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Bundesweiter Sehbehindertentag: Die schlimmste Kreuzung für sehbehinderte und blinde Menschen in Hamburg

Mit einer Veranstaltung an der Kreuzung Grindelallee / Rutschbahn / Bogenstraße am 5. Juni 2024 beteiligt sich der Blinden- und Sehbehindertenverein e.V. (BSVH) an der deutschlandweiten Aktion.

Die Kreuzung Grindelallee / Rutschbahn / Bogenstraße soll am Bundesweiten Sehbehindertentag als „Schlimmste Kreuzung Hamburgs“ ausgezeichnet werden.
Die Kreuzung Grindelallee / Rutschbahn / Bogenstraße soll am Bundesweiten Sehbehindertentag als „Schlimmste Kreuzung Hamburgs“ ausgezeichnet werden. (Foto: Google Maps)

Kreuzungen sind neuralgische Punkte im Straßenverkehr – hier treffen unterschiedliche Verkehrsteilnehmende aus verschiedenen Richtungen zusammen. Das Verkehrsgeschehen ist komplex und das führt zu Problemen: Nach Unfalldaten des Statistischen Bundesamtes passieren rund die Hälfte aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden an Kreuzungen und Einmündungen.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) hat deshalb eine bundesweite Aktion gestartet: Aus Anlass des Sehbehindertentages 2024 soll auf gefährliche Kreuzungen hingewiesen werden, um diese sicherer zu machen. Der BSVH beteiligt sich an dieser Aktion mit einer Veranstaltung am 5. Juni an der Kreuzung Grindelallee / Rutschbahn / Bogenstraße. Sehbehinderte und blinde Menschen sind hier einem besonderen Risiko ausgesetzt.

Leitsystem führt direkt auf den Fahrradweg

Das Queren der Kreuzung ist für blinde und seheingeschränkte Menschen nicht ungefährlich. Die Gründe liegen in der Radwegeführung auf den Fußwegen. Wenn die Ampeln für den Autoverkehr rot anzeigen, gilt dies offensichtlich nicht für Radfahrende, weil es für sie keine speziellen Ampeln gibt, und für die Radwege keine Querungen gekennzeichnet sind (z.B. Zebrastreifen). Das normengerechte Leitsystem für seheingeschränkte Menschen führen zwar zu den Fahrradwegen, aber damit direkt auf die Radwege und damit möglicherweise in den ungebremsten Radverkehr. Dies geschieht sowohl vor der Überquerung der Straßen als auch beim Betreten der Fußwege. Hier besteht größte Unfallgefahr für Fußgehende – insbesondere für blinde und sehbehinderte Menschen.

Hinzu kommt bei dieser Kreuzung, dass es eine gesonderte Busspur gibt. Die Akustikampeln sind kaum hörbar. Auch schwierig ist z.T. die Führung von Leitstreifen zur Querung der breiten Radwege und hin zu den Ampeln. Teilweise sind die Straßen diagonal zu queren, was für blinde Menschen eine besondere Herausforderung darstellt. Darüber hinaus sind die Anforderungsschalter für die Akustik-Ampeln nicht intuitiv auffindbar.

Nur eine Kreuzung unter vielen

Die beschriebenen Probleme und Gefahren sind exemplarisch für die meisten Kreuzungen in Hamburg, auch wenn sie mit normengerechten Bodenindikatoren ausgestattet sind. An der genannten Kreuzung kann exemplarisch veranschaulicht werden, warum die Forderung der Interessenvertretung nach sicheren Querungen mit Lichtsignalanlagen und Kennzeichnungen von Querungen auf Radwegen auf Fußwegen so wichtig ist, nämlich um Unfälle zu verhindern.

Von 10 bis 11 Uhr ist am 5. Juni Folgendes geplant:

  • Information zur Problematik der Verkehrsführung
  • Bei Interesse gesicherte Selbsterfahrung unter der Simulationsbrille
  • Auszeichnung der Kreuzung als „Schlimmste Kreuzung Hamburgs“
Bundesweiter Sehbehindertentag
Laut Hochrechnungen auf Basis von Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es mehr als eine Million sehbehinderte Menschen in Deutschland. Um auf die Bedürfnisse dieser Menschen aufmerksam zu machen, hat der DBSV im Jahr 1998 einen eigenen Aktionstag eingeführt: den Sehbehindertentag. Er findet jährlich um den 6. Juni herum zu einem bestimmten Thema statt.

(RP/PM)

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