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CBP bringt Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung aus der Ukraine nach Deutschland

„Not sehen und handeln“ – Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie organisiert Evakuierung und Unterbringung in Mitgliedseinrichtungen. Eine weitere Fahrt von Polen nach Deutschland ist geplant.

In Sicherheit: Junge Erwachsene mit geistiger Behinderung wurden nach Deutschland gebracht. (Foto: Cornelia Suhan)
In Sicherheit: Junge Erwachsene mit geistiger Behinderung wurden nach Deutschland gebracht. (Foto: Cornelia Suhan)

Am Wochenende hat die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP) eine erste Fahrt von 110 Kindern, Jugendlichen und junge Erwachsenen mit geistiger Behinderung und ihren Begleitpersonen aus der Ukraine nach Deutschland durchgeführt. Mit zwei Bussen und einem Bully wurden die geflüchteten Menschen von Glucholazy (Polen) nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachen gebracht. Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit geistiger Behinderung kommen aus einem Waisenhaus in Kyiv und werden nun in Mitgliedseinrichtungen des CBP aufgenommen.

Die Gruppe besteht aus 86 Betreuten, 16 Betreuer:innen sowie 8 Familienangehörigen. Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit geistiger Behinderung waren zunächst von Caritas Opole für zwei Wochen in einem Erholungsheim bei Opole (Polen), nahe der tschechischen Grenze, betreut. Dort befanden sie sich in Quarantäne, sie wurden medizinisch untersucht und ihre Papiere für die Weiterreise zusammengetragen. Durch ihre Fahrt nach Deutschland machen sie nun Platz für die gegenwärtig ca. 6.000 Kinder und Jugendlichen, die in Lviv noch auf ihre Evakuierung nach Polen warten. Zuletzt wurde leider auch Lviv bombardiert.

Not sehen und handeln

„Not sehen und handeln“ – das Motto der Caritas könnte auch gut über der beispiellosen Aktion stehen, die der CBP zusammen mit seinen Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf die Beine gestellt hat, um den geflüchteten Menschen eine neue Unterkunft und gute Versorgung zu ermöglichen. Zu den vielen Partnern und ehrenamtlichen Helfern, die das Vorhaben unterstützen, zählt beispielsweise die Firma Rose-Reisen, ein Busunternehmen aus Borgentreich, das die Busse zur Verfügung gestellt hat, während die Fahrer ehrenamtlich die Tour übernommen haben. Die Bäckerei Brechtken aus Bonenburg hat für die ganze Verpflegung der Gruppe gesorgt und die Firma Egger lud am Sonntagabend alle Beteiligten zu einem Willkommens-Abendessen in Brilon ein. Auch wurde die Fahrt in Richtung Polen nicht mit leeren Händen angetreten: In einer kurzfristig gestarteten Sammelaktion für die Ukraine in der Stadt Borgentreich wurden zuvor zahlreiche Spenden, Hilfsmittel und andere Güter für die Ukraine zusammengetragen.

Zur Aufnahme der Gruppen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bereiterklärt haben sich das Franz-Sales-Haus in Essen, Jovita in Troisdorf, die Caritas Brilon, das HPZ St. Laurentius-Warburg, die Caritas Dortmund, die Caritas-Wohnen Hannover sowie das St.-Vitus-Werk Gesellschaft für heilpädagogische Hilfe mbH in Meppen. Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit geistiger Behinderung haben zuvor in Kyiv in altersgemischten, familiären Kleingruppen von jeweils sechs Mädchen/Frauen oder zehn Jungen/Männern, vergleichbar mit den hiesigen SOS-Kinderdörfern, gelebt. Diese altvertrauten Strukturen sollen nach Möglichkeit beibehalten bleiben, denn in Zeiten des Chaos durch den Krieg geben sie den jungen Menschen den Halt, den sie zur Bewältigung der aktuellen Situation benötigen. Daher ist es wichtig, dass Mitgliedseinrichtungen gefunden werden konnten, die die gesamten Gruppen – entgegen den hierzulande üblichen Strukturen – bei sich aufnehmen.

Plätze in Einrichtungen der Behindertenhilfe gesucht

Eine weitere Fahrt mit über 100 Jugendlichen mit geistiger Behinderung von Polen nach Deutschland ist geplant, diesmal an den Chiemsee nach Bayern. Vor Ort werden noch geeignete Plätze in Einrichtungen der Eingliederungshilfe gesucht. Die frei gewordenen Unterkünfte in Polen werden umgehend von einer anderen Gruppe von Kindern und Jugendlichen belegt, denn die Situation in den vom Krieg betroffenen Gebieten ist sehr besorgniserregend. Täglich erreichen den CBP neue Anfragen, zuletzt beispielsweise aus Mariupol, wo ca. 60 Kinder und Jugendliche mit Behinderung auf eine Evakuierung warten. Zusammen mit den Kolleg:innen der Caritas Polen und Caritas Opole versucht der CBP, schnellstmöglich alle Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine nach Polen zu holen sowie dann in Polen und in Deutschland geeignete Plätze zu suchen und die jungen Menschen dorthin zu transportieren.

Der CBP richtet sukzessive ein Netzwerk für alle Unterstützer:innen ein. So können die Beteiligten in der aktuellen Situation voneinander und miteinander lernen sowie in der besonderen Situation, verursacht durch den Krieg in der Ukraine, aber auch darüber hinaus gemeinsam den Herausforderungen des Alltags in der Gemeinschaft der Caritas begegnen – denn das ist der Wesenskern christlichen Lebens und Handelns. Hubert Vornholt, Vorstandsmitglied des CBP und zugleich Vorstandsvorsitzender des Franz-Sales-Haus in Essen, begrüßte die Gruppe, die in Essen aufgenommen wurde, persönlich und sagt: „Es ist unser Auftrag, die kriegsvertriebenen Kinder, Jugendlichen und junge Menschen aus der Ukraine sowie deren Betreuer:innen und Angehörigen mitten unter uns aufzunehmen. Das ist gelebte Caritas.“ Der Fachverband und seine Mitgliedseinrichtungen hoffen, noch viele Mitwirkende gewinnen können, die bereit sind, Herzen und Türen für die Menschen zu öffnen, die jetzt in Not sind und Unterstützung benötigen.

(RP/PM)

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