ende fiel die Entscheidung vonseiten der IWBF Europe, dass niemand mehr aufs Feld muss, aber auch keine Bronzemedaillen bei den Herren vergeben werden.

„Wir behalten uns vor, dagegen zu protestieren, weil in unseren Augen eine geteilte Bronzemedaille unter diesen Umständen fairer wäre“,

sagte Herren-Bundestrainer Nicolai Zeltinger.

„Nicht geschützt gefühlt“

So wurde es ein denkwürdiger Tag mit zwei EM-Titeln ohne Endspiel und Teams, die alle um ihre Gesundheit Sorge hatten, weil schon in den vergangenen Tagen immer öfters klar wurde, dass dieses Turnier in der Art nicht stattfinden hätte dürfen. Schon vor dem Turnier hatte der Deutsche Behindertensportverband das Hygienekonzept der Veranstalter kritisiert und Verbesserungen gefordert, doch diese wurden nur mangelhaft umgesetzt. Das führte sogar dazu, dass das deutsche Team selbst tägliche Testungen durchführte, um sich und andere Mannschaften zu schützen.

Das Buffet aller Teams im gleichen Speisesaal, der Transport in den gleichen Bussen, die danach nicht desinfiziert wurden und eine Hotel-Bubble, in die sich auch andere Hotelgäste mischten, waren nur einige der großen Kritikpunkte am Hygienekonzept des Veranstalters. Jenes Hygienekonzept ließ es auch zu, dass Spielerinnen und Spieler mit negativem Schnelltest aufs Feld durften, wenngleich es positive Fälle in ihrem Team gegeben hatte.

„Es sollte nicht vergessen werden, dass viele von uns zur Risikogruppe gehören“,

schrieb Annabel Breuer, eine der drei früher abgereisten Spielerinnen, in einem Statement auf ihrer Instagram-Seite: „Ich habe mich nicht adäquat geschützt gefühlt durch das Hygienekonzept.“

Deutschland: Katharina Lang (14, ING Skywheelers), Svenja Erni (10, BBU ’01), Anne Patzwald (8, BG Baskets Hamburg), Lena Knippelmeyer (4, BBC Münsterland), Catharina Weiß (4, RSV Lahn-Dill), Lisa Bergenthal (RBC Köln 99ers), Valeska Finger (Doneck Dolphins Trier), Amanda Fanariotis (RSKV Tübingen), Vanessa Erskine (Hannover United), Maya Lindholm (n.e., BG Baskets Hamburg), Annabel Breuer (n.e., -), Svenja Mayer (n.e., Rhine River Rhinos).

(RP/PM)

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